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Aufbruch ins Hinterland

Hinterland – das klingt im ersten Moment nach Abgeschiedenheit, nach Fuchs und Hase, die sich gute Nacht sagen. „hinterland“ in Mestlin dagegen ist seit 2012 ein Begriff für einen ambitionierten Kunsthandwerkermarkt, für ein Wochenende mit viel Gewusel, Musik und Rush Hour auf der Dorfstraße.

Hinterland kann also beides sein: Ein Ort, an dem man an grauen Novembertagen auf der Straße keinen einzigen Menschen trifft – und ein Ort, an dem es Unerwartetes und Inspirierendes zu entdecken gibt. Für die Keramikerin Ute Dreist, eine der Ideengeberinnen des Projekts, ist genau dies auch der Ansatz gewesen: Wenn im trüben Mecklenburger Herbst die Besucher einen Bogen ums flache Land machen, muss man ihnen eben etwas Spannendes und Buntes in den Weg stellen. Und so findet im Kulturhaus Mestlin vom 11. bis 13. November 2016 bereits die fünfte Auflage von „hinterland“ statt. Mehr als 30 Aussteller präsentieren an diesem Wochenende die Erzeugnisse ihres Kunsthandwerks: Keramik, Porzellan und Glas, Flechtwerk und Möbel, Kleidung und Schmuck, Wolliges und Papiernes. Doch das ist es nicht allein, was Hinterland erfolgreich macht – so erfolgreich, dass in den vergangenen Jahren 10.000 Besucher kamen. Es ist die Mischung aus Kunsthandwerk und Kultur, Essen, Trinken und dem besonderen Geist des Ortes.

Kulturhaus spielte immer wichtige Rolle

Um mit dem anzufangen: Das Kulturhaus spielte im Leben der Mestliner immer eine wichtige Rolle. Hier fanden Einschulungen, Jugendweihen und Betriebsversammlungen statt, trafen sich die Jungen zur Disko und die Älteren zum Tanz. Hier standen die Größen der DDR-Unterhaltungsindustrie auf der Bühne und auch die Mestliner selbst, die in der Theatergruppe, dem Fanfarenzug oder der Blaskapelle mitmischten. Im Dorfbild war das steinerne Monstrum, das für das 740-Einwohner-Dorf gleich mehrere Nummern zu groß ist, ohnehin nicht zu übersehen. Klotzen und nicht kleckern lautete in den 1950er-Jahren die Devise bei Mestlins Aufbau zum sozialistischen Musterdorf. Und so ragt noch heute das Dach des stilecht am Marx-Engels-Platz gelegenen Gebäudes neben dem Kirchturm aus der Dorfsilhouette.

Unter diesem Dach tat sich in den Jahren nach der Wende nicht mehr viel. Doch schon in den 1990er-Jahren engagierten sich Einwohner in Arbeitsgruppen und einem Verein für die Rettung ihres Kulturhauses. Seit 2008 ist der Verein „Denkmal Kultur Mestlin“ aktiv, der sich für die Wiederherrichtung und Nutzung des Hauses engagiert – der Verein ist auch Veranstalter der hinterland-Ausstellung.

Ausstellungen, Theater, Konzerte

Die wiederum profitiert nicht nur vom Genius loci, sondern fügt dem Haus an diesem Wochenende im November mit Ausstellungen, Theater und Konzerten, Gesprächsrunden, Workshops und Filmvorführungen gleich noch eine Extraportion Kultur hinzu.

Das komplette Programm gibt es unter www.hinterland-marktplatz.de, geöffnet ist der Marktplatz für Kunst, Mode, Handwerk und Design – so der vollständige Titel – am 12. und 13. November von 10 bis 18 Uhr. Bereits am 11. November gibt es zur Einstimmung von 18 bis 21 Uhr Piratenlieder, dargeboten von der Band „the hinking sinking ladies“.

Text: Katja Haescher