31.08.2020

Start für Intendantin der Festspiele MV

Ein Porträt von Ursula Haselböck.
Ursula Haselböck

Am Dienstag geht's los. Dann übernimmt Ursula Haselböck die Leitung der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Die aus Wien stammende Musikmanagerin tritt die Nachfolge von Markus Fein an.

„Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern sind eines der spannendsten Festivals überhaupt. Mit jungen, aufstrebenden Künstlern, innovativen Programmideen und großartigen Spielstätten zeigen sie schon heute, wie klassische Musik morgen sein kann”, sagt Haselböck. „Ich freue mich sehr, nun Teil dieser Festspielfamilie zu sein und die Zukunft der Festspiele MV mitzugestalten.“

Haselböck studierte in Bologna, Wien und Krems Germanistik, Violoncello und Musikmanagement. Nach Tätigkeiten für das Orchester Wiener Akademie und das Grafenegg Festival ging sie 2013 zum Konzerthaus Berlin.

Die Musikmanagerin wird die erste Intendantin der Festspiele. Sie löst Markus Fein ab, der an die Alte Oper in Frankfurt/Main wechselt. Fein war es gelungen, mit neuen Akzenten auch neue Besuchergruppen zu erschließen und so den Platz der Festspiele MV unter den drei größten deutschen Klassikfestivals weiter zu festigen. 2019 veranstalteten die Festspiele 191 Konzerte und zählten insgesamt rund 94.000 Besucher.

Die 38-jährige Haselböck übernimmt das Steuer in schwieriger Zeit. Aufgrund der Corona-Krise mussten im 30. Jahr des Festivals ein Großteil der Konzerte abgesagt werden. Der Festspielfrühling im März fiel komplett dem Lockdown zum Opfer und in der Sommersaison konnten bis Ende August nur 30 Veranstaltungen in stark verkleinerter Form über die Bühne gehen.

„Die Zeiten sind etwas seltsam“, sagt Haselböck: „Wir wollen das Beste daraus machen.“ Viele Konzerte wurden auf Herbst und Winter verschoben. Statt der traditionellen Advents- und Neujahrskonzerte soll es nun einen regelrechten Festspielwinter geben. „Es wird sehr viel mehr Konzerte geben als sonst, da habe ich auch die Chance, Land und Leute kennenzulernen.“

Der Corona-Sommer hat für das Festival schwere wirtschaftliche Folgen. Der scheidende Intendant bat das Publikum im Mai um Spenden in Höhe von einer Million Euro für einen privaten Festspiele-Rettungsschirm. Bisher sind rund 840.000 Euro zusammengekommen. Das ganze Team sei gerührt und ergriffen über die Unterstützung aus dem Land und weit über dessen Grenzen hinaus, sagt Festspiele-Sprecher Christian Kahlstorff. „Wir sind optimistisch, dass wir bis zum Jahresende unser Ziel erreicht haben werden.“

„Die Zukunft der Festspiele ist bei Ursula Haselböck in den allerbesten Händen“, sagt Markus Fein. Das Programm für 2021 trägt noch seine Handschrift. Welche Akzente will die Neue ab 2022 setzen? „Ein wichtiger Schwerpunkt ist für mich die Junge Elite“, sagt Haselböck. „Das ist für mich die DNA des Festivals: Spürnase zu sein für junge Künstler, die vielleicht noch nicht so bekannt sind, die hier ihre ersten großen Auftritte feiern dürfen. Das finde ich wunderschön, das will ich weiterführen und noch verstärken.“

Mit der Festspiele-Reihe „Junge Elite“ haben die bisherigen Intendanten seit Festivalgründer Matthias von Hülsen beste Erfahrungen gemacht. Viele einstige Preisträger halten später als Stars den Festspielen die Treue und kommen für Auftritte immer wieder. Beispiele sind die Geiger Julia Fischer und Daniel Hope oder der Cellist Daniel Müller-Schott.