23.08.2016

Geschichten vom Rande Mecklenburgs

Das Cover des Buches.

„Wie schreibt man über die Geschichte eines Dorfs?“, fragt sich Autorin Pauline de Bok. Vor allen Dingen über ein Dorf wie Fürstenhagen am Rande Mecklenburgs, direkt an der brandenburgischen Grenze gelegen. Nicht einmal hundert Einwohner gibt es hier. Doch auch in diesem Mikrokosmos hat sich das große Weltgeschehen abgebildet, das Pauline de Bok in ihrem kaleidoskopischen Buch „Jochen, schaff Dir eine Kuh an“ auffängt.

„Ich bin keine Historikerin, ich schreibe nicht für Menschen, die versessen sind auf Geschichte“ sagt die Niederländerin, die zeitweise auf dem mecklenburgischen Land lebt. „Ich möchte die Vergangenheit zum Leben erwecken, nicht durch das Anhäufen von Fakten, sondern indem ich Geschichten erzähle und wie ein Mosaik zusammenfüge.“ Und das macht sie, durchforstet Chroniken, Reiseberichte, Briefe, Presseberichte und Stasi-Akten. Wobei vor allem Letztere ein enthüllendes Licht auf das raue, tagtägliche Nachkriegsleben werfen. Herausgekommen ist ein Buch, das sieben Jahrhunderte durchmisst. Der Schwerpunkt liegt dabei im letzten Jahrhundert mit all seinen vielschichtigen, widersprüchlichen Erinnerungs-Bruchstücke der Zeitzeugen. Die Perspektive der Autorin als Außenstehende legt die Besonderheit eines Dorfes bloß, von dem die Einheimischen sagen, dass dort nie etwas passiert. „Jochen, schaff Dir eine Kuh an“ ist nicht das erst und nicht das letzte Buch von Pauline de Bok. Über das Vorwerk, wo sie einmal lebte, verfasste sie das Buch „Blankow oder Das Verlangen nach Heimat“. Es wurde im Jahr 2010 mit dem Annalise-Wagner-Preis ausgezeichnet. Im Oktober wird in den Niederlanden ein weiteres Buch von Pauline de Bok erscheinen, das ebenfalls in Mecklenburg spielt. In „Buit. Een jachtjaar“ („Beute. Ein Jagdjahr“) erkundet sie die Landschaft nicht als Journalistin, sondern als Jägerin. Voraussichtlich wird es im nächsten Frühjahr auch in Deutschland verlegt.