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Willy Günther: Der ewige Maler

Willy Günther lebt seit mehr als 40 Jahren in seiner Wahlheimat Dambeck, nahe der brandenburgischen Grenze.
Selbstgebautes Malwerkzeug: Eine Farbe, verschiedene Pinselstärken – so muss Willy nicht ständig die Pinsel wechseln, wenn er gleichzeitig an mehreren Bildern arbeitet.

Er lebt, um zu malen. In der Regel gleichzeitig an mehreren Bildern. „Erinnerungen, die mich lange festhalten", sagt Willy Günther. Tiefgründige Elefantenaugen. Prägnante Landschaften. Noch lieber Frauen. Willy verweigert sich dem fertigen Bild. Jedes Werk ist Ausdruck eines ewigen Malprozesses, eines Moments aus dem Leben des ewigen Malers. Der Kunstverein Schwerin zeigt zurzeit eine Auswahl der Malereien und einen Einblick ins Schaffen des unermüdlichen Künstlers.

Impulsiv. Unbeugsam. Inspirierend. So kennen Künstlerkollegen und Wegbegleiter ihren Willy. Er sagt, was er denkt. Er passt sich nicht an. Als junger Mann in Eichsfeld malte er, um sich aus Enge der Nachkriegszeit zu befreien. 

Willy ging fürs Studium nach Dresden, um sich wieder frei zu fühlen. Aber der politische Kader engte ihn bald erneut ein, wollte ihn vereinnahmen. Anfang der 70er-Jahre verließ Willy Dresden und zog nach Mecklenburg. 

„Ich schlafe und ich male"

Als nunmehr 82-Jähriger lebt Willy zurückgezogen an der brandenburgischen Grenze. In seinem Haus in Dambeck malt er, sobald er morgens sein Bett verlässt.

„Ich schlafe und ich male", sagt der Künstler. Ob er besessen sei? Vielleicht, fällt die Antwort knapp aus. Viel lieber erzählt er von seinen Bildern, seinen Motiven. 

Ein Leben im Farbrausch

Willys Bilder zeigen sein Leben. Ein Farbenrausch aus Eindrücke und Erinnerungen, die ihn bewegen und beschäftigen. Die er bewegt, immer wieder malt und übermalt. Auf Papier, Tapete und Karton. Was er gerade findet.

Mancher Papierbogen wiegt schwer vor Farbe – leuchtend und expressiv. Nichts Exotisches. Nichts Besonderes. Einfach das pure Leben.

Zur Person Willy Günther

1937 – als Sohn einer Zigarrenmacherfamilie in Wachstedt/Eichsfeld geboren

1956-59 – Studium an der ABF für Bildende Künste in Dresden | Arbeit im Industrieofenbau Hainichen/Sachsen

1960-65 – Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Hans Theo Richter

bis 1969 – Aufenthalt in Herrenhut

1969 – Rückkehr nach Dresden

1972 – Ortswechsel nach Drisbeth bei Schwerin

Ausstellungen von Willy Günther

1972 Kunst der Zeit Dresden

1974 Leonhardi Museum, Dresden

1975 Schabbelhaus, Wismar

1978 Museum der Stadt Neustrelitz

1979 Galerie Arkade, Berlin

1980 Pablo-Neruda-Club, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)

1981 Galerie am Dom, Schwerin

1982 Galerie Nord, Dresden

1983/84 Museum Poel
Kulturhaus Plau

1984 Galerie Gadebusch

1985 Galerie Mitte, Berlin

1987 Galerie am Pfaffenteich, Berlin

1988 Predigerkloster, Erfurt

1990 Galerie Oben, Chemnitz
Galerie am Dom, Schwerin

1991 Galerie Hartwig, Bremen
Galerie M, Wilhelmshaven

1992 Galerie 88, Hanau

1993 Schloss Wiligrad
Galerie, Aachen

1994 Galerie Traube, Schwerin

1994/95 Leonhardi-Museum, Dresden

1995 mit Theo Balden, Kunstkabinett Usedom, Galerie im Turm, Seebrücke Heringsdorf

1996 Galerie Hartwig, Bremen

Zweiteilige Ausstellung „Willy Günther"

Der Kunstverein Schwerin und das Finanzministerium zeigen vom 6. Februar 2020 an Malereien aus der Hand von Willy Günther aus den Jahren 2010 bis 2019.

Willy Günther (*1937) ist als Maler in seiner Wahlheimat Mecklenburg-Vorpommern seit gut 40 Jahren aktiv ist und hat zahlreiche Künstler_innen durch seine Unabhängigkeit inspiriert: Seine konsequente Bearbeitung klassischer Themen der Malerei – mit dem Menschen und der Landschaft im Zentrum – orientierte sich an den Avantgarden der Moderne und kam damit in der DDR einem politischen Statement gleich.

Die Ausstellung zeigt ungesehene, aktuell bearbeitete Arbeiten, die durch eine freie, unverkrampft-impulsive Verwendung von Farbe beeindrucken. Im Zentrum steht der Malprozess. Ziel ist nicht ein Resultat, nicht das ‘fertige‘ Bild. Fast absichtslos scheint Willy Günther – im kreativen Flow und in der Auseinandersetzung mit seinen Fragen an die Malerei – nur Spuren seines Malprozesses einzufrieren.

6. Februar 2020 – Eröffnung um 14 Uhr im Finanzministerium in Schwerin und Eröffnung um 19 Uhr im Kunstverein Schwerin

18. Februar 2020 - Kuratorenführung mit Matthias Kanter im Kunstverein

5. April 2020 - Finissage mit Künstlergespräch im Kunstverein