Wolgast feiert 250 Jahre Philipp Otto Runge

Am 23. Juli 2027 wird Philipp Otto Runge 250 Jahre alt. Seine Geburtsstadt Wolgast feiert ihn von Mai bis Oktober mit dem Rungesommer: einer neuen Dauerausstellung im Geburtshaus, Originalen aus Hamburg und Greifswald, drei Festwochenenden und einem sinfonischen Ballett in der Schiffshalle am Stadthafen.





Im Wolgast des späten 18. Jahrhunderts schneidet ein kränkliches Kind Silhouetten aus Papier. Die Mutter hat es ihm beigebracht. Draußen liegen bis zu 200 Schiffe im Hafen. Der Vater ist Reeder und Kaufmann, der seine Waren bis nach Amerika verschifft. Der Junge heißt Philipp Otto Runge. Er wird einer der prägenden Maler der deutschen Frühromantik und nur 33 Jahre alt.
Am 23. Juli 2027 jährt sich sein Geburtstag zum 250. Mal. Wolgast holt ihn nach Hause. Von Mai bis Oktober feiert die Stadt am Peenestrom ihren berühmtesten Sohn mit dem Rungesommer. Der Titel des Jubiläumsjahres: „Wolgast. Morgen der Romantik“. Die Stadt Wolgast und die Wolgaster Kulturgesellschaft richten das Jubiläumsjahr aus. Vier Ausstellungsformate, drei Festwochenenden, ein Festakt und Originale aus Hamburg sowie Greifswald bringen Runge zurück in die Altstadt und an den Hafen.
Der Maler, der das Unsichtbare malte
Runge kam 1777 als neuntes von elf Kindern zur Welt. Nach einer Kaufmannslehre in Hamburg ging er 1799 nach Kopenhagen, später nach Dresden, um Kunst zu studieren. Sein älterer Bruder Daniel förderte ihn ein Leben lang. Die letzten Jahre lebte Runge mit seiner Frau Pauline und drei Kindern in Hamburg. Wolgast blieb für ihn Heimat- und Sehnsuchtsort.
Seine Bilder wirken bis heute erstaunlich direkt. Runge malte Menschen ohne Pose. Sein wohl größtes Vorhaben, der Zyklus „Die Zeiten“, sollte ein romantisches Gesamtkunstwerk werden. Er blieb unvollendet.
Runge war mehr als Maler. 1810, in seinem Todesjahr, erschien seine Farbenlehre unter dem Titel „Farben-Kugel“. Darin ordnete er die Farben erstmals in einem dreidimensionalen Kugelmodell. Er stand im Briefwechsel mit Goethe, Ludwig Tieck und Clemens Brentano und verstand sich als Teil einer geistigen Bewegung.
Zwei Märchen in niederdeutscher Sprache brachte Runge zu Papier: „Von dem Fischer un syner Fru“ und „Von dem Machandelboom“. Über Achim von Arnim und Clemens Brentano gelangten sie zu den Brüdern Grimm und in deren berühmte Sammlung. Ganz nebenbei blieb auch die Schere sein Werkzeug. Seine Scherenschnitte sind eine eigene Kunstform.
Das Geburtshaus öffnet neu
Das Jubiläumsjahr startet am 2. Mai. Dann eröffnet das Rungehaus in der Kronwiekstraße mit einer neuen Dauerausstellung. In dem einstigen Familienhaus wohnten einmal 13 Runges zugleich. Heute führen thematisch geordnete Räume durch Leben und Werk des Universalkünstlers. Die Ausstellung ist interaktiv angelegt: Besucherinnen und Besucher tauchen in Runges Welt ein in Farbe und Klang, Sehen und Hören, Fühlen und Denken.
Die Dauerausstellung ist eines von vier Ausstellungsformaten im Jubiläumsjahr. Dazu kommen wechselnde Ausstellungen und die dreiteilige Sonderausstellung „Der Traum vom Ganzen – Philipp Otto Runge in Wolgast“. Ab dem 22. Mai zeigt außerdem die 37. Landeskunstschau Mecklenburg-Vorpommern 50 zeitgenössische künstlerische Positionen.
Zum Jubiläum reisen Originale an. Aus der Hamburger Kunsthalle kommen die „Maske der Mutter“ und „Petrus auf dem Meer“. Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald leiht das „Bildnis der Wilhelmina Sophia Helwig“ und das Blatt „Der Morgen“ aus dem Grafikzyklus „Die Zeiten“. Drei weitere Grafiken des Zyklus besitzt die Stadt Wolgast selbst.
Dazu kommen Stücke, die Runges Herkunft greifbar machen: seine Illustrationen zu Ludwig Tiecks „Minneliedern aus dem Schwäbischen Zeitalter“, das Stammbuch des Johann Adolf Schieve, die Bibel seines Vaters Daniel Nicolaus Runge aus Privatbesitz und der Taufauszug aus dem Kirchenregister von St. Petri.
Drei Wochenenden, ein Geburtstag
Im Sommer wird die Altstadt zur Bühne. Drei Festwochenenden verteilen sich zwischen Juni und August auf den Rungeplatz, den Stadthafen, die Museen und die historischen Gassen. Das Programm reicht von Theater und Konzerten über Mitmachangebote für Kinder, Puppentheater und Märchen bis zu Kulinarik, Kunsthandwerk und einem Regiomarkt.
Der Höhepunkt ist vom 23. bis 25. Juli. Am Geburtstag selbst sprechen beim offiziellen Festakt Gäste aus Politik und Forschung, Kunst und Kultur. Danach wird gefeiert: mit Raumkunst im Rundbau der St.-Gertrud-Kapelle, einem „Festessen bei Runges“, Tanz und Musik auf dem Rungeplatz und einem sinfonischen Ballett in der Schiffshalle am Stadthafen. Am 24. Juli lädt die Wolgaster Kulturnacht in die Stadt. Den Abschluss bildet die interaktive Premiere des Runge-Comics.
Die Stadt als Ausstellung
Wer Runge verstehen will, sollte durch Wolgast laufen. Das „Bunte Band“ macht es leicht: Fünf farbige Routen ziehen durch die Altstadt. Rot führt zu historischen Bauten, vom Rungehaus bis zum Poelzig-Bau. Weiß führt an Orte, an denen Persönlichkeiten wie die Familie Runge, Kosegarten und Homeyer lebten. Blau erzählt von Hafen, Handel und Wasser. Grün führt an der Spitzhörnbucht entlang bis zum Dreilindengrund. Und die Runge-Route wird bunt: Sie verbindet die Orte, an denen er sich aufgehalten hat. Alle Routen starten an der Stadtinformation, sind kostenlos, barrierefrei und jederzeit begehbar, digital ergänzt um Texte, Bilder und Audio.
Im September und Oktober folgen ein Konzert des Usedomer Musikfestivals, ein Kinderfest und der 6. Manufakturtag. Mitte Oktober fragt das Wolgaster Symposium „Romantik : Religion : Revolution“ nach dem Erbe der Epoche. Und zu Halloween wird es schaurig: Dann kommt „Von dem Machandelboom“ auf die Bühne. Dann ist Runges düsteres Märchen zurück in seiner Heimatstadt.
Termine im Runge-Jahr 2027

