18.04.2026

17. Jazznacht: Improvisation und Leidenschaft

Drei Männer stehen auf einer Bühne Arm in Arm. Sie lachen.
Dieter Ilg Trio

Eine Reise durch die Welt des Jazz mit Lesungen und Konzerten. Die 17. Schweriner Jazznacht verwandelt die Stadt von Donnerstag an in eine Bühne für Improvisation.

Nach den ersten beiden Events der Jazznacht im Januar und März schlägt die Schweriner Jazznacht in der Landesbibliothek MV Günther Uecker die nächsten Töne an. Die Events im April stehen im Zeichen besonderer Formationen und emotionaler Jubiläen.

Am Donnerstag, 23. April, 18 Uhr

…erinnert das Projekt „Affäre Bela.B“ in der Landesbibliothek an den verstorbenen Theo Jörgensmann, gefolgt vom Azolia Quartett, das Rilke-Gedichte zum 100. Todestag des Dichters vertont.

‘Bela B.‘ steht für Béla Bartók, dessen Musik Inspirationsquelle für das kammermusikalische Improvisations-Trio ist. Die Musikmachenden Nikolaus Neuser an der Trompete, Ernst Deuker am Kontrabass und der Klarinette und Martina Weidner an der Viola erinnern an Theo Jörgensmann.

Das internationale Quartett Azolia vertont mit Sensibilität und Ensemblegeist seit Jahren Lyrik, die bewegt, erschüttert und Hoffnung schenkt. Zum 100. Todesjahr des Dichters Rainer Maria Rilke im Jahr 2026 kleidet das Ensemble ausgewählte Rilke-Gedichte in kammermusikalisch feine, luftige und zugleich tief empfundene Musik. Der Schauspieler vom Mecklenburgischen Staatstheater, Jochen Fahr, liest die Texte, bevor sie von der Band AZOLIA gespielt und gesungen werden.

Zwei Männer sitzen an einem Konzertflügel mit aufgeklapptem Klangkörper.
Felix Behrendt und Tomasz Kowalczyk

Am Freitag, 24. April, 20 Uhr

… gibt es einen Konzertabend mit dem Duo Behrendt und Kowalczyk in der HN Holding, Johannes-Stelling-Straße 19. 

Der Hamburger Jazzbassist und Komponist Felix Behrendt studierte an der HMT Hamburg. Der gebürtiger Münchner ist ein gefragter Komponist für Film und Fernsehen. Konzertreisen führten ihn bereits nach China, Russland und Kolumbien sowie in zahlreiche europäische Länder. Für NDR Kultur komponierte er die Jazz-Symphonie „Cinephonie Noir“, die mit der NDR Bigband eingespielt wurde, u.a. die Titelmusik zu „Reschke Fernsehen“ in der ARD und die Titelmusik zu „Extra3“. 

Bereits als Sechsjähriger spürte Pianist Tomasz Kowalczyk Musik in seinem Leben. Mit 14 Jahren begann er ein Jungstudium an der Universität der Künste in Berlin. Gemeinsam mit Felix Behrendt gründete er ein Projekt. Heute sind es zwei Klaviaturen, die Tomasz Kowalczyk virtuos beherrscht.

Drei Männer stehen auf einer Bühne Arm in Arm. Sie lachen.
Dieter Ilg Trio

Am Sonnabend, 25. April, 19 Uhr 

… markiert der Auftritt des Dieter Ilg Trios in der Schelfkirche, Puschkinstrasse 3, einen der künstlerischen Höhepunkte des Festivals.

Dieter Ilg – Kontrabass
Rainer Böhm – Piano
Patrice Heral – Drums

Der international renommierte Kontrabassist und Komponist Dieter Ilg wirkte bereits an 25 Alben als Leader oder Co-Leader mit. „Motherland" vereint sein langjähriges Trio mit aktuellen und individuellen Themen, persönlichen Hintergründen und feinsinnigem Tonmaterial zu einer genussvollen Melange. 

Dieter Ilg sagt: „Es ist das erste Mal, dass wir keinen klassischen Komponisten als „Thema“ mit unserem Stil verschmelzen, sondern eine bunte Mischung aus meinen Lieblingsliedern, diversen Eigenkompositionen, Popsongs der 60er- und 70er-Jahre und persönlichen Reminiszenzen. Natürlich gewürzt mit einer Portion Humor, Eigensinn, Wildheit, Heimat und sturer, unermesslicher Zuneigung. „Motherland“ ist thematisch besonders meinem Ursprung, meiner Herkunft und Tradition, dem Schutz der Muttererde und dem Sich-Zuhause-Fühlen gewidmet.“

Am Sonntag, 26. April, 11.30 Uhr

… verbindet das Finale der Jazznacht musikalische Exzellenz mit gesellschaftlichem Austausch in der Musikschule Ataraxia, Arsenalstraße 8. 

Das Jury Jazz Ensemble besteht aus Christoph Möckel am Saxophon, Constantin Krahmer am Piano, Friederike Wendorf an der Querflöte und Martina Weidner an der Viola. Gemeinsam mit Marianne Wöhrle-Braun bilden sie die Jury des „Förderpreis Jazz". Alle Mitglieder leben mittlerweile wieder in Mecklenburg. 

Am Montag, 27. April, 19 Uhr

… endet das Festival im Modehaus Kressmann, Mecklenburgstraße 19-23. 

Die israelische Pianistin Hila Kulik gastiert dort mit ihrem Trio. Die Musikerin spielt mit einem kraftvollen Anschlag, subtiler Harmonik und einem spielerischen Gespür für dynamische Spannungsbögen. Das Trio wechselt zwischen lyrischer Feinheit und energiegeladenem Drive.

Die Schweriner Jazznacht

Die Schweriner Jazznacht ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Kulturkalenders von Mecklenburg-Vorpommern. Die Organisatorin der Schweriner Jazznacht ist Marianne Wöhrle-Braun. Seinen Anfang nahm alles vor mehr als 40 Jahren in Karlsruhe. Ihr ehemaliger Mann steckte Marianne Wöhrle-Braun mit seiner Leidenschaft an und nahm sie mit in die Welt des Jazz mit ihren unzähligen Stilrichtungen. 

Sie lernte Größen der internationalen Szene kennen – so wie 1994 George Gruntz in Paris. „Es sind viele freundschaftliche Kontakte entstanden, auch mit George Gruntz, einem der großen europäischen Jazzpianisten, Komponisten und Bandleader", erzählt Marianne Wöhrle-Braun. „Er öffnete mir viele Türen, und durch ihn lernte ich zahlreiche internationale Jazzgrößen kennen."

Im Jahr 2007 zog es die Jazzliebhaberin dann nach Schwerin – einer neuen Liebe wegen. Aber weil sie sich ein Leben ohne Jazz nicht vorstellen konnte, begann die damalige Neu-Schwerinerin auch in der Landeshauptstadt Konzerte zu organisieren. „Hier gab es ja bereits eine Jazzszene, und meine Konzerte sah ich als ein weiteres Angebot und eine Ergänzung“, so Marianne Wöhrle-Braun. 

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Schon zwei Jahre später, 2009, ging die 1. Schweriner Jazznacht im Schloss über die Bühne, acht weitere Benefizkonzerte fanden dann in der Schelfkirche statt.