16.09.2026

So wird das Kulturerbe im Krisenfall geschützt

Eine Collage zeigt vier Kulturhäuser. Zwei Schlösser, ein Museum, eine Bibliothek.
Schloss Bothmer, Landesbibliothek, Schloss Ludwigslust, Staatliches Museum Schwerin (von oben links nach unten rechts)

Die Region Westmecklenburg hat einen Notfallverbund gegründet. Ziel ist es, Kulturgut in Krisen- und Notfällen besser zu schützen. Wie das funktioniert, erklären wir hier. Unser Hintergrund.


Weshalb gibt es den Verbund?

„Eines ist sicher: Der nächste Brand, das nächste Starkregenereignis oder der nächste technische Defekt wird kommen”, sagt Dr. Ramona Dornbusch, Direktorin des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege. „Eine ausgefallene Klimaanlage kann innerhalb kurzer Zeit ebenso große Schäden an Sammlungen verursachen wie andere Havarien. Umso wichtiger ist es, dass wir künftig auf einen Notfallverbund zurückgreifen können, der im Ernstfall schnell, organisiert und professionell die Erstversorgung unseres Kulturguts übernimmt.”

Wer macht mit?

Partner des Notfallverbundes sind kulturgutbewahrende Einrichtungen der Region. Dazu gehörden u.a. das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, die Landeshauptstadt Schwerin und die Hansestadt Wismar mit ihren Archiven und Museen, das Bundesarchiv mit seinem Standort in Görslow sowie die historischen Sammlungen der evangelischen Landeskirchen. Unterstützt wird der Notfallverbund durch die Feuerwehren der Städte und der Region. Der Notfallverbund wurde am 15. September durch die Unterzeichnung eines Letter of Intent gegründet. 

Wie ist die Ausrüstung?

Bei der Unterzeichnung konnten zugleich zwei vom Kulturministerium geförderte Erstversorgungsstraßen für den Schutz und die Sicherung von Kulturgut im Notfall vorgestellt werden. Sie enthalten Materialien und technische Ausrüstung, die bei der Bewältigung einer Havarie – etwa bei Wassereinbruch, Feuer oder Einsturz – für die Erstversorgung, Sicherung und Weiterbehandlung des betroffenen Kulturerbes benötigt werden. Neben Verpackungsmaterialien und Transportbehältnissen zählen hierzu Schutzzelte, Schutzkleidung und technisches Gerät.

Wie lief die Vorbereitung?

Der Notfallverbund Westmecklenburg ist der erste Notfallverbund dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern. Er geht aus der vom Kulturministerium betreuten Krisen- und Notfall-AG hervor, die seit 2021 daran arbeitet, Strukturen für den Schutz von Kulturgut in Krisen- und Notfallzeiten aufzubauen. Im Jahr 2025 förderte das Ministerium zudem das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Abteilung Landesbibliothek, bei der Durchführung einer landesweiten Fortbildungsreihe zum Notfallmanagement in kulturgutbewahrenden Einrichtungen. Die Gründung des Notfallverbundes Westmecklenburg führt diese vorbereitenden Arbeiten nun in eine dauerhafte regionale Zusammenarbeit über.

An wen kann man sich wenden?

Kulturgutbewahrende Einrichtungen, die Interesse an einer Mitwirkung im Notfallverbund haben, können sich gern an den Leiter der Landesbibliothek, Matthias Wehry, m.wehry@lakd-mv.de, sowie die Partner des Notfallverbundes wenden.


Mitglieder

  • Landesamt für Kultur und Denkmalpflege mit den Abteilungen Landesarchäologie, Landesdenkmalpflege, Landesarchiv und Landesbibliothek
  • Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen mit dem Staatlichen Museum Schwerin und den Schlössern Bothmer, Ludwigslust und Wiligrad, dem Schlossmuseum Schwerin
  • Landeshauptstadt Schwerin
  • Bundesarchiv mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv in Görslow
  • Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland – Landeskirchenamt, das Kreisarchiv des Landkreis Nordwestmecklenburg, das Landeskirchliche Archiv der Nordkirche
  • Stiftung Mecklenburg
  • Stadt Goldberg
  • Hansestadt Wismar mit dem Archiv und dem Museum/Altstadthaus
  • Stadt Sternberg

Reaktionen

Wichtiger Baustein
„Der Notfallverbund Region Westmecklenburg ist ein wichtiger Baustein zum Schutz unses Kulturerbes. Ob Museum, Bibliothek, Archiv oder Schloss – die Partner unterstützen sich bei Prävention, Notfallvorsorge und Schadensbewältigung. Durch die gemeinsame Vorbereitung können wir im Ernstfall schneller und wirksamer handeln. Denn, wer vorsorgt, ist für den Notfall besser gerüstet“, so Bettina Martin, Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelenheiten.

Zeugnisse der Kunst- und Kulturgeschichte
„Die SSGK M-V bringen viel praktische Erfahrung im Umgang mit sensiblem Kulturgut in den Notfallverbund ein. Unsere Schlösser, Gärten und Sammlungen zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen der Kunst- und Kulturgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns – umso wichtiger ist es, dass wir sie gemeinsam mit starken Partnern vor den Folgen von Krisen und Notfällen schützen. Der Notfallverbund gibt uns die Möglichkeit, Wissen und Ressourcen zu bündeln“, so Dr. Pirko Kristin Zinnow, Direktorin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern.

Schutz und Sicherheit
„Zwei Jahre nach der Aufnahme des Schweriner Residenzensembles in die UNESCO-Welterbeliste erkennen wir mehr denn je, welche Bedeutung unsere kulturelle Überlieferung für unsere Identität und unser Selbstverständnis hat. Kulturerbe und Kulturgut brauchen Schutz und Sicherheit – genau dafür brauchen wir den Notfallverbund, denn Kulturgutschutz gelingt nur gemeinsam“, so Schwerins Kulturdezernent Silvio Horn.

Am besten im Verbund
„Mit der Gründung des Notfallverbundes Westmecklenburg wird ein echter Meilenstein erreicht, denn Kulturgutschutz gelingt am besten im Verbund mit anderen Einrichtungen. Das Kreisarchiv verfügt über Notfallboxen und einen eigenen Notfallplan und möchte die gesammelten Erfahrungen in den weiteren Prozess mit einbringen“, sagt Kevin Nehls, Leiter des Kreisarchivs Nordwestmecklenburg.