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„Weichenstellung zu mehr Verbindlichkeit, Sicherheit und Transparenz”

Dr. Michael Körner, Vorsitzender des Landeskulturrates

Mecklenburg-Vorpommern entwickelt kulturpolitische Leitlinien. Was der Prozess bewirken soll, sagt der Vorsitzende des Landeskulturrates, Dr. Michael Körner, im Interview. 

Wann genau hat der Landeskulturrat den Leitlinienprozess angestoßen?

Seit 2012 arbeitet der berufene Landeskulturrat als Beratungsgremium des Ministeriums und Kommunikationsplattform zur Stärkung der Kulturszene. Er richtet die jährlichen Landeskulturkonferenzen aus. Diese entwickelten sich zu einem bisher beispiellosen Zentrum des Austausches im Land. Auf den Konferenzen im Jahr 2016 und 2017 war das Bedürfnis nach einer Standortbestimmung der Kulturpolitik verbunden mit Rückblick und Ausblick spürbar. Daraus hat sich der Leitlinienprozess entwickelt.

Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Neben den kulturellen Landesverbänden und der kommunalen Kulturpolitik, die zu den tragenden Säulen im Land gehören, entstanden in den letzten Jahren neue Strukturen wie die Kulturnetzwerke und Kreiskulturräte. Diese hatten zunächst keine feste Einordnung in die Kulturlandschaft, wollten und sollten dort aber eingebunden werden. Dies unterstrich die Notwendigkeit eines breitangelegten, systematischen und transparenten Austauschprozesses über zukünftige kulturpolitische Schwerpunkte und Kommunikationsformen.

Was sollen die Leitlinien in Zukunft vermitteln?

Ziel des Prozesses ist die Formulierung von etwa einem Dutzend zukunftstauglicher, kulturpolitischer Kernsätze. Ziel ist aber auch, dass sich die Landesregierung diese Kernsätze als Leitlinien zukünftiger Kulturpolitik zu eigen macht. Damit erhalten wir einen zuverlässigen und belastbaren Handlungsrahmen, mehr Planungssicherheit und mehr Akzeptanz für die Kulturakteure. Die Leitlinien sollen die leidige und missverständliche Formel von „Kultur als freiwilliger Aufgabe” soweit es geht einschränken. Sie sollten beispielsweise eine verlässliche und regelmäßige kulturpolitische Kommunikation ebenso regeln wie finanzielle und förderpolitische Grundsätze.

Was können künftige Leitlinien nicht leisten?

Sie können das konkrete kulturpolitische Handeln von Entscheidungsträgern nicht ersetzen, ihm aber eine Grundlage geben.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Ministerium?

Wir arbeiten vertrauensvoll und sehr ergebnisorientiert zusammen.

Wie kann sich jeder Einzelne einbringen?

Durch Anregungen, Gedanken, Problembenennungen und Zukunftsvorstellungen auf den Konferenzen oder einen Diskussionsbeitrag für das Kulturportal.

2019 finden vier Regionalkonferenzen statt. In Schwerin, Güstrow, Stralsund, Neubrandenburg. Was erwartet die Teilnehmer?

Die Regionalkonferenzen sind ein wichtiger Teil des Gesamtprozesses. Hier soll nicht nur der Gesamtrahmen und die Zielrichtung des Prozesses erläutert und diskutiert werden. Die Teilnehmer haben auch die Möglichkeit, sich mit ihren Gedanken und Vorstellungen direkt in die einzelnen Themenfelder einzubringen.

Sie sprechen von drei Ebenen der Betrachtung von Kultur. Welche sind das?

Die Bewahrung der Tradition, die aktuellen Strömungen und Schwerpunktsetzungen sowie die zukünftigen Herausforderungen. Die Aufgabe von Kulturpolitik ist es, diese drei Ebenen stets im Blick zu haben und in ein angemessenes Verhältnis zu setzen. Man sollte also bei der Traditionspflege die neuen und besonderen Zukunftsaufgaben nicht aus dem Auge verlieren und umgekehrt.

Und wenn am Ende alle Betrachtungen berücksichtigt worden sind: Wie möchten Sie am liebsten auf den Leitlinienprozess zurückblicken?

Er ist gelungen, wenn er rückblickend als eine Weichenstellung erkennbar bleibt zu mehr Verbindlichkeit, Sicherheit und Transparenz in der Kulturpolitik und für die Kulturakteure des Landes. Zum Gelingen gehört aber auch, dass er in eine Bewegung mündet, die auf der Ebene der Landkreise, kreisfreien Städte und Kommunen weiter geführt wird und dort entsprechende Leitlinienprozesse anregt.

Hintergrund

Ihre Ideen, Stellungnahmen und Reaktionen sind gefragt. Machen Sie mit! Alle Infos finden Sie auf folgenden Seiten:

Schreiben Sie an: 

kulturleitlinien@remove-this.bm.mv-regierung.de

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