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Land kauft Kunst V: Im Atelier von Christian Frosch

Sein Atelier wird häufig zum Labor: Seit 2015 forscht und lehrt Christian Frosch als Professor an der Universität Greifswald.

Jedes Jahr kauft Mecklenburg-Vorpommern Arbeiten von bedeutenden Künstlern des Landes für die Kunstsammlung auf. Kultur-MV hat die Ankäufe 2017 begleitet und stellt alle acht Künstler in ihrer Arbeitsumgebung vor. So wie Professor Christian Frosch.

Sich selbst überlassen: mehrere Farbeimer mit Farbe, mehrere Kunststoffbecher voller Farbe auf Sockeln. Christian Frosch stößt Prozesse an, nimmt auf dessen Entwicklung aber keinerlei weiteren Einfluss. "Farbe sucht sich selbst ihre Form", sagt er, der sich selbst als forschenden Maler bezeichnet. Die Fragen, um die sich seine Arbeiten drehen: Was ist Malerei eigentlich? Und was kann sie sein?

Ironisches Statement auf die Kunsttheorie?

Sind seine Arbeiten ein ironisches Statement auf die Kunsttheorie? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Christian Frosch selbst gilt als anerkannter Künstler. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Kunstakademie Düsseldorf. Er ist Lehrer mit Staatsexamen des Freistaates Bayern und ist seit 2015 Professor u.a. für Bildende Kunst an der Greifswalder Universität. Als 14-Jähriger wusste er schon, dass er Künstler werden will. Etwas anderes gab es für ihn nicht.

Was kann Malerei?

Mit 29 Jahren legte der Künstler seine "Anatomisch-Pathologische Sammlung Malerei" an, eine Studiensammlung zur Malerei und ein erster offizieller Schritt auf das Forschungsgebiet Malerei. Seine Inspiration komme über das Machen, sagt er. Bei einem Studienaufenthalt in der Villa Romana im italienischen Florenz folgte 2003 mit "Farbabstriche" ein weiteres von mehreren Forschungsprojekten.  

Ergebnisse? Die Farbe in den Farbeimern trocknete und bildete unterschiedliche Formen. Welche Eigendynamik die Farbe entwickelte ist in der Werkgruppen "Töpfe" zu sehen. Die Farbe in den Kunststoffbechern löste das Behältnis auf und ergoss sich über die Sockel, wie die Werkgruppe "Panta rhei" zeigt.

Wenn das Atelier zum Labor wird

Prof. Christian Frosch forscht "im Sinne von Spielen, Experimentieren, Suchen und Hinterfragen".

Sie bezeichnen sich selbst als forschenden Maler. Das klingt interessant und Ihre Arbeiten stehen dafür. Aber was genau erforschen Sie? 

Prof. Christian Frosch: Im Rahmen meines Gesamtkonzeptes der „Malereiforschung“ widme ich mich der Darstellung aller zum Malprozess gehörenden Prozesse und Utensilien. Das Atelier wird dabei immer mehr zum Labor, das Finden neuer Konzepte und deren Erprobung in standardisierten Vorgängen und Versuchsreihen bestimmen meinen künstlerischen Alltag. Forschen im Sinne von Spielen, Experimentieren, Suchen und Hinterfragen - künstlerische Recherche - nicht auf ein bestimmtes Ziel gerichtet.

Wie finden Sie immer neue Projekte bzw. wie gehen Sie an diese heran?

Da gibt es kein Rezept, aber durch kontinuierliche Atelierarbeit (eben Spielen, Experimentieren, Suchen) gibt es Beobachtungen und Überraschungen, etwa durch handwerkliche Fehler. Bei der Arbeit mit "Toplac" habe ich beispielsweise Bootslack in Plastikbechern abgemessen. Diese Becher haben sich im Atelier verformt und so entstand die Arbeit "Panta Rhei" bei der ich das Beobachtete gezielt eingesetzt habe.

Arbeiten Sie an einem aktuellen Projekt oder haben Sie eine Lieblingsarbeit? Stellen Sie diese bitte kurz vor.

Es gibt tatsächlich keine Lieblingsarbeit. Alle Serien sind mir wichtig. Die aktuelle Arbeit ist die Serie „Leonardo“ bei der ich das Zitat von Leonardo da Vinci wörtlich nehmer:

"...denn wenn man nur einen Schwamm voll verschiedenerlei Farben gegen die Wand wirft, so hinterläßt dieser einen Fleck auf der Mauer, in dem man eine schöne Landschaft erblickt. Es ist wohl wahr, daß man in einem solchen Fleck mancherlei Erfindungen sieht, d.h. ich sage, wenn sie einer darin sehen will....! "

Ich werfe in Farbe getauchte Schwämme auf Papier an der Wand.

