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Land kauft Kunst IV: Zu Besuch bei Heiko Krause

Einige Arbeiten von Heiko Krause entstehen in völlig unvorbereiteten Momenten.
Mindestens eine analoge Fotokamera begleitet den Fotografen ständig.

Jedes Jahr kauft Mecklenburg-Vorpommern Arbeiten von bedeutenden Künstlern des Landes für die Kunstsammlung auf. Kultur-MV hat die Ankäufe 2017 begleitet und stellt alle acht Künstler in ihrer Arbeitsumgebung vor. So wie Fotograf Heiko Krause.

Ein Dickicht an einem regnerischen Tag, darin ein orangener Sessel nur kurze Zeit von der Sonne beschienen. Es sind diese speziellen Augenblicke, die Heiko Krause auf den Auslöser seiner Kamera drücken und den Moment festhalten lassen. So wie die achtlos hingeworfene Decke im Theater, die in einem zufälligen Kontext doch so komponiert erscheint. 

Stille Momente der Alltäglichkeit

„Im|zwischen“ und „unheimlich still“ titelt Heiko Krause seine aktuellen Serien, deren Titel ziemlich genau wiedergeben, was den Betrachter erwartet. Stille Momente der Alltäglichkeit, die gerne im täglichen Rauschen untergehen, hält der Fotograf fest. Lieber analog, oft auch einfach mit der Handykamera. Der Blick aus dem Fenster, der Sperrmüll eines Nachbarn im Vorbeigehen. 

Das Ergebnis scheint oft wie "aus der Zeit gefallen", meint der Greifswalder. Unaufdringliche Momente, die den Betrachter faszinieren oder einfach kalt lassen. Aber immer einen zweiten Blick Wert sind. 

Krause über Wahrnehmen, Festhalten und Verstehen

Für Heiko Krause ermöglichen seine Fotografien auch eine Zuwendung zu seinem eigenen Jetzt.

Sie bilden mit Ihrer Fotografie Blicknischen in Augenblicken ab, die es so wenig später unter Umständen gar nicht mehr gibt. Wie finden Sie Ihre Motive oder wie finden Ihre Motive Sie?

Heiko Krause: Die Art und Weise meines Arbeitens ist stets in unmittelbarem Zusammenhang mit dem jeweiligen fotografischen Prozess. Insofern liegen allen Serien teilweise deutlich divergierende Arbeitsweisen zu Grunde, obwohl in deren Bildresultaten serienübergreifend zumindest auch formalästhetische Ähnlichkeiten offensichtlich sind.

Ich dokumentiere im fotografischen Bild nicht historisch Beleghaftes, sondern erfasse kontinuierlich vorgefundene Entäußerungen von ästhetischen oder narrativen Situationen, die für mich „en passant“ in einem konkreten, jedoch zumeist spontanen Moment meines Alltag aufscheinen. Erfassen kann ich diese, insbesondere für mich, bedeutsamen Alltagskonstrukte durch die Begleitung mindestens eines analogen Fotoapparats oder mit Hilfe der Carl-Zeiss-Kamera-Technik meines Nokia 808.

Das Wahrnehmen und Festhalten, sogar das Verstehen dieser latenten und vergänglichen Situationen durch das fotografische Bild ist ein Prozess, den ich beim Fotografieren zuallererst für mich selbst vollziehe. Ich erwarte daher vom Betrachter kein Verständnis und arbeite somit auch nicht dafür, dass sich ein solches zwanghaft und eindeutig einstellt. Ich freue mich natürlich über Schnittmengen, die mir helfen, die eigene Sicht immer neu zu hinterfragen. Gerade die aktuellen Serien „im|zwischen“ und „unheimlich still“ verbinden sich auch untereinander durch eine Bildauffassung, die unter die Oberfläche des Abgebildeten vorfühlt. Die optisch scheinbar geschlossenen, präzise gebauten Kompositionen sind zugleich narrativ so offen, dass sowohl dem einzelnen Bild als auch den Bildgruppen prosaische Erzählungen entwachsen können, die vielschichtig aber auch unabgeschlossen sein mögen.

Über „unser“ Jetzt, unsere Zeit wissen die Fotografien jedoch nur wenig zu berichten, wirken Sie doch wie aus der Zeit gefallen, vielleicht sogar unwesentlich. Mir ermöglichen sie eine innige Zuwendung zu „meinem“ eigenen Jetzt, mit einer Gleichberechtigung in der Wertschätzung von allem mich Umgebenden.

Wer oder was inspiriert Sie und wie hat sich Ihre Arbeit über die Jahre verändert?

Die stetige Veränderung meines Umfeldes, von Problemlagen und allen sonstigen Fragen des Alltags, verändern natürlich auch den Fokus. Mein Kontinuum findet sich in der Begeisterung für die Arbeit vieler Fotografen und Fotografinnen. Arno Fischer, Sibylle Bergemann leuchten durch die besondere Innigkeit und menschliche Wärme Ihrer Person und Arbeiten auch Jahre nach Ihrem Tod deutlich aus der Vielzahl von fotografischen Positionen heraus. Dieses Nachglühen wird anhalten, genau wie die Fotografie meines leider schwer erkrankten besten Freundes Detlev Steinberg.

