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Land kauft Kunst VII: Im Atelier von Rolf Wicker

Holzmodelle zeigen Wickers geistige Konzepte.
Großräumige Installationen im Kleinformat: Wicker stellt von jeder Arbeit ein Modell her.
Fotografien und Reliefs dokumentieren seine Kunstwerke in verschiedenen Perspektiven.

Jedes Jahr kauft Mecklenburg-Vorpommern Arbeiten von bedeutenden Künstlern des Landes für die Kunstsammlung auf. Kultur-MV hat die Ankäufe 2017 begleitet und stellt alle acht Künstler in ihrer Arbeitsumgebung vor. So wie Rolf Wicker in Kusserow.

Neugierige einen Knoten gehen lassen? Rolf Wicker schickt Passanten gern auf verwundene Pfade, wie auf seine „Enzwegschleife" in Vaihingen. Wege ziehen sich wie rote Fäden durch seine Arbeiten, halten alles zusammen. Inspirieren Hochzeitspaare zu Erinnerungsfotos wie das "Bandelwerk" im Schlosspark in Kißlegg im Algäu.

Begehbare Installationen für einen begrenzten Zeitraum

Fast alle Installationen von Rolf Wicker sind begehbar, erlebbar. Oft nur wenige Wochen. Dann verschwindet seine Kunst wieder aus dem öffentlichen Raum. „Meine Installationen werden so für einen begrenzten Zeitraum Teil des Lebens. Sie werden belagert, bespielt und begangen", sagt der studierte Bildhauer. „Menschen setzen sich mehr mit temporärer Kunst auseinander, nehmen sie weniger als gegeben hin." 

Wicker nennt es das „Konzentrat". Die Zeit, in der aus seinen geistigen Ideen reale Installationen werden. Was bleibt, ist „die Erinnerung für mich".

„Hängen geblieben" in der Mecklenburgischen Schweiz

Und kleine Holzmodelle, die sein Atelier in Küsserow füllen. In dem Ortsteil von Lelkendorf lebt und arbeitet der Künstler, so oft es geht. Die Ruhe und Abgeschiedenheit der Mecklenburgischen Schweiz scheinen für den Wahlberliner ein gutes Gegengewicht zur Hektik der Hauptstadt zu bilden. Hier hat er sich mit viel Eigeninitiative und wenig Geld ein kleines Wohnhaus renoviert und für sich und seine Frau, eine Bühnenbildnerin, großräumige Ateliers geschaffen.

„Kunst fürs Dorf - Dörfer für Kunst" - ein Pilotprojekt der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft - führte den Familienvater 2009 nach Lelkendorf. Die Dorfbewohner hießen ihn mit mecklenburgischer Freundlichkeit willkommen, der Funke sprang über. Das Projekt endete, Wicker „blieb hängen", wie er sagt. Er habe hier seinen Platz gefunden. Das seien die Wege des Lebens.

Der Künstler Rolf Wicker

Ein Stipendium führte Rolf Wicker in die Nähe von Lelkendorf, die Bewohner hießen ihn willkommen. Er blieb.

Eine Steinmetzlehre und ein Bildhauerstudium legten die Grundsteine für die künstlerische Arbeit von Rolf Wicker, Jahrgang 1965. Sein Studium führte ihn letztendlich an die Kunsthochschule Berlin-Weissensee.

Ein bisschen Kosmopolit

Im Laufe seines Künstlerlebens erhielt er mehrere Stipendien, die ihn unter anderem nach Rom brachten. Wicker lebte und arbeitete auch eine Zeit lang in New York, wurde „Artist in Residence" in Porto Alegre in Brasilien und lehrte als Gastdozent an der Kunsthochschule in Berlin. 

Kreativ in der Mecklenburgischen Schweiz

Das Pilotprojekt „Kunst fürs Dorf - Dörfer für Kunst" der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft führte den Wahlberliner nach Lelkendorf in Mecklenburg-Vorpommern. Es gefiel ihm so gut, dass er hier sein Atelier aufbaute. 

