29.11.2025

My Fair Lady ist in Neustrelitz

Auf einer Bühne stehen mehrere Leute. Eine Frau reicht einem Mann die Hand. Nur die Frau ist von vorn zu sehen.
Laura Scherwitzl spielt Eliza Doolittle. Die Sängerdarstellerin hat in diesem Jahr auch den Neustrelitzer Theaterpreis erhalten.

Die Sprache macht den Menschen, nicht die Herkunft! Davon ist Professor Henry Higgins überzeugt und startet mit Blumenverkäuferin Eliza Doolittle ein Experiment. Für die nächsten Aufführungen in Neustrelitz gibt es nur noch Restkarten. 

Das Stück

„My Fair Lady“ ist ein Musical aus dem Jahr 1956 von Alan Jay Lerner (Texte) und Frederick Loewe (Musik). Die Geschichte spielt im England des frühen 20. Jahrhunderts. Einer Zeit, in der die Zugehörigkeit zur „upper class“ auch durch den Akzent markiert wird, mit dem man Englisch spricht. Im Mittelpunkt stehen Eliza Doolittle, eine Blumenverkäuferin aus der „working class“. Und Professor Henry Higgins: Der Linguist möchte Eliza Doolittle durch Sprech- und Benimmübungen zu einer Dame formen, die als Angehörige der höchsten gesellschaftlichen Kreise durchgehen kann.


Die Ursprünge

Das Musical basiert auf dem Theaterstück „Pygmalion“ von George Bernard Shaw aus dem Jahr 1913. Seine Kritik an den britischen Klassenstrukturen und Eliza als Symbol für weibliche Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung waren zu seiner Zeit bahnbrechend. Uraufgeführt wurde das Stück nicht in England – sondern kurz vor dem ersten Weltkrieg in Wien. Und in deutscher Sprache.


Vom Theater zum Film 

George Bernard Shaw lehnte anfangs sowohl Vertonungen als auch Verfilmungen ab. Er befürchtete, dass diese die gesellschaftskritische Schärfe seines Werks abschwächen würden. 1938 wurde das Stück dann doch erfolgreich – und mit romantischeren Untertönen – verfilmt. Einer der Drehbuchautoren war George Bernard Shaw selbst. Eine weitere Verfilmung aus dem Jahr 1964 gewann acht Oscars, unter anderem in den Kategorien „Bester Film“ und „Beste Ausstattung“.


Das Musical 

Komponist Frederick Loewe und Librettist Alan Jay Lerner versuchten jahrelang, eine Musical-Adaption auf den Weg zu bringen. Aufgrund der komplexen Dialogsprache und dem Fehlen einer konventionellen romantischen Handlung galt der Stoff als „unadaptierbar”. Als Loewe und Lerner jedoch begannen, das Spannungsfeld zwischen Klassensatire und Musical-Romantik auszuschreiten, nahm das Werk Gestalt an. Die Originalproduktion am Broadway wurde sofort zum Hit und gewann sechs Tony Awards. George Bernard Shaw erlebte die Musical-Version nicht mehr mit: Er starb 1950. 


Die Aufführung in Neustrelitz

… steht unter der Regie von Ella Marchment. Die englische Regisseurin gibt damit ihr Debüt am Landestheater Neustrelitz. In Großbritannien lernen die meisten Kinder „My Fair Lady“ in der Grundschule kennen. Für Ella Marchment war das eine ihrer ersten Theatererfahrungen, die sie tief beeindruckt hat. In ihrer Lesart wird das Stück daher auch aus der Perspektive eines Kindes betrachtet und mit kindlicher Fantasie eine Welt geschaffen, die Elizas Geschichte aufnimmt und das Stück in die Gegenwart überträgt, um ein (junges) Publikum von heute mit der Grundbotschaft des Werks zu erreichen.

Für die Aufführung am 12. und 13. Dezember gibt es noch Restkarten. Die Vorstellung am 26. Dezember ist ausverkauft. Weitere Termine sind: 17. Januar 2026, 1. Mai 2026 und 25. Mai 2026. Weitere Infos unter www.tog.de.