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13.12.2018

Zeesboot, ahoi!

13.12.2018

Sie sind ein Blickfang auf dem Wasser und erinnern an längst vergangene Zeiten: die Zeesboote der Boddenlandschaft. Zusammen mit den Darßer Türen gehören sie jetzt zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands.

Was ist ein Zeesboot?

Zeesboote sind Segelschiffe, die sich aufgrund ihres geringen Tiefgangs besonders gut für flache Gewässer eignen und Fischern lange Zeit gute Dienste erwiesen. Das erste Mal erwähnt wurden die Boote im Zusammenhang mit der Fischerei im 15. Jahrhundert. Ihre Blütezeit hatten sie den Überlieferungen zufolge aber im 18. und 19. Jahrhundert.

Woher hat das Boot seinen Namen?

Der Name leitet sich von seinem Fangnetz ab: der Zeese. Wenn sie auf Fischfang gingen, segelten die Fischer quer zum Wind und zogen dabei das Netz hinter sich her. Auf diese Weise wurde noch bis in die 1970er-Jahre gefischt. Zeesboot ist die plattdeutsche Bezeichnung. Im Hochdeutschen heißen sie Zeesenboote.

Waren die Segel schon immer braun?

Die braunen Segel sind das Markenzeichen der Zeesboote. Der Farbton hat rein pragmatische Gründe. Ursprünglich waren die Segel weiß. Das machte sie schnell unansehnlich. Um sie haltbarer zu machen, bearbeiten die Fischer sie deshalb mit Ockerfarbe, Holzteer, Lebertran, Eichenrinde und Rindertalg. Nun war es imprägniert – und braun.

Sind heute noch Zeesboote unterwegs?

Ja! Insbesondere auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst haben viele private Eigner die Schiffe liebevoll restauriert. In ihrer ursprünglichen Bedeutung als Fischereiboot werden sie aber nur noch sehr vereinzelt genutzt. Heute sind sie vorrangig Sport- und Freizeitboote, die privat oder für touristische Segelausflüge genutzt werden. Live erleben kann man die Boote auch bei einer der zahlreichen Regatten, die von Juni bis September in Zingst, Wustrow, Dierhagen, Barth, Bodstedt und Althagen stattfinden.

Was sagt die Kulturerbe-Jury?

„Die maritime und wandlungsfähige Tradition der Zeesboote wird durch den Erhalt und die Nutzung der hölzernen Boote bei traditionellen Zeesbootregatten und beim Freizeitsegeln lebendig gehalten. Der Erhalt der ehemaligen Fischereiboote erfordert spezifisches handwerkliches Wissen und Können des Holzbootbaus, der Segelmacherei und des seemännischen Umgangs mit Segelschiffen ebenso wie ein tiefgehendes Verständnis für den Zusammenhang von Kultur und Natur. Der Erhalt der ehemaligen Fischerei-Boote ist eng mit dem handwerklichen Geschick des Holzbootsbaus, der Segelmacherei und des seemännischen Umgangs mit Segelfahrzeugen verbunden. Nicht nur der Erhalt, sondern auch die Nutzung der Boote bei traditionellen Wettfahrten, den Zeesbootregatten, sowie durch das Segeln mit der Familie, mit Freunden oder Gästen tragen zum Fortbestehen der Tradition bei. […] Als Sinnbild der Region haben die Zeesboote für Einheimische wie für Gäste einen starken identitätsstifenden Charakter. “

5 aus 97

Das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zeigt beispielhaft, welche kulturellen Traditionen und Ausdrucksformen in Deutschland praktiziert und weitergegeben werden. Derzeit enthält es 97 Einträge – fünf davon aus Mecklenburg-Vorpommern: die Darßer Türen, die Zeesboote, das Reetdachdecker-Handwerk, das Malchower Volksfest, das Barther Kinderfest und das Darßer Tonnenabschlagen. Auch das Niederdeutsche Theater, das in MV mit der Fritz-Reuter-Bühne als professionelles Ensemble vertreten ist, steht auf der Liste. Bewerben um eine Aufnahme kann sich jeder, der in Gemeinschaft oder als Einzelperson Bräuche, Ausdrucksformen oder Fertigkeiten ausübt, die den Kriterien des Verzeichnisses entsprechen. Jedes Bundesland kann bis zu vier Bewerbungen an die Kultusministerkonferenz weiterleiten. Diese entscheidet gemeinsam mit der Bundeskulturministerin und Empfehlung einer Expertenkommission der Unesco, wer es auf die Liste schafft.