Mehr erfahren zu Rolf Wicker

Schau, MV zeigt seine Kunst

Ein Blick in die Kunstsammlung des Landes gefällig? Dann hergeschaut: Vom 2. Dezember an zeigt Mecklenburg-Vorpommern seine Kunstankäufe aus den Jahren 2015 bis heute. Die Ausstellung „Land in Sicht“ präsentiert mehr als hundert Werke von 23 Künstlern. Dabei ist die stilistische Bandbreite groß: Malerei, Arbeiten auf Papier, Fotokunst, Video, Objekt und Skulptur/Plastik.

Und wo? Im zweiten Obergeschoss der kleinen Galerie im Schloss Güstrow am Franz-Parr-Platz.

Ausrichter der Exposition sind das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern sowie das Staatliche Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow.  

Die Schau wird am 1. Dezember um 18 Uhr eröffnet und ist bis 4. März zu besichtigen.

Mehr Informationen gibt es hier.

Land kauft Kunst I: Im Atelier von Udo Dettmann

Er ist ein Virtuose der Alltagsbeobachtungen. Seine Instrumente: Grafik und Videokunst. Hintersinniger Humor ist sein stetiger Begleiter. Er liebt es, Menschen mit sich selbst zu konfrontieren. Ein Besuch im Atelier von Udo Dettmann.

Land kauft Kunst II: Im Atelier von Hildegard Mann

Lange Papierschlangen winden sich von der Decke, streifen ab und an die Schulter. Farbenprächtige, filigrane Papierarbeiten stapeln sich in den Regalen - Inspirationen, fertige Papierreliefs, Materialien. Wer das Atelier von Hildegard Mann betritt, scheint sich in einer Welt aus Papier wiederzufinden.   

Land kauft Kunst III: Im Atelier von Oscar Manigk

Der gebürtige Berliner ist Maler mit Leib und Seele. "Manchmal male ich an zwei Bildern zugleich", erklärt Oscar Manigk. "Denn was dem einen schadet, kann dem anderen nützen." Weiterlesen...

Land kauft Kunst IV: Zu Besuch bei Heiko Krause

Ein Dickicht an einem regnerischen Tag, darin ein orangener Sessel nur kurze Zeit von der Sonne beschienen. Es sind diese speziellen Augenblicke, die Heiko Krause auf den Auslöser seiner Kamera drücken und den Moment festhalten lassen. Weiterlesen...

Land kauft Kunst V: Im Atelier von Christian Frosch

Sich selbst überlassen: mehrere Farbeimer mit Farbe, mehrere Kunststoffbecher voller Farbe auf Sockeln. Christian Frosch stößt Prozesse an, nimmt auf dessen Entwicklung aber keinerlei weiteren Einfluss. "Farbe sucht sich selbst ihre Form", sagt er, der sich selbst als forschenden Maler bezeichnet. Die Fragen, um die sich seine Arbeiten drehen: Was ist Malerei eigentlich? Und was kann sie sein? Weiterlesen...

Land kauft Kunst VI: Im Atelier von Gerhard Stromberg

Der Horizont mittig. Himmel und Erde gleich gewichtet. Eine strenge Bildkomposition. Gerhard Stromberg ist ein Mann der großen Landschaftsbilder. Der Mensch ist in ihnen ständig präsent – meist in den Spuren seines Handelns, weniger als Person selbst. Um ein Bild zu finden, wie Stromberg sagt, braucht es oft mehrere Monate. Weiterlesen...

Land kauft Kunst VIII: Im Atelier von Ramona Seyfarth

Papier-Friedenstauben drängen aus Oma Trautes Koffer in Erinnerung an den Holocaust. Kleine Rettungsschiffe aus Butterbrotpapier dicht an dicht stehen stellvertretend für hunderte Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa drängen. Empathie für die Welt und ihre Facetten ist es, die Ramona Seyfarths Kunst auszeichnet. Weiterlesen...