Schweriner Literaturtage: Hier gibt's Karten!
Für Gregor Sander, Svenja Leiber, Lukas Rietzschel leider nicht mehr – ausgebucht. Dafür gibt es noch Karten für Lesungen von Judith Schalansky, Angelika Klüssendorf oder Ilija Matusko. Die Schweriner Literaturtage: hier der Überblick.
Lesungen
Donnerstag, 8. Oktober um 19 Uhr im Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus (Puschkinstraße 12, 19055 Schwerin): Geschichten aus der Geschichte – Lesung mit Lutz Dettmann
Lutz Dettmann, gebürtiger Crivitzer und bekennender Schweriner, liebt es, Geschichte in unterhaltsamen Zwischendurch-Happen zu erzählen. Seine Bücher „Wie aus Meklenburg Mecklenburg wurde” und „Geschichten aus der Geschichte” bündeln eine abwechslungsreiche Mischung von Schlaglichtern auf die regionale Vergangenheit. Dettmanns kurzweilige Texte bringen sowohl ernste als auch heitere Themen auf den Punkt. Die Bandbreite reicht u.a. von Hexenprozessen, der französischen Besatzung Mecklenburgs und die große Choleraepedemie über den Bau des Paulsdamms durch den Schweriner See bis hin zur Entscheidung über die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns. Geschichten für „Zwischendurch” – Geschichte, einmal anders erzählt. Ergänzend zu den Texten werden auch Bilder gezeigt.
Vorverkauf und Abendkasse: 3,00 Euro (Kasse: Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus)
Freitag, 9. Oktober um 19 Uhr im Staatlichen Museum (Alter Garten 3, 19055 Schwerin): Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist – Lesung mit Judith Schalansky
Es beginnt mit einem weißen Block, einem fast 27 Tonnen schweren Ungetüm aus massivem Marmor. Noch lange nach der Begegnung auf einer Fähre vor der Insel Thassos lässt der Stein Judith Schalansky nicht los. Er führt sie in die Marmorbrüche und Bildhauerei-Ateliers, durch die dunkle, oft gewalttätige Geschichte von Materialgewinnung und Weltaneignung. Ein Workshop an der Kunsthochschule von Guadalajara wiederum gerät zu einer tollkühn-quecksilbrigen Performance als Apologetin der Buchkultur. Und die Rekonstruktion einer vergangenen Besteigung des oft nebelverhangenen Brockens verdichtet sich zu einer Enzyklopädie der Undurchsichtigkeit, die das Erhellende im Ungewissen sucht.
Wie immer bei Judith Schalansky geht es in ihrem neuen Buch um alles: den Nährwert von Marmorschweinen, das Gewicht der Erde, den Belegungsplan der Arche Noah, die Wahrhaftigkeit mexikanischen Wrestlings oder das Brockengespenst – um Phänomene also, in denen sich die widerspenstige Wirklichkeit spiegelt und vervielfacht.
Montag, 19. Oktober um 19:30 Uhr in der Stadtbibliothek in den Schweriner Höfen (Klöresgang 3, 19053 Schwerin): Trost – Lesung mit Angelika Klüssendorf
Ein Jahr, das alles verändert: 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich aus der Welt. Für die siebzehnjährige Jane bekommt das Leben erste Risse. Zu Rita, ihrer Stiefmutter, hat sie eine tiefe Bindung. Und wie soll sie mit einem Krieg umgehen, dessen Gewalt sie nicht begreifen kann? Wird ihre Freundschaft mit Lea dieses abgründige Jahr überdauern? Joachim, ein Analphabet in der Seelenliebe, begegnet dagegen mit Ende sechzig einer unverhofften Liebe, die er nicht hinterfragen muss. Ein trotzig-heiterer Roman von beklemmender Aktualität, der nach Trost fragt in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.
Mittwoch, 21. Oktober um 19:30 Uhr im Speicher (Röntgenstraße 22, 19055 Schwerin): The Joy of Ageing – musikalische Lesung mit Christiane Rösinger
Christiane Rösinger ist Musikerin, Kreuzbergerin und Großmutter. Von ihr aus könnte das immer so weitergehen, wären da nicht das Älterwerden und die Geldsorgen. Das Altern lässt sich nicht aufhalten, aber um ein bisschen was zu verdienen, beschließt Christiane, einen Altersratgeber zu schreiben. Ohne Illusionen, dafür mit Power. Ein energischer Aufruf, sich nicht länger gefallen zu lassen, wie die Gesellschaft mit Frauen umgeht, die nicht mehr jung sind.
