Newspectives zeigt Algen mit Kunst


Sichtbar, hörbar und schmeckbar: Mikrobiologin Dr. Marie-Katherin Zühlke und die Künstlerinnen Susanne Gabler und Astrid Brünner erforschen gemeinsam, was im Meer passiert. Im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald läuft noch bis Ende Juni die Ausstellung Newspectives.
Was verbindet eine Mikrobiologin mit zwei bildenden Künstlerinnen? In Greifswald die Frage, wie man Menschen erreicht, die Forschung sonst nicht lesen. Seit 2023 arbeiten Dr. Marie-Katherin Zühlke, Astrid Brünner und Susanne Gabler zusammen. Das Ergebnis ist Newspectives – Marine Ökosysteme im Wandel. Eine Ausstellung aus Malerei, Druck, WordArt und Performance, die biochemische Prozesse im Meer in etwas Erfahrbares übersetzt.
Noch zu sehen bis zum 25. Juni im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg, Martin-Luther-Straße 14 in Greifswald. Der Eintritt ist frei.
Am Donnerstag, 19. Juni, gibt es um 17 Uhr eine Führung der Künstlerinnen und Wissenschaftlerin durch die Ausstellung.
Warum machen Sie das?
Dr. Marie-Katherin Zühlke: Ich möchte die Bedeutung komplexer biochemischer Prozesse, die sich unserem Auge entziehen, sichtbar machen.
Astrid Brünner: Ich fühle mich sehr verbunden mit den Gewässern der Erde, insbesondere mit den Meeren. Weil wir erleben, wie dieses fantastische Ökosystem sich verändert und ein überaus wertvoller Lebensraum zu verschwinden droht, möchte ich die Aufmerksamkeit auf diesen Prozess lenken und mehr Bewusstsein dafür schaffen. Kunst und Wissenschaft können sich hier hervorragend ergänzen.
Susanne Gabler: Kunst ist eine sinnvolle Methode, wissenschaftliche Forschung zu kommunizieren und damit jedem Menschen auf der emotionalen Ebene zugänglich zu machen.


Was möchten Sie bewirken?
Dr. Marie-Katherin Zühlke: Ausgehend von diesen kleinsten Details wünsche ich mir, die Blicke zu weiten für die Schönheit – und gleichzeitig auch die Zerbrechlichkeit – der marinen Ökosysteme.
Astrid Brünner: Nur eine bewusste Beziehung zum Ökosystem Meer, also gewahr zu sein, was es uns bietet und auf welche Weise es uns versorgt, sei es Strandurlaub, Algensalat, Wassersport oder gar eine stabile Wettersituation, schafft Handlungsimpulse, dieses zu schützen. Unsere Arbeiten veranschaulichen unter anderem, welche Ressourcen des Meeres wir bereits nutzen, aber auch welcher Art Veränderungsprozesse sie bereits unterliegen. Mein Anliegen ist es, öffentliche Vermittlungsräume und Austauschmöglichkeiten zu schaffen.
Susanne Gabler: Durch den unmittelbaren Zugang, den die künstlerischen Arbeiten ermöglichen, kann Forschung übersetzