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Land kauft Kunst VIII: Im Atelier von Ramona Seyfarth

Die Arbeit "Once upon a time" fordert den Betrachter zum Perspektivwechsel auf, dazu die eigene Haltung zu ändern.

Jedes Jahr kauft Mecklenburg-Vorpommern Arbeiten von bedeutenden Künstlern des Landes für die Kunstsammlung auf. Kultur-MV hat die Ankäufe 2017 begleitet und stellt alle acht Künstler in ihrer Arbeitsumgebung vor. So wie Ramona Seyfarth.

Papier-Friedenstauben drängen aus Oma Trautes Koffer in Erinnerung an den Holocaust. Kleine Rettungsschiffe aus Butterbrotpapier dicht an dicht stehen stellvertretend für hunderte Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa drängen. Empathie für die Welt und ihre Facetten ist es, die Ramona Seyfarths Kunst auszeichnet.

Unbedeutende Gegenstände und die Fragilität der Welt

Sie setzt scheinbar unbedeutende Gegenstände den Inhalten und Eindrücken des Alltags aus und zeigt die Fragilität der Welt auf. Wie diesen Spielzeugsoldaten in ihrer Arbeit „Once upon a time", der triumphierend über hunderten geschmolzenen Kunststoffsoldaten auf einem Kinderstuhl thront. Ist er Sieger? Über wen wird er herrschen, wenn doch alle anderen zerstört wurden? Betrachter würden sich häufig neben den Stuhl hocken, um die Perspektive des Spielzeugsoldaten zu verstehen, erzählt die Künstlerin. „Der Perspektivwechsel ist die Botschaft", sagt sie. 

Das eigene Erleben verschmilzt mit dem Werk

Der Wechsel der Perspektive ist es auch, den die gebürtige Neubrandenburgerin bei der Entstehung ihrer Werke erlebt. Mit hohem Aufwand, in langwierigen Prozessen entstehen Arbeiten wie „24 hours 26.04.2013". Eine fotografische Arbeit aus 30.000 bis zur Unkenntlichkeit verkleinerten Einzelfotos. Alle aus der gleichen Perspektive aufgenommen. Alle an einem einzigen Tag entstanden. „Alle drei Sekunden habe ich den Auslöser betätigt", sagt Ramona Seyfarth. Das Ergebnis ist eine „Skizze über den Versuch, die Zeit auszuhalten und den Raum als Projektion der eigenen Muster zu erkennen".

Der Künstlerin Ramona Seyfarth

Ramona Syefarth wurde 1980 in Neubrandenburg geboren und studierte Freie Kunst in Koblenz.

Ramona Seyfarth ist Künstlerin mit Leib und Seele. Gleich nach ihrem Abitur nahm die gebürtige Neubrandenburgerin an der Fachhochschule Koblenz das Studium der Freien Kunst auf. Ihr Studienschwerpunkt Glas zieht sich bis heute durch einige ihrer Arbeiten. Sie absolvierte den Bachelor of fine arts 2011 und schloss gleich danach das Masterstudium Freie Kunst an. 

Während ihres Studiums waren ihre Werke in mehreren Ausstellungen zu sehen. International zum Beispiel in Straßburg, und vor allem national im Jahr 2003 in Prora auf Rügen bei "Gesicht zeigen",  2010/11 bei „Ausblicke“ in Hamburg Reinbek, 2012 bei „KunstDirekt“ in Mainz und 2012 im Soziokulturellen Zentrum „Alte Kachelofenfabrik“ in Neustrelitz.

Aktuell ist sie für den Rostocker Kunstpreis 2017 nominiert.

 

Das Land MV erwarb 2017...

...von Ramona Seyfarth folgende Arbeiten für die Landeskunstsammlung:

  • „Der Tag 26.04.2013"
  • „Nothing but water"
  • „Dabke"

Schau, MV zeigt seine Kunst

Ein Blick in die Kunstsammlung des Landes gefällig? Dann hergeschaut: Vom 2. Dezember an zeigt Mecklenburg-Vorpommern seine Kunstankäufe aus den Jahren 2015 bis heute. Die Ausstellung „Land in Sicht“ präsentiert mehr als hundert Werke von 23 Künstlern. Dabei ist die stilistische Bandbreite groß: Malerei, Arbeiten auf Papier, Fotokunst, Video, Objekt und Skulptur/Plastik.

