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Im Atelier von Michael Mohns

Michael Mohns führt ein Leben als Bildhauer und eines als Fischereibiologe. Aus beiden Leben finden sich Spuren in seinem Atelier im Mecklenburgischen Tarnow wieder. Kultur-MV hat den Künstler besucht - zusammen mit der Kunstkommission MV, die Arbeiten von ihm für die Kunstsammlung des Landes erwarb.

Verliebt in einen Hasen? So große Plastiken lässt Michael Mohns selten in Bronze gießen. Das sei einfach sehr kostenintensiv und schwer händelbar, sagt er. Der große Gipshase ist aber noch lange nicht fertig. "Ich kann noch nicht sagen, wie ich an ihm weitermache", sagt er. Der Hase stehe erstmal am Rande.
Mohns geht unterschiedlich an seine Arbeiten heran, einige skizziert er vorher, andere formt er aus dem Lameng heraus. "Manches kann ich bildhauerisch nicht sofort umsetzen, da muss ich mich herantasten", erklärt er. Dann entstünden mehrere Studien auf Papier oder in Gips oder Wachs.
Anfassen ist erlaubt - unbedingt! "Es ist ein schöner Moment, wenn Kinder zur Plastik greifen und manchmal sogar mit ihnen kuscheln", sagt Mohns. "Ich liebe das. Nur so bekommen Kinder auch ein Materialgefühl." Sinnliche Kompetenz kann man das auch nennen.
Die versucht Mohns stetig weiterzuentwickeln. In einem Projekt versuchte er schwarze, zerrissene Formen aufzulösen. "Eine konsequente Fortentwicklung meiner Schädelstudien", sagt er. "Aber da weiß ich zurzeit nicht weiter. Das versuche ich vielleicht in fünf Jahren noch einmal."
Bei ihrem Besuch im Atelier in Tarnow ist die Kunstkommission beeindruckt von den vielen Skulpturen und Zeichnungen. "Die großen Zeichnungen entstanden am Strand. Dort wurden viele tote Dinge angeschwemmt, die aber dennoch Kraft und Lebendigkeit für mich ausstrahlten", so der Künstler. Also habe er sie gezeichnet.
Um sie später vielleicht in Skulpturen umzusetzen. "Im echten Leben bin ich Fischereibiologe", sagt Mohns. Aber für seine Kunst habe er keinen wissenschaftlichen Aufhänger. "An so einer Kreatur finde ich alles, was ich als Bildhauer suche. Damit erzähle ich jede Geschichte - ohne Wissenschaft."
"Ich bin meistens zuerst von der Form fasziniert, dann kommen die Emotionen dazu. Und dann die Motivation zur Modulation", erklärt Mohns und lacht. Sein Traum? "Einen vier bis fünf Meter großen Hasen in eine Stadtlandschaft zu stellen, unter dem die Menschen durchgehen, das wäre was."
Aber so einen großen Hasen kriege er alleine "nicht gewuppt". Das ist ein zu großes Projekt. Aber jeder Bildhauer habe so einen Traum, glaubt Mohns. "Ich freue mich jedenfalls, wenn meine Skulpturen ein Gespräch auslösen und Geschichten um sie herum entstehen", so der Bildhauer.