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Rabbi Wolff - der neue Film von Britta Wauer

Ein Gentleman vor dem Herrn

„Ja, ich bin ein bisschen verrückt”, sagt William Wolff über sich selbst. Wie charmant der wohl ungewöhnlichste Rabbiner der Welt dabei ist, erzählt der Streifen „Rabbi Wolff”. Der neue Film von Britta Wauer („Im Himmel, unter der Erde”) eröffnet das Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2016.

Das Portrait zeigt den turbulenten Alltag des fast 90-jährigen Weltenbummlers. Geboren in Berlin und vor dem Zweiten Weltkrieg geflohen, hat er einen britischen Pass und wohnt in einem Häuschen in der Nähe Londons. Etwa Mitte der Woche fliegt er nach Hamburg, steigt dort in einen Zug und pendelt zu seinen Jüdischen Gemeinden nach Schwerin, Rostock und Wismar. Samstags nach dem Gottesdienst geht es zurück nach London. Aber manchmal ist er auch bei Verwandten in Jerusalem oder beim Pferderennen in Ascot.

„Ich versuche, mein Leben soweit wie möglich zu genießen und zu sehen, dass es Spaß macht”, pflegt Rabbi Wolff zu sagen. „Und wenn irgendwas keinen Spaß mehr macht, dann wechsle ich einfach.”

Der neue Film von Britta Wauer blickt auch in die Vergangenheit von William Wolff. Noch als Kind floh er mit seiner Familie aus Nazideutschland. Schon damals hegte er den Wunsch, Rabbiner werden zu wollen. Weil die Familie aber kein Geld für das Studium hatte, entschied er sich für den Journalismus. Der junge William machte Karriere als Parlamentsreporter und Korrespondent verschiedener Tageszeitungen. Als er 53 Jahre alt war, erfüllte er sich seinen Traum und begann seine Ausbildung am renommierten Leo-Baeck-College in London. 1984 erhielt er die Ordination als Rabbiner.

Rabbiner William Wolff:
„Meine Mutter war entsetzt, als ich ihr erzählt habe, dass ich Rabbiner werden will.”

Im April 2002 übernahm der mittlerweile 75-Jährige das seit 65 Jahren verwaiste Amt des Landesrabbiners in Mecklenburg-Vorpommern und betreut die drei jüdischen Gemeinden in Schwerin, Rostock und Wismar. Weil seine rund 2000 Gemeindemitglieder fast ausschließlich aus der ehemaligen Sowjetunion kommen, lernte Rabbi Wolff Russisch.

Der Film „Rabbi Wolff” führt in die Welt des Judentums ein und zeigt dabei einen tief religiösen Menschen, der sich voller Lebensfreude über Konventionen hinwegsetzt. „Tradition und Glaube kann er auf kluge und humorvolle Weise verständlich machen”, sagt Regisseurin Britta Wauer über ihren Hauptdarsteller. Drei Jahre lang hat die vielfach ausgezeichnete Regisseurin Rabbiner Wolff mit der Kamera begleitet. „Ich bin davon überzeugt, dass die Begegnungen und Überlegungen des Rabbiners so universell sind, dass sie viele Menschen inspirieren können.”

 

Rabbi Wolff - der Trailer zum Eröffnungsfilm 2016