Buchschatz des Landes wird restauriert



Einer der größten Buchschätze des Landes sind: Noten. Viele von ihnen sind hunderte Jahre alt – und gezeichnet vom Zahn der Zeit. Mit Hilfe zweier Förderungen können Teile der historischen Musiksammlung nun restauriert werden.
Auf den ersten Blick ist es ein Buch mit Noten, eingefasst in roten Samt. Klappt man den Buchdeckel auf, zeigt sich Alma, eine Oper von Friedrich von Flotow. Und für MV ein besonderes Dokument der Zeitgeschichte. Die deutschsprachige Fassung der Oper wurde am 1. März 1879 in Schwerin uraufgeführt. Im November desselben Jahres überreichte der international erfolgreiche Komponist und ehemalige Intendant des Schweriner Hoftheaters – Friedrich von Flotow – dem regierenden Herzog Friedrich Franz II. dieses rote Buch: einen eigenhändig geschriebenen, prachtvoll ausgestatteten Klavierauszug mit Goldapplikationen und purpurfarbenem Samteinband. Knapp 150 Jahre später haben sich die Buchdeckel vom Buchblock gelöst. Und auch die originale hölzerne Buchkassette braucht eine Reparatur.
Das rote Samtbuch ist ein Beispiel aus der Musiksammlung der Landesbibliothek, das nun mit Hilfe von Fördermitteln restauriert und als Kulturgut erhalten werden kann. Basis dafür sind zwei Förderprojekte.
Rettung für wertvolle Handschriften
Über das erste der beiden Projekte konnten 18 Musikhandschriften und Musikdrucke des 17. bis 19. Jahrhunderts aus der Sammlung des Mecklenburg-Schweriner Fürstenhauses restauriert werden. Innerhalb des historischen Notenbestandes der Landesbibliothek gehören diese Handschriften zu den 200 wertvollsten Einzelstücken.
Unter den Handschriften befinden sich Auftragswerke wie die Hochzeitsmusik von Johann Paul Kunzen zur Vermählung von Friedrich dem Frommen (1746). Oder Friedrich von Flotows Oper „Johann Albrecht“ zur Einweihung des neuen Schweriner Schlosses 1857. Oder seltene Abschriften der „Passions-Cantate“ von Carl Philipp Emanuel Bach. Zum Bestand gehört auch ein autographes Manuskript des Oratoriums „Il Sagrifizio d'Abramo“ von Kaiser Leopold I. Aufgrund von Tintenfraß, Papier- und Einbandschäden seien die Bände bisher nicht oder nur eingeschränkt benutzbar und in ihrer Substanz gefährdet, so das Kulturministerium.
Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) hat diese Restaurierungsmaßnahme mit 11.915 Euro gefördert. Das Kulturministerium beteiligte sich zudem mit 3.100 Euro. Die Restaurierungen sollen im Februar abgeschlossen werden.
Aufwendige Reinigung
Schwerpunkt des zweiten Projekts ist die Reinigung und Verpackung von rund 2.500 Einzelstücken der Musiksammlung. Dabei werden laut Ministerium insgesamt 34 Regalmeter historischer Bibliotheksbestand unter einer mikrobiologischen Werkbank trockengereinigt und, soweit notwendig, entmetallisiert. Die alten Verpackungen werden entfernt, die Musikalien dann in säurefreie, licht- und alterungsbeständige Schutzverpackungen eingebracht. Das Projekt wird über ein Sonderprogramm der KEK gefördert. Die Gesamtmittel dafür betragen 60.000 Euro. Die Hälfte davon finanziert das Land. Auch dieses Projekt soll bis Mitte Februar abgeschlossen sein.
„Die Musiksammlung ist einer der größten Buchschätze unseres Landes“, so Bettina Martin, Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten. Die Restaurierung der historischen Sammlung sei deshalb von großer Bedeutung. Mit dem Einwerben der Bundesmittel sei es der Landesbibliothek gelungen, die landesseitigen Mittel zur Bestandserhaltung erheblich aufzustocken. „Gerade in Zeiten knapper Kassen lohnt sich das Einwerben von Drittmitteln, die wir dann als Land ergänzen und damit zusätzliche Projekte möglich machen können.“
