Zwei Künstler mit unterschiedlichen Freiheiten
Wie konnte eine Frau in den 1920er Jahren in Deutschland ihrer Kunst nachgehen? Und wie gelang das einem Mann? Das zeigt die Ausstellung „Johanna Schütz-Wolff & Gerhard Marcks” noch bis 6. September in den Ernst Barlach Museen Güstrow.
Rückblick: Johanna Schütz-Wolff (1896–1965) befasst sich umfassend mit der textilen Kunst und dem Kunsthandwerk. Sie reist nach Kochel am See und besucht Maria Marc, die Witwe des Malers Franz Marc. Einen Teil dieser Schaffensphase können Besucher in der neuen Sonderausstellung entdecken. Besonders in den großformatigen Tempera Malereien, die alle im Jahr 1920 entstanden.
Künstlerische Ansprüche
Im Herbst 1920 übernimmt Johanna Schütz-Wolff den Aufbau und die Leitung der Textilklasse an der heutigen Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Zeitgleich lehrt Gerhard Marcks (1889–1981) dort. Doch ihre Wege und die Freiheiten während ihrer künstlerischen Karriere unterschieden sich stark.
Gerhard Marcks entfaltet sich in der Bildhauerei. Johanna Schütz-Wolff soll die Textilklasse aufbauen, obwohl sie bis dahin keinerlei Weberfahrung besitzt. Das Handwerk gilt als weiblich. Johanna Schütz-Wolff findet eigene Wege für ihren künstlerischen Anspruch.
„Entartet” und zerstört
Die Kunst- und Kulturpolitik der Nationalsozialisten ab 1933 hinterlässt bei beiden Spuren. Gerhard Marcks wird aus seiner Lehrposition entlassen und sein Werk als „entartet” verfemt. Johanna Schütz-Wolff zerstört selbst aus Angst vor Verfolgung in einer Nacht 13 ihrer frühen Bildteppiche.
Davon berichtet die Schau. Von ungleichen Chancen und Rollenverständnissen, politischer Verfolgung, Mut und der Suche nach künstlerischer Freiheit.
Erst Baralch Museen Güstrow
Heidberg 15
18273 Barlchstadt Güstrow
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 16 Uhr
