Literatur mit Meerblick
Die Usedomer Literaturtage stehen in den Startlöchern. Am Mittwoch geht’s los. Den Anfang macht ein Spionage-Thriller aus Peenemünde. Und am Ende werden erstmals zwei Preise vergeben.
In diesem Jahr geht das Festival vom 15. bis 18. April in Lesungen und Gesprächen dem Thema „Grenz-Überschreitungen“ nach. Die Autoren Durs Grünbein, Andreas Englisch, Steffen Kopetzky und Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk sind geladen, zeitliche, räumliche und sprachliche Grenzen zu überschreiten. Tickets für alle Veranstaltungen gibt es über den Ticketshop der Festival-Homepage.
Das Programm
Mittwoch, 15. April
19.30 Uhr: Codes aus Peenemünde. Lesung und Gespräch mit Steffen Kopetzky. Ort: Kaiserbädersaal, Seebad Heringsdorf:
Mit seinem Spionagethriller „Atom“ führt Steffen Kopetzky das Publikum nach Peenemünde, zum Schauplatz der V1- und V2-Waffenproduktion. Dort entfaltet er eine Geschichte über das Ringen um die erste Atombombe im Schatten des Kalten Krieges, verbunden mit Hans Kammler und Wernher von Braun. Das an die Lesung angeschlossene Gespräch mit Manfred Osten wirft die Frage auf, was Wahrheit und Moral im Zeitalter fortschreitender Wissenschaft bedeuten.
Donnerstag, 16. April
12 Uhr: Frisches aus der Schreibwerkstatt. Lesung mit Schülerinnen und Schülern der Ostseeschule Ückeritz. Ort: Haus des Gastes, Seebad Ückeritz, Eintritt frei.
19.30 Uhr: Leo XIV. – Der leise Mönch an der Spitze der Macht. Lesung und Gespräch mit Andreas Englisch. Ort: Baltic Hotel, Seebad Zinnowitz:
Andreas Englisch, langjähriger Vatikan-Korrespondent, blickt an diesem Abend zusammen mit Kulturhistoriker Manfred Osten hinter die Kulissen des Vatikans. Die beiden setzen damit die Reihe der Papstgespräche bei den Usedomer Literaturtagen fort. In seinem Buch „Leo XIV. – Der leise Mönch an der Spitze der Macht“ zeichnet Andreas Englisch den Aufstieg des ersten US-amerikanischen Papstes nach. Englisch öffnet die Türen verschlossener Konklave-Zimmer und spricht mit Weggefährten. Wem dieser Abend mit Geschichten aus dem Vatikan nicht ausreicht, der kann Andreas Englisch in seinem wöchentlichen Podcast „Vatikangeflüster“ mit der Journalistin Heike Kleen weiter zuhören.
Freitag, 17. April
19.30 Uhr: Im Angesicht des Kometen. Lesung und Gespräch mit Durs Grünbein. Ort: Kaiserbädersaal, Seebad Heringsdorf:
In seinem Roman „Der Komet“ blickt Durs Grünbein auf das Schicksal seiner Großmutter, einer einfachen Frau aus Schlesien, die ihrer Liebe nach Dresden folgt und über der nach einer Zeit des kleinen Glücks am 13. Februar 1945 Tod und Zerstörung hereinbricht. Die Vorahnung der Katastrophe durchzieht den Roman wie eine seidene Schnur. Im Gespräch mit Manfred Osten wird es darum gehen, wie Geschichte den Geschichtslosen ereilt, angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten ein brandaktuelles Thema.
Samstag, 18. April
11 Uhr: Verleihung des Usedomer Literaturpreises 2026 an Clemens J. Setz. Mit Lesung. Ort: Ahlbecker Hof, Seebad Ahlbeck. Moderation: Agnieszka Kowaluk, Laudatio: Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Veranstaltung in deutscher & polnischer Sprache:
Clemens J. Setz hat Romane wie „Indigo“, „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ und „Die Monde vor der Landung“ geschrieben. Seine Arbeit ist mehrfach preisgekrönt. Nun kommt ein weiterer dazu: der Usedomer Literaturpreis. Die Jury um Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk würdigt „seine meisterhafte Prosa, die Elemente der Groteske, des Unheimlichen, der Science-Fiction miteinander verbindet ohne dabei auf den Humor zu verzichten“. Einen Einblick in seine radikal andere und damit grenzüberschreitende Erzählweise wird er mit einer Lesung aus seinem Buch „Der Trost der runden Dinge“ geben. Der Usedomer Literaturpreis ist mit 5.000 Euro dotiert und mit einem einmonatigen Arbeitsaufenthalt in Ahlbeck verbunden.
Samstag, 18. April
17 Uhr: Verleihung des Usedomer Übersetzerpreises an Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein. Ort: Interferie Hotel Medical SPA, Swinemünde / Swinoujscie. Moderation: Olga Mannheimer. Mit Lesung von Olga Tokarczuk. Veranstaltung in deutscher & polnischer Sprache:
Die Usedomer Literaturtage haben in diesem Jahr eine weitere Auszeichnung ins Leben gerufen: den Usedomer Übersetzerpreis. Dieser geht an Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein. Sie haben „Die Puppe“ von Bolesław Prus neu übersetzt. „Die meisterliche Übertragung dieses monumentalen Werks der polnischen Sprache setzt neue Maßstäbe in der Übersetzungskunst und erinnert uns an die nie nachlassende Kraft der literarischen Klassik, die in dieser erstklassigen Neuübersetzung neue ungeahnte Facetten zeigt“, so die Jurybegründung. Der Übersetzerpreis ist mit 3.000 Euro dotiert. Zur Preisverleihung wird Literaturnobelpreisträgerin und Juryvorsitzende Olga Torkaczuk aus ihrem Essay über Bolesław Prus' Roman lesen.
Donnerstag, 10. September
19 Uhr: „Freiheit: Erinnerungen 1954 – 2021“. Sonderlesung mit Angela Merkel. Ort: Kraftwerk Peenemünde:
Die Lesung von Angela Merkel wurde vom 13. Juli auf den 10. September verschoben. „Wir haben uns seit Jahren bemüht, Angela Merkel erneut nach Usedom einzuladen. 2018 war sie anlässlich des 25. Usedomer Musikfestivals auf der Insel zu Gast. Umso mehr freuen wir uns, dass es nun geklappt hat!“, sagt Thomas Hummel, Intendant der Usedomer Literaturtage und des Usedomer Musikfestivals. Die Altbundeskanzlerin wird aus ihrem Erinnerungsband „Freiheit: Erinnerungen 1954 – 2021“ lesen und dabei persönliche Einblicke in ihr Leben und ihre politische Laufbahn geben – von der Kindheit in der DDR bis zu 16 Jahren an der Spitze der Bundesregierung.







