Eine aufgeschlagene Buchseite. Darauf steht: Alma. Oper in vier Akten. Fr. v. Flotow.
Dieser Klavierauszug war ein Geschenk von Friedrich von Flotow an Herzog Friedrich Franz II.
09.01.2026

Buchschatz des Landes wird restauriert

Ein Buch. Der Einband ist aus rotem Samt. Der Einband ist kaputt.
Der Samtstoff des Klavierauszugs von Alma ist bis heute gut erhalten. Aber die Buchdeckel haben sich vom Buchblock gelöst.
Ein aufgeschlagenes Buch. Auf der Seite die Noten eines Musikstücks.
Die Partitur zur Serenata „Komm Freude, komm zu unsern Chören“. Der Lübecker Marienorganist Johann Paul Kunzen hat sie 1746 komponiert. Anlass war die Vermählung des späteren Herzogs Friedrich von Mecklenburg-Schwerin mit Luise Friederike von Württemberg.
Zwei Papierblätter. Das Papier ist sehr alt und kaputt.
Der Umschlag, in dem sich die Stimmen der Serenata befinden, ist stark beschädigt. An der Partitur werden Einbandschäden behoben.

Einer der größten Buchschätze des Landes sind: Noten. Viele von ihnen sind hunderte Jahre alt – und gezeichnet vom Zahn der Zeit. Mit Hilfe zweier Förderungen können Teile der historischen Musiksammlung nun restauriert werden. 

Auf den ersten Blick ist es ein Buch mit Noten, eingefasst in roten Samt. Klappt man den Buchdeckel auf, zeigt sich Alma, eine Oper von Friedrich von Flotow. Und für MV ein besonderes Dokument der Zeitgeschichte. Die deutschsprachige Fassung der Oper wurde am 1. März 1879 in Schwerin uraufgeführt. Im November desselben Jahres überreichte der international erfolgreiche Komponist und ehemalige Intendant des Schweriner Hoftheaters – Friedrich von Flotow – dem regierenden Herzog Friedrich Franz II. dieses rote Buch: einen eigenhändig geschriebenen, prachtvoll ausgestatteten Klavierauszug mit Goldapplikationen und purpurfarbenem Samteinband. Knapp 150 Jahre später haben sich die Buchdeckel vom Buchblock gelöst. Und auch die originale hölzerne Buchkassette braucht eine Reparatur. 

Das rote Samtbuch ist ein Beispiel aus der Musiksammlung der Landesbibliothek, das nun mit Hilfe von Fördermitteln restauriert und als Kulturgut erhalten werden kann. Basis dafür sind zwei Förderprojekte.

Rettung für wertvolle Handschriften

Über das erste der beiden Projekte konnten 18 Musikhandschriften und Musikdrucke des 17. bis 19. Jahrhunderts aus der Sammlung des Mecklenburg-Schweriner Fürstenhauses restauriert werden. Innerhalb des historischen Notenbestandes der Landesbibliothek gehören diese Handschriften zu den 200 wertvollsten Einzelstücken. 

Unter den Handschriften befinden sich Auftragswerke wie die Hochzeitsmusik von Johann Paul Kunzen zur Vermählung von Friedrich dem Frommen (1746). Oder Friedrich von Flotows Oper „Johann Albrecht“ zur Einweihung des neuen Schweriner Schlosses 1857. Oder seltene Abschriften der „Passions-Cantate“ von Carl Philipp Emanuel Bach. Zum Bestand gehört auch ein autographes Manuskript des Oratoriums „Il Sagrifizio d'Abramo“ von Kaiser Leopold I. Aufgrund von Tintenfraß, Papier- und Einbandschäden seien die Bände bisher nicht oder nur eingeschränkt benutzbar und in ihrer Substanz gefährdet, so das Kulturministerium. 

Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) hat diese Restaurierungsmaßnahme mit 11.915 Euro gefördert. Das Kulturministerium beteiligte sich zudem mit 3.100 Euro. Die Restaurierungen sollen im Februar abgeschlossen werden. 

Aufwendige Reinigung

Schwerpunkt des zweiten Projekts ist die Reinigung und Verpackung von rund 2.500 Einzelstücken der Musiksammlung. Dabei werden laut Ministerium insgesamt 34 Regalmeter historischer Bibliotheksbestand unter einer mikrobiologischen Werkbank trockengereinigt und, soweit notwendig, entmetallisiert. Die alten Verpackungen werden entfernt, die Musikalien dann in säurefreie, licht- und alterungsbeständige Schutzverpackungen eingebracht. Das Projekt wird über ein Sonderprogramm der KEK gefördert. Die Gesamtmittel dafür betragen 60.000 Euro. Die Hälfte davon finanziert das Land. Auch dieses Projekt soll bis Mitte Februar abgeschlossen sein. 

„Die Musiksammlung ist einer der größten Buchschätze unseres Landes“, so Bettina Martin, Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten. Die Restaurierung der historischen Sammlung sei deshalb von großer Bedeutung. Mit dem Einwerben der Bundesmittel sei es der Landesbibliothek gelungen, die landesseitigen Mittel zur Bestandserhaltung erheblich aufzustocken. „Gerade in Zeiten knapper Kassen lohnt sich das Einwerben von Drittmitteln, die wir dann als Land ergänzen und damit zusätzliche Projekte möglich machen können.“