Dabei ist es gar nicht so einfach, selbst eine entspannte Haltung zum Altwerden zu finden. Das zeigen schon die Gespräche mit den Freundinnen, deren unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen: Da sind die Hundefrau, die Selbstoptimiererin, die Aufs-Land-Zieherin. Weit und breit kein positives Role Model. Wo sind die Vorbilder? Und vor allem: Was hilft alles, wenn man sich plötzlich in der Stroke Unit im Krankenhaus wiederfindet?
Kein Ratgeber, sondern ein bissig-komisches Buch voller Erinnerungen, Gedanken und Geschichten, das am Ende einen ernsthaften Rat bereithält: weniger klagen, mehr leben. Denn alt sein heißt frei sein.
Freitag, 30. Oktober um 19:30 Uhr in der Stadtbibliothek in den Schweriner Höfen (Klöresgang 3, 19053 Schwerin): Wo die Toten sprechen – Lesung mit Jaroslav Rudiš
Lorenzo, Caspar und Miss Detroit sind unterwegs im alten Saab. Drei Freunde, irgendwo zwischen Lebensmitte und Lebensmüdigkeit. Ihr Ziel: die Friedhöfe Mitteleuropas. Während sich Lorenzo durch Bücher frisst und versucht, eine Doktorarbeit über die toten europäischen Dichter zu schreiben, träumt Miss Detroit davon, Friedhofsbotanikerin zu werden und durch die Blumen mit den Toten zu sprechen. Und der fast blinde Caspar denkt an seinen Vater im Böhmischen Paradies, dessen verstorbene Freunde noch immer durch seine Stammkneipe geistern. Mit jedem gefahrenen Kilometer rücken die drei näher aneinander und hören die Stimmen der Toten von Grab zu Grab deutlicher: Wovon sprechen sie? Und wem hört man besser nicht zu? Als sie auf einem Berliner Friedhof plündernden Reichsbürgern zuvorkommen und die Knochen eines NS-Verbrechers entwenden, beginnt eine absurde Verfolgungsjagd entlang der Grenzen der europäischen Mitte.
Jaroslav Rudiš bricht auf zu einer rasanten Odyssee und erzählt von Freundschaft, Vergänglichkeit und davon, was uns in Europa zusammenhält.
Samstag, 31. Oktober um 19:30 Uhr im Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus (Puschkinstraße 12, 19055 Schwerin): Jugo – Lesung mit Ilija Matusko
Sie sehen sich nur einmal im Jahr, und jedes Mal geraten sie in Streit. Der Vater, der als junger Mann nach Deutschland kam, hier eine Familie gründete, in der Gastwirtschaft arbeitete und das Land dreißig Jahre später wieder Richtung Kroatien verließ. Und der Sohn, der in Berlin lebt, Schriftsteller geworden ist und im Gästehaus seines Vaters an der Adriaküste Urlaub macht. In scheinbar kleinen Momenten entdecken sie eine unerwartete Nähe: wenn sie, begleitet vom Jugo, dem warmen Südwind, mit dem Boot zur Insel vor der Bucht fahren, Tennis auf dem Platz eines verfallenen Hotels spielen oder den kleinen Acker der Familie in Bosnien besuchen. Nach und nach legen sie alte, zugewachsene Wege frei – zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte.
Jugo ist eine Liebeserklärung an den gleichzeitig nahen und fernen Vater, dessen Rückkehr in die alte Heimat schwieriger war als seine Ankunft in einem fremden Land. Einfühlsam erkundet Matusko die Vergangenheit, erzählt von Familie und den Konflikten im zerfallenen Jugoslawien und spürt einem Gefühl nach, das beide verbindet: nie ganz angekommen zu sein.
Donnerstag, 5. November um 19:30 Uhr in der Aula der VHS Schwerin (Puschkinstraße 13, 19055 Schwerin): Und der Wal spuckt mich aus – musikalische Lesung mit Jan Simowitsch
Jan hat seinen Job als Kirchenmusiker gekündigt, eine Leitungsaufgabe, die ihm viel bedeutet hat. Um einen klaren Kopf zu bekommen, bucht er für sich und sein Fahrrad einen Platz auf einer Fähre, die ihn von Dänemark auf die Färöer-Inseln bringt. 18 Felseninseln vulkanischen Ursprungs, die zwischen Island und Norwegen im Nordatlantik liegen. Im April ist es dort kalt, stürmisch und regnerisch. Und so wird nicht nur die Tour ein einziges Abenteuer, sondern für Jan auch eine Reise zu sich selbst.
Die biblische Geschichte von Jona, der von einem Wal verschluckt wird, weil er nicht auf das gehört hat, was ihm gesagt wurde, verwebt sich in „Und der Wal spuckt mich aus” auf wunderbare Weise mit Jans eigener Realität. Eine faszinierende, wahre Geschichte von Aufbruch, Neuanfang und wertvollen Begegnungen, die zum Nachdenken anregt und Mut macht, auf die eigene innere Stimme zu hören.
Karten
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