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Schliemanns Traum von Troja begann in Mecklenburg

„Hoch in den Äther hinauf stieg die Flammensäule und verkündete den Untergang der unglücklichen Stadt den Bewohnern der Inseln und den Schiffen, die hin und her das Meer befuhren.“ Es müssen Sätze wie dieser gewesen sein, die den jungen Heinrich faszinierten. Der Sohn des Pfarrers Ernst Schliemann in Ankershagen war gefesselt von den Geschichten Homers.Ob er bereits damals den Wunsch hatte, dass sagenhafte Troja aufzuspüren? Wer weiß. Fest steht jedenfalls, dass der erwachsene Schliemann das unmöglich Scheinende möglich machte – und damit gleichzeitig der Feldarchäologie den Weg bereitete. Der Traum von Troja – er begann an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Schiffbruch: Glück im Unglück

Ein gerader Weg ist es nicht. Denn Heinrich Schliemann bleibt eine akademische Laufbahn zuerst verwehrt. Er muss den Besuch des Gymnasiums abbrechen, weil der Vater das nötige Geld nicht aufbringen kann. Stattdessen geht er auf die Realschule und beginnt anschließend eine Lehre als Handelsgehilfe in Fürstenberg. Hier macht ihm ein Lungenleiden einen Strich durch die Rechnung. Der 19-Jährige beschließt, nach Venezuela auszuwandern, erleidet jedoch Schiffbruch vor der holländischen Küste. Unglück oder Glück? In Schliemanns Fall immer das, was er daraus macht. Er findet in Amsterdam eine Anstellung als Kontorbote und beginnt zwei Jahre später als Buchhalter für das Handelshaus B. H. Schröder & Co zu arbeiten. Im Auftrag dieses Handelshauses gründet er eine Niederlassung in St. Petersburg. Mit nur 25 Jahren ist Heinrich Schliemann bereits ein erfolgreicher Kaufmann, der in Petersburg ein eigenes Unternehmen unterhält. Dass er als Kontorbote autodidaktisch Englisch, Französisch und Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Russisch gelernt hat, kommt ihm zugute.

Erfolgreicher Kaufmann und Sprachensammler

In den folgenden Jahren erwirbt der Kaufmann Heinrich Schliemann ein gewaltiges Vermögen. Das viele Geld wird für ihn Mittel zum Zweck: 1864 zieht er sich aus dem Geschäftsleben zurück, reist und studiert an der Pariser Sorbonne unter anderem Altertumskunde. Bereits einige Jahre zuvor hat er damit begonnen, Neu-  und Altgriechisch sowie Latein zu lernen – Schliemann sammelt Sprachen wie andere Leute Gemälde.

Durchbruch als Archäologe

Er ist jetzt bereit für sein großes Ziel. Aus dem Kaufmann Schliemann wird der Archäologe. Nach ersten Untersuchungen und Probegrabungen folgen mehrere Grabungskampagnen am Hügel Hissarlik. Nachdem Schliemann 1873 den so genannten Goldschatz des Priamos entdeckt, wächst auch das Interesse in der Öffentlichkeit. Dass der Fund aus der Bronzezeit datiert und damit 1000 Jahre zu alt für Homers Troja ist, wird sich erst später herausstellen. Die Archäologie mit dem Spaten, die zu diesem Zeitpunkt noch in den Anfängen steckt, bekommt durch Schliemann Anschub und wissenschaftlichen Anspruch – wenngleich der Autodidakt für seine ersten Grabungen viel Kritik erhält. Er habe durch sein forsches Vorgehen viele Spuren unwiederbringlich zerstört – so der Vorwurf.

Pionierarbeit mit dem Spaten

Fast scheint es, als hätte der von Homer Entflammte keine Muße, noch länger zu warten, als er auf der Suche nach Troja einen 40 Meter breiten und 15 Meter tiefen Graben in den Hügel treiben lässt. Dies nimmt sich Schliemann bei späteren Kampagnen zu Herzen und geht vorsichtiger zu Werke. Einige der von ihm erstmals angewandten Methoden sind noch heute fester Bestandteil der Feldarchäologie, was Schliemann zu Recht zu einem von deren Pionieren macht und ihm seinen größten Triumph ermöglicht: Das sagenhafte Troja wird durch Heinrich Schliemann vom Mythos zur Realität und einem Zeugnis antiker Geschichte.

Diese Verdienste zu würdigen ist auch Anliegen des Heinrich-Schliemann-Museums in Ankershagen, das – ohne die Kritik an Schliemann auszublenden – die Lebensleistung des Mecklenburgers am Ort seiner Kindheit festhält. Fußnote der Geschichte und eigentümlicher Zufall: Nur 30 Kilometer von Ankershagen entfernt liegt die Gemeinde Lärz mit einem Ortsteil namens Troja. 

Schliemann-Medaille geht in die USA

Am 7. Dezember soll die Auszeichnung im deutschen Generalkonsulat in San Francisco an den Sprachwissenschaftler, Autor und Übersetzer David A. Traill verliehen werden. Wie die Heinrich-Schliemann-Gesellschaft mitteilt, erhält der 74-Jährige die Medaille dafür, dass er jahrelang aktiv die Entwicklung des Schliemann-Museums zu einem Forschungszentrum unterstützte. Traill lehrte von 1970 bis 2010 an der University of California in Davis. 1986 zum Beispiel war der gebürtige Schotte in die DDR gereist und hatte das Schliemann-Museum in Ankershagen mit englischsprachiger Fachliteratur versorgt. Das Museum für den Archäologen und Troja-Ausgräber Heinrich Schliemann (1822-1890) war  1980 gegründet worden. Mehr über Schliemann - hier.

 

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