Und wo? Im zweiten Obergeschoss der kleinen Galerie im Schloss Güstrow am Franz-Parr-Platz.

Ausrichter der Exposition sind das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern sowie das Staatliche Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow.  

Die Schau wird am 1. Dezember um 18 Uhr eröffnet und ist bis 4. März zu besichtigen.

Mehr Informationen gibt es hier.

Land kauft Kunst I: Im Atelier von Udo Dettmann

Er ist ein Virtuose der Alltagsbeobachtungen. Seine Instrumente: Grafik und Videokunst. Hintersinniger Humor ist sein stetiger Begleiter. Er liebt es, Menschen mit sich selbst zu konfrontieren. Ein Besuch im Atelier von Udo Dettmann.

Land kauft Kunst II: Im Atelier von Hildegard Mann

Lange Papierschlangen winden sich von der Decke, streifen ab und an die Schulter. Farbenprächtige, filigrane Papierarbeiten stapeln sich in den Regalen - Inspirationen, fertige Papierreliefs, Materialien. Wer das Atelier von Hildegard Mann betritt, scheint sich in einer Welt aus Papier wiederzufinden.   

Land kauft Kunst III: Im Atelier von Oscar Manigk

Der gebürtige Berliner ist Maler mit Leib und Seele. "Manchmal male ich an zwei Bildern zugleich", erklärt Oscar Manigk. "Denn was dem einen schadet, kann dem anderen nützen." Weiterlesen...

Land kauft Kunst IV: Zu Besuch bei Heiko Krause

Ein Dickicht an einem regnerischen Tag, darin ein orangener Sessel nur kurze Zeit von der Sonne beschienen. Es sind diese speziellen Augenblicke, die Heiko Krause auf den Auslöser seiner Kamera drücken und den Moment festhalten lassen. Weiterlesen...

Land kauft Kunst V: Im Atelier von Christian Frosch

Sich selbst überlassen: mehrere Farbeimer mit Farbe, mehrere Kunststoffbecher voller Farbe auf Sockeln. Christian Frosch stößt Prozesse an, nimmt auf dessen Entwicklung aber keinerlei weiteren Einfluss. "Farbe sucht sich selbst ihre Form", sagt er, der sich selbst als forschenden Maler bezeichnet. Die Fragen, um die sich seine Arbeiten drehen: Was ist Malerei eigentlich? Und was kann sie sein? Weiterlesen...

Land kauft Kunst VI: Im Atelier von Gerhard Stromberg

Der Horizont mittig. Himmel und Erde gleich gewichtet. Eine strenge Bildkomposition. Gerhard Stromberg ist ein Mann der großen Landschaftsbilder. Der Mensch ist in ihnen ständig präsent – meist in den Spuren seines Handelns, weniger als Person selbst. Um ein Bild zu finden, wie Stromberg sagt, braucht es oft mehrere Monate. Weiterlesen...

Land kauft Kunst VII: Im Atelier von Rolf Wicker

Neugierige einen Knoten gehen lassen? Rolf Wicker schickt Passanten gern auf verwundene Pfade, wie auf seine „Enzwegschleife" in Vaihingen. Wege ziehen sich wie rote Fäden durch seine Arbeiten, halten alles zusammen. Fast alle Installationen von Rolf Wicker sind begehbar, erlebbar. Oft nur wenige Wochen. Dann verschwindet seine Kunst wieder aus dem öffentlichen Raum. Weiterlesen...

Land kauft Kunst VIII: Im Atelier von Ramona Seyfarth

Papier-Friedenstauben drängen aus Oma Trautes Koffer in Erinnerung an den Holocaust. Kleine Rettungsschiffe aus Butterbrotpapier dicht an dicht stehen stellvertretend für hunderte Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa drängen. Empathie für die Welt und ihre Facetten ist es, die Ramona Seyfarths Kunst auszeichnet. Weiterlesen...