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Käpt‘n Kultur, das Sprachrohr von Workshop 7, zeigt in seinen Visionen, an welcher Stelle die neuen Leitlinien ansetzen sollten.
03.03.2019

Die Visionen des Käpt‘n K.

In Workshop 7 gaben freischaffende Künstler, Vertreter von Kunst- und Kulturvereinen, einem Bürgerkomitee, einer Denkfabrik, eines Museums und des Kulturrats - mitunter in Personalunion - ihren Visionen Freiraum.
Geleitet wurde Workshop 7 von Tino Bittner. Er arbeitet freischaffend als Bildender Künstler in Schwerin. Ausgangspunkt für die Gedankenspiele in seinem Seminar war die Frage: Was wollen wir haben und wie können wir das erreichen?
Sich vom Seminarleiter „berieseln“ lassen? Nichts da! Eigene Ideen sind gefragt.
Ein Punkt, in dem sich die Runde einig war: Dem Ministerium würde mehr Praxisnähe gut tun.
03.03.2019

Mehr Anerkennung in Politik und Gesellschaft. Mehr Kunst am Bau. Mehr Hilfe im Förderdschungel. Gern auch mehr Geld: Visionen für die künftige Kulturpolitik gab es auf der regionalen Kulturkonferenz in Güstrow reichlich. Sie zu entwickeln, war kein Kinderspiel. Auch wenn die Gedanken zwischen Spielsachen zusammengetragen wurden.

Schaukelpferd. Kinderbücher. Autowippe. Wickeltisch. Der Blick stutzt, wandert noch einmal zum Zettel an der Wand: Workshop 7. Das ist hier. Kreisverwaltung. Erster Stock. Jugendamt. Kinderecke.

Tino Bittner schiebt Malsachen und Plüschteddy beiseite, legt Textmarker, buntes Papier, Kreide und Kreppband dazu. Es ist Samstag. Kurz nach elf. Ein paar Minuten noch, dann wird er hier mit Gedanken spielen.

Eine gute Handvoll Stühle und bunte Hocker füllen sich. Türen, die Tino Bittner schließen könnte, gibt es nicht. „Freiraum für Visionen“ heißt sein Seminar.

Mehr Wertschätzung, bitte!

Die Tagung in Güstrow ist die zweite von vier regionalen Konferenzen, an denen Kulturschaffende, Initiativen, Vereine, Verbände sowie Vertreter der Kreativwirtschaft, des Tourismus und der kulturellen Bildung die Möglichkeit erhalten, sich mit Ideen in die Erarbeitung kulturpolitischer Leitlinien einzubringen. Im Mittelpunkt stehen Vernetzungen, ländliche Räume, Förderungen, kulturelle Bildung und Teilhabe, Qualifikationen. Und Visionen.

Tino Bittner, selbst freischaffender Künstler, verteilt leere Zettel. Im Raum steht die Frage: Was wollen wir haben und wie können wir das erreichen? Gedanke um Gedanke füllen sich die Blätter. In einem Wort zusammengefasst, steht über allem der Wunsch nach mehr Wertschätzung. Politisch und gesellschaftlich.

Grundeinkommen für Künstler?

Aufgedröselt entfächert sich dahinter eine breite Palette an Anregungen. Wünschen. Forderungen. Zum Beispiel nach einer neuen Kulturanalyse, die die kulturelle Vielfalt im Land erfasst. Nach mehr Kunst am Bau, vor allem an Schulen. Nach Agenturen, die sich als zertifizierte Schnittstelle zwischen Künstlern und Behörden um Förderanträge kümmern. Nach einer Stärkung der Kreiskulturräte. Und auch wenn sich Kultusministerin Birgit Hesse wünscht, dass sich die Leitliniendebatte nicht allein auf Geld konzentriert: Einen breiten Raum nimmt auch dieses Thema ein. Nicht nur in Workshop 7.