Die Fotografien Saul Leiters, William Egglestons, Seiichi Furuyas, Hiroshi Sugimotos, Josef Koudelkas, Roger Melis, Ute Mahlers, Sascha Weidners und zahlreicher weiterer Kollegen und Kolleginnen hinterlassen mit den ihnen innewohnenden Visionen genauso Eindruck, wie die Arbeiten nahestehender Künstler anderer Genres – so aus dem Bereich der abstrakten Zeichnung, der Malerei, Skulptur und der Street Art.

Instagram, ein viel gescholtenes Medium, ist hierbei eine berührende Möglichkeit für einen Blick in das Schaffen so vieler wertvoller KünstlerInnen und ermöglicht auch, in den Austausch zu treten.

Die Auseinandersetzung mit Bildender Kunst macht die eigenen Arbeiten erst möglich, wobei es kaum zu einem direkten Transfer kommt sondern eher zu einer Motivation aus dem Erleben der Werke heraus.

Arbeiten Sie an einem aktuellen Projekt oder haben Sie eine Lieblingsarbeit? Stellen Sie diese bitte kurz vor.

Im Französischen gibt es den Ausdruck der „formation continue“, der unablässigen Bildung. In diesem Sinne ist mein Arbeitsprozess in Phasen meines Lebens zwar gestört aber nie unterbrochen. Ich lerne immerfort und meine Arbeiten reflektieren darauf - hoffentlich. 

Der Fotograf Heiko Krause

Im Jahr 1974 in der Uckermark geboren führte das Studium Heiko Krause nach Vorpommern in die Universitätsstadt Greifswald. Hier studierte er am Caspar-David-Friedrich-Institut (CDFI) und absolvierte das zweite Staatsexamen. 

Seit dem Jahr 2010 ist der Vater zweier Kinder berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photografie. Mit Arno Fischer verbanden ihn Freundschaft und Mentorenschaft, die ihn 2011 sogar für ein Studium an die Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin führten. Inzwischen lebt und arbeitet Heiko Krause in Greifswald und war unter anderem Künstlerischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bildende Kunst, Visuelle Medien und deren Didaktik von Prof. Michael Soltau.

Mehr Informationen gibt die Homepage von Heiko Krause.

Das Land MV erwarb 2017...

Das Geschichte hinter dem Foto "Winter" ist weniger dramatisch, als das Bild vermittelt.

...von Heiko Krause folgende Arbeiten für die Landeskunstsammlung:

  • "Aus der Serie im|zwischen"
  • "Vier Raden"
  • "Winter"

Schau, MV zeigt seine Kunst

Das Schloss Güstrow präsentiert ab 1. Dezember mehr als hundert Werke von 23 Künstlern des Landes.

Ein Blick in die Kunstsammlung des Landes gefällig? Dann hergeschaut: Vom 2. Dezember an zeigt Mecklenburg-Vorpommern seine Kunstankäufe aus den Jahren 2015 bis heute. Die Ausstellung „Land in Sicht“ präsentiert mehr als hundert Werke von 23 Künstlern. Dabei ist die stilistische Bandbreite groß: Malerei, Arbeiten auf Papier, Fotokunst, Video, Objekt und Skulptur/Plastik.

Und wo? Im zweiten Obergeschoss der kleinen Galerie im Schloss Güstrow am Franz-Parr-Platz.

Ausrichter der Exposition sind das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern sowie das Staatliche Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow.  

Die Schau wird am 1. Dezember um 18 Uhr eröffnet und ist bis 4. März zu besichtigen.

Mehr Informationen gibt es hier.

Land kauft Kunst I: Im Atelier von Udo Dettmann

Er ist ein Virtuose der Alltagsbeobachtungen. Seine Instrumente: Grafik und Videokunst. Hintersinniger Humor ist sein stetiger Begleiter. Er liebt es, Menschen mit sich selbst zu konfrontieren. Ein Besuch im Atelier von Udo Dettmann.

Land kauft Kunst II: Im Atelier von Hildegard Mann

Lange Papierschlangen winden sich von der Decke, streifen ab und an die Schulter. Farbenprächtige, filigrane Papierarbeiten stapeln sich in den Regalen - Inspirationen, fertige Papierreliefs, Materialien. Wer das Atelier von Hildegard Mann betritt, scheint sich in einer Welt aus Papier wiederzufinden.   

Land kauft Kunst III: Im Atelier von Oscar Manigk

Der gebürtige Berliner ist Maler mit Leib und Seele. "Manchmal male ich an zwei Bildern zugleich", erklärt Oscar Manigk. "Denn was dem einen schadet, kann dem anderen nützen." Weiterlesen...

Land kauft Kunst V: Im Atelier von Christian Frosch

Sich selbst überlassen: mehrere Farbeimer mit Farbe, mehrere Kunststoffbecher voller Farbe auf Sockeln. Christian Frosch stößt Prozesse an, nimmt auf dessen Entwicklung aber keinerlei weiteren Einfluss. "Farbe sucht sich selbst ihre Form", sagt er, der sich selbst als forschenden Maler bezeichnet. Die Fragen, um die sich seine Arbeiten drehen: Was ist Malerei eigentlich? Und was kann sie sein? Weiterlesen...

Land kauft Kunst VI: Im Atelier von Gerhard Stromberg

Der Horizont mittig. Himmel und Erde gleich gewichtet. Eine strenge Bildkomposition. Gerhard Stromberg ist ein Mann der großen Landschaftsbilder. Der Mensch ist in ihnen ständig präsent – meist in den Spuren seines Handelns, weniger als Person selbst. Um ein Bild zu finden, wie Stromberg sagt, braucht es oft mehrere Monate. Weiterlesen...