| 18. März | Vortrag „Romantische Kunstreligion bei Philipp Otto Runge“ von Dr. Karl Tetzlaff | Stadtgeschichtliches Museum |
| 2. Mai | Eröffnung der neuen Dauerausstellung | Rungehaus |
| 2. Mai | Einweihung „Buntes Band“: digitaler Stadtrundgang mit farbcodierten Themenwegen | Altstadt |
| 8. Mai | Eröffnung der 1. Wechselausstellung: Henning Wagenbreth und Sophia Martineck | Rungehaus |
| 8. Mai | Präsentation der Ergebnisse des Scherenschnitt-Wettbewerbs | Rungehaus |
| 22. Mai | Eröffnung 37. Landeskunstschau | Kirchplatzschule |
| 29. Mai | Mitmachkonzert für Kinder „Buttje, Buttje in de See“ | Kreismusikschule Wolgast-Anklam |
| 5. Juni | „Runges Fliegende Farbenkugel“ – Heißluftballon auf dem Rungeplatz mit historischem Reenactment |
| Juni | Premiere des Runge-Stücks „Das Wesen der Farben“ | Kaminzimmer, Historisches Rathaus |
| 26. Juni | Eröffnung der dreiteiligen Sonderausstellung „Der Traum vom Ganzen – Philipp Otto Runge in Wolgast“ mit Konzert | Stadtgeschichtliches Museum · St.-Petri-Kirche |
| 26./27. Juni | 1. Festwochenende |
| 23.–25. Juli | 2. Festwochenende + Wolgaster Kulturnacht am 24. Juli |
| 21./22. August | 3. Festwochenende |
| September | Konzert im Rahmen des Usedomer Musikfestivals | St.-Petri-Kirche |
| 20. September | Kinderfest in der Altstadt |
| 9. Oktober | 6. Manufakturtag – Handwerk zum Anfassen | Stadtgeschichtliches Museum |
| 15.–17. Oktober | Wolgaster Symposium „Romantik : Religion : Revolution“ | Stadtgeschichtliches Museum · Rungehaus |
| 31. Oktober | Theateraufführung „Von dem Machandelboom“ zu Halloween | Tierpark Wolgast |