Gut drei Stunden lang fliegen die Gedanken hin und her. Über die Bedeutung von Kunst und Kultur für Wirtschaft, Bildung, Gesellschaft, Tourismus. Festgefahrene Strukturen in den Ministerien. Schlechte Nahverkehrsanbindungen, die die Wege zu kulturellen Angeboten erschwerten. Über ein Grundeinkommen für Künstler. Künstlerische Vertretungen im Ausland. Kultur als Pflichtaufgabe. Oder ein eigenes Ministerium für Kultur, Kreativität und Medien.

Stichpunkt um Stichpunkt gibt „Käpt‘n Kultur“, ein Papierkopf mit Fernrohr und Megafon, den Gedanken an der Pappwand ein Gesicht.

Sieben Workshops, ein roter Faden

Ein Blick auf die Uhr. 16.30 Uhr. Zeit für die Workshops, die gesammelten Ideen allen vorzustellen. Hier, im Saal des Kreistags, zeigt sich schnell: So unterschiedlich die inhaltlichen Schwerpunkte der Gruppen auch waren, Wünsche nach mehr Wertschätzung, Förderung, besserer Lobbyarbeit und zeitgemäßeren Verwaltungsstrukturen ziehen sich als roter Faden von Nummer eins bis sieben.

Die Uhr schlägt sechs. Nach zehn Stunden ist für heute genug diskutiert. Geschafft, inspiriert und manchmal auch skeptisch, was nun aus all den Ideen wird, packen alle ihre Sachen.

Am 12. März geht der Gedankenaustausch auf der dritten Regionalkonferenz weiter. Dann im Haus der Kultur und Bildung in Neubrandenburg.

Hier die Dokumente der Kulturkonferenz in Güstrow - bitte klicken

Die Regionalkonferenzen

Mittwoch, 16. Januar 2019 in Schwerin - mehr

Dienstag, 12. März 2019 in Neubrandenburg - mehr

Donnerstag, 28. März 2019 in Stralsund - mehr

Die Tagung in Güstrow war die zweite von vier regionalen Konferenzen zu Kulturleitlinien. Die nächste folgt in Neubrandenburg.
Bitte zugreifen! Im Foyer geben Flyer und Visitenkarten einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Kunst- und Kulturszene des Landes.
Rund 70 Gäste sind zur Kulturkonferenz nach Güstrow gekommen. Sebastian Constien, Landrat des Landkreises Rostock, begrüßte sie mit einem überraschenden Fakt: Sein Landkreis hat MV-weit die höchste Dichte an freien Künstlern.
Kultusministerin Birgit Hesse ermutigte die Konferenzteilnehmer, in den Workshops ihre Meinung zu sagen. Nur so könnten die Leitlinien am Ende auf einer breiten Basis stehen.
Ralph Kirsten vom Landeskulturrat rief die Gäste auf, ihre Erfahrungen aktiv in die Diskussion einzubringen und bei allen Überlegungen und Forderungen „selbstbewusst“ zu sein.
Jana Kreisl hielt die Eindrücke und Ideen mit Graphic Recording in Echtzeit visuell fest.
Aktive Kulturpause mit einem norddeutschen Tanz aus dem 18./19. Jahrhundert.

Gewusst?

Die Regionalen Kulturkonferenzen verstehen sich als Plattform für einen breiten Dialog über die Entwicklung kulturpolitischer Leitlinien für MV. Ziel ist es, Kooperationen zu verbessern, Schwerpunkte zu formulieren und die Ausstrahlung der Kulturszene zu verbessern. Vor diesem Hintergrund sollen in den Workshops Ideen gesammelt, Ziele formuliert, Möglichkeiten und Grenzen ausgelotet werden. Im Mittelpunkt steht die freie Kunst- und Kulturszene, aber auch Einrichtungen in Landes- und kommunaler Trägerschaft sollen in den Blick genommen werden. Am Ende sollen 15 bis 20 Leitlinien entstehen, die von einer breiten Mehrheit der kulturellen Akteure getragen werden.