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Helmut Senf: Künstler der Ecken und Kanten

„Ich kann nicht aufhören, zu malen und zu schaffen", sagt Helmut Senf mit 87 Jahren.
Eine bunte Auswahl an Pigmenten: Helmut Senf vor seinem Farbregal.
Für satte Farben zieht Senf eine gefärbte Glasschicht auf Emaille. „Eine solche Farbdichte erreiche ich nicht anders", sagt er.
Objekte wie diese Bodenskulptur zieren den Garten des Künstlers in Sassnitz.
Helmut Senf sortiert noch zu Lebzeiten seinen Nachlass und schenkt dem Land MV mehrere seiner Werke.

Künstler hören nicht einfach auf. Künstler sterben. „So einer bin ich", sagt Helmut Senf mit 87 Jahren. „Bevor es soweit ist, schenke ich dem Land MV noch einige meiner Werke." Elf Arbeiten wählte eine Expertenrunde um Dr. Regina Erbentraut vom Schloss Güstrow aus.  

Wer den Garten von Helmut Senf betritt, stolpert regelrecht über seine Handwerkskunst. Auf dem Gelände der ehemaligen Familiengärtnerei liegen und stehen verstreut in Gras und Beet verschiedenste Plastiken – vorrangig aus Industriestahl. Der ist besonders wetterbeständig. „Kanten und Formen sind auch nach Jahrzehnten noch exakt und sauber", sagt Senf. 

Zwischen Handwerk und Kunst

Genauso sauber und aufgeräumt wie seine heimische Werkstatt. Eine kleine Walze steht in der Ecke, sortierte Farben im Regal, eine Werkbank und Werkzeuge zur Schmuckbearbeitung. „Kleinere Arbeiten entstehen hier, größere in einer Werkstatt etwas außerhalb", sagt er. Dafür brauche er größere Gerätschaften. 

Senf studierte künstlerische Werkgestaltung und spezialisierte sich früh auf Metall und Emaille. Er bewegte sich stets zwischen Kunsthandwerk und freier Kunst. In den 1980er-Jahren fing er mit konkreter Malerei an. Auch hier floss sein Emaillehandwerk ein.

Mit Flex und Feile

Der heute 87-Jährige gehört zu den namhaften Vertretern der konkreten Kunst in Erfurt und ist Mitbegründer der Erfurter Ateliergemeinschaft, die schon in den 1960er-Jahren alternative Ausstellungen außerhalb der DDR-Staatsdoktrin organisierte. 

„Was heute Computer übernehmen, machten wir früher alles selbst – mit Flex und Feile", sagt er, der jahrelang in den kirchlichen Werkstätten Erfurt als Emaillieur und Gürtler arbeitete.

Handwerk und Computer

„Materialkunde und Organisation sind auch heute noch wichtig", erklärt er aus Erfahrung. Noch bis vor zwei Jahren lehrte er an der Fachhochschule in Wismar. „Mir fehlt die Arbeit mit jungen Menschen sehr", so der ehemalige Hochschullehrer.

Bildplatten in Industrieemail. Bildplatten in Schmuckemail. Stahlplastiken und frühe Gipsskulpturen. Zu seinem 85. Geburtstag zeigten Kunstkaten Ahrenshoop und Circus Eins in Putbus ausgewählte Werke aus dem Schaffen von Helmut Senf.

Eine seiner Enkelinnen sei dabei, ihrem Opa in die Kunst zu folgen, erzählt er weiter. Eine andere werde Goldschmiedin. „Handwerk ist auch in Zeiten von Computer noch wichtig für Künstler", sagt Senf abschließend.

Einzelausstellungen von Helmut Senf – eine Auswahl
  • 1983: Angermuseum Erfurt
  • 1988: Burggalerie Magdeburg
  • 1991: Kunstverein Erlangen
  • 1994: in Ilmenau und Sassnitz
  • 1995: Galerie Jesse in Bielefeld
  • 1996: Galerie am Fischmarkt in Erfurt und Galerei „Alte Feuerwehr" in Selling auf Rügen
  • 1998: Kulturhistorisches Museum in Stralsund und Orangerie in Putbus
  • 2013: Galerie des Landkreises Vorpommern auf Rügen, Galerie Anke Zeisler in Berlin
  • 2018: Circus Eins in Putbus und Kunstkaten Ahrenshoop

Was ist los in MV?!

10:00 - 18:00 Uhr, Burg Penzlin

10:00 - 17:00 Uhr, Konzertgarten-West Kühlungsborn

19:00 - 21:00 Uhr, Schönberger Musiksommer

Zum Künstler Helmut Senf

Selbstportrait Helmut Senf

Helmut Senf erblickt im Jahr 1933 im thüringischen Mühlhausen das Licht der Welt. Nachdem er seine Schule beendet, beginnt er eine Lehre als Dekorationsmaler und studiert am Institut für Künstlerische Werkgestaltung Halle - Burg Giebichenstein. Seine Fachgebiet: Metall und Emailgestaltung. In den kirchlichen Werkstätten Erfurt arbeitet er als Emailleur und Gürtler. 

Auf in die Kunst

Im Jahr 1961 macht sich Senf selbstständig. Er ist Gründungsmitglied der Erfurter Ateliergemeinschaft, die von 1964 bis 1974 Ausstellungen mit non-konformer und kritischer Kunst organsiert und ein einzigartiges Modell einer selbstbestimmten Produktions- und Künstlergalerie darstelle. Er arbeitet zwischen 1978 und 1990 aber wieder als Hochschullehrer und nimmt Lehraufträge an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle an. 

Auf in den Norden

Der erfahrene Künstler zieht 1994 dorthin, wo andere Urlaub machen – nach Sassnitz auf die Insel Rügen, lehrt parallel aber weiter am Berufsbildungszentrum Erfurt und seit 2007 auch an der Hochschule Wismar, FB Gestaltung.