Der Künstler Christian Frosch

Im Jahr 1968 in bayrischen Gräfelfing geboren, lebt und arbeitet Prof. Christian Frosch inzwischen in Greifswald. Seine Ausbildung führte ihn als Dreißigjährigen jedoch zunächst an die Akademie der Bildenden Künste München und an die Kunstakademie Düsseldorf. Er war künstlerischer Mitarbeiter von Res Ingold an der Akademie der Bildenden Künste München, Lehrauftrag an der Fachhochschule Weihenstephan und hat seit 2015 eine Professur für Bildende Kunst, Malerei, Zeichnung, Raum und interdisziplinäre Strategien an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald inne. Dazu ist er geschäftsführender Direktor des Caspar-David-Friedrich-Instituts.

Malereiforschung betreibt Christian Frosch schon mehr als zehn Jahre und blickt parallel auf zahlreiche Einzelausstellungen zurück - unter anderem in Wien, New York und München. Seine Arbeiten sind in mehreren Sammlungen vertreten.

Mehr Informationen und Einblicke in sein Wirken gibt die Webseite www.malereiforschung.de

Das Land MV erwarb 2017...

...von Prof. Christian Frosch folgende Arbeiten für die Landeskunstsammlung:

  • "Toplac Nr. 11a"
  • "Toplac Nr. 11b"
  • "Panta Rhei"

Schau, MV zeigt seine Kunst

Ein Blick in die Kunstsammlung des Landes gefällig? Dann hergeschaut: Vom 2. Dezember an zeigt Mecklenburg-Vorpommern seine Kunstankäufe aus den Jahren 2015 bis heute. Die Ausstellung „Land in Sicht“ präsentiert mehr als hundert Werke von 23 Künstlern. Dabei ist die stilistische Bandbreite groß: Malerei, Arbeiten auf Papier, Fotokunst, Video, Objekt und Skulptur/Plastik.

Und wo? Im zweiten Obergeschoss der kleinen Galerie im Schloss Güstrow am Franz-Parr-Platz.

Ausrichter der Exposition sind das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern sowie das Staatliche Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow.  

Die Schau wird am 1. Dezember um 18 Uhr eröffnet und ist bis 4. März zu besichtigen.

Mehr Informationen gibt es hier.

Land kauft Kunst I: Im Atelier von Udo Dettmann

Er ist ein Virtuose der Alltagsbeobachtungen. Seine Instrumente: Grafik und Videokunst. Hintersinniger Humor ist sein stetiger Begleiter. Er liebt es, Menschen mit sich selbst zu konfrontieren. Ein Besuch im Atelier von Udo Dettmann.

Land kauft Kunst II: Im Atelier von Hildegard Mann

Lange Papierschlangen winden sich von der Decke, streifen ab und an die Schulter. Farbenprächtige, filigrane Papierarbeiten stapeln sich in den Regalen - Inspirationen, fertige Papierreliefs, Materialien. Wer das Atelier von Hildegard Mann betritt, scheint sich in einer Welt aus Papier wiederzufinden.   

Land kauft Kunst III: Im Atelier von Oscar Manigk

Der gebürtige Berliner ist Maler mit Leib und Seele. "Manchmal male ich an zwei Bildern zugleich", erklärt Oscar Manigk. "Denn was dem einen schadet, kann dem anderen nützen." Weiterlesen...

Land kauft Kunst IV: Zu Besuch bei Heiko Krause

Ein Dickicht an einem regnerischen Tag, darin ein orangener Sessel nur kurze Zeit von der Sonne beschienen. Es sind diese speziellen Augenblicke, die Heiko Krause auf den Auslöser seiner Kamera drücken und den Moment festhalten lassen. Weiterlesen...

Land kauft Kunst VI: Im Atelier von Gerhard Stromberg

Der Horizont mittig. Himmel und Erde gleich gewichtet. Eine strenge Bildkomposition. Gerhard Stromberg ist ein Mann der großen Landschaftsbilder. Der Mensch ist in ihnen ständig präsent – meist in den Spuren seines Handelns, weniger als Person selbst. Um ein Bild zu finden, wie Stromberg sagt, braucht es oft mehrere Monate. Weiterlesen...

Land kauft Kunst VII: Im Atelier von Rolf Wicker

Neugierige einen Knoten gehen lassen? Rolf Wicker schickt Passanten gern auf verwundene Pfade, wie auf seine „Enzwegschleife" in Vaihingen. Wege ziehen sich wie rote Fäden durch seine Arbeiten, halten alles zusammen. Fast alle Installationen von Rolf Wicker sind begehbar, erlebbar. Oft nur wenige Wochen. Dann verschwindet seine Kunst wieder aus dem öffentlichen Raum. Weiterlesen...

Land kauft Kunst VIII: Im Atelier von Ramona Seyfarth

Papier-Friedenstauben drängen aus Oma Trautes Koffer in Erinnerung an den Holocaust. Kleine Rettungsschiffe aus Butterbrotpapier dicht an dicht stehen stellvertretend für hunderte Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa drängen. Empathie für die Welt und ihre Facetten ist es, die Ramona Seyfarths Kunst auszeichnet. Weiterlesen...