Ingo Schulze erhält Uwe-Johnson-Preis
Der Uwe-Johnson-Preis 2026 geht an Ingo Schulze für seinen Roman „Das Wasser im August”. Die fünfköpfige Jury wählte aus einer Vielzahl an eingesandten Texten aus den Bereichen Prosa und Essayistik den diesjährigen Preisträger aus.
Begründung der Jury
Ingo Schulzes Roman, der am 26. August im S. Fischer Verlag erscheint, führt laut Jury in eine für Uwe Johnson und sein Werk bedeutende Region:
„Es ist dies die ›dicht umwaldete Seenplatte Mecklenburgs‹, und es sind Städte wie Güstrow oder Neubrandenburg, die den Hintergrund nicht nur für sein vierbändiges Romanepos ›Jahrestage‹ bilden. Für das ›Was‹ und ›Wie‹ des Erzählens spielt das Erinnern – wie bei Uwe Johnson – eine zentrale Rolle. Dabei wählt Ingo Schulze eine artistische Konstruktion, denn es handelt sich um eine Erzählung in der Erzählung. Der Ich-Erzähler, der zu einer privaten Lesung ins Mecklenburgische eingeladen wird, liest aus einer autobiografisch aufgeladenen Novelle, die in das Jahr 1979 und eine Zeit führt, da die ›Demokratische Republik‹ – wie Uwe Johnson die DDR mitunter nannte – noch existiert. Auf diese Weise werden, an die Figur des Ich-Erzählers gebunden, Gegenwarts- und Vergangenheitsebene miteinander verknüpft. (...) Ein Verdienst des Romans besteht darin, eine vergangene Zeit mit ihren Hoffnungen, Utopien und Widersprüchen so dicht zu beschreiben, dass die politischen und historischen Umstände darin wie selbstverständlich anwesend sind.”
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Preis würdigt herausragende literarische Werke
Der Jury gehören an: Gundula Engelhard (Stellvertretende Vorsitzende der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft), Carsten Gansel (Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Gießen; Sprecher der Jury), Cornelia Geißler (Literaturredakteurin der Berliner Zeitung), Michael Hametner (ehemals leitender Literaturredakteur und Moderator bei MDR FIGARO) und René Strien (ehemaliger Verleger des Aufbau Verlages und Geschäftsführer des OKAPI Verlages Berlin).
Der Uwe-Johnson-Preis würdigt herausragende literarische Werke, in denen sich Bezugspunkte zur Poetik Uwe Johnsons finden und deren Blickwinkel unbestechlich und jenseits „einfacher Wahrheiten” auf deutsche Geschichte, Gegenwart und Zukunft gerichtet ist.
Die feierliche Preisverleihung 2026 findet im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage am 18. September in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in Berlin statt. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.
Verdienstorden für Engagement als politischer Autor und Künstler
Ingo Schulze wurde 1962 in Dresden geboren und lebt in Berlin. Nach dem Studium der klassischen Philologie in Jena arbeitete er zunächst als Schauspieldramaturg und Zeitungsredakteur. Bereits sein erstes Buch „33 Augenblicke des Glücks”, 1995 erschienen, wurde sowohl von der Kritik als auch dem Publikum mit Begeisterung aufgenommen. „Simple Storys” (1998) wurde ein spektakulärer Erfolg und ist Schullektüre. Es folgten das Opus magnum „Neue Leben” (2005), die Erzählungen „Handy” (2007) und „Orangen und Engel” (2010) sowie die Romane „Adam und Evelyn” (2008) und „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst” (2017), für den Ingo Schulze mit dem Rheingau Literatur Preis ausgezeichnet wurde und der auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand. Im Frühjahr 2020 erschien der Roman „Die rechtschaffenen Mörder”, der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. Am 1. Oktober 2020 wurde Ingo Schulze mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für sein Engagement als politischer Autor und Künstler ausgezeichnet. www.ingoschulze.com
Von Walter Kempowski bis Iris Wolff
Der Uwe-Johnson-Preis wird seit 1994 verliehen; zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören Walter Kempowski, Jürgen Becker, Joochen Laabs, Norbert Gstrein, Uwe Tellkamp, Christa Wolf, Christoph Hein, Lutz Seiler, Jan Koneffke, Jenny Erpenbeck und Iris Wolff.
Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V. gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und GENTZ Rechtsanwälte und Notare im jährlichen Wechsel mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis vergeben, der 2025 an Kurt Tallert ging.
Die gesamte Jurybegründung und weitere Informationen finden Sie unter: www.uwe-johnson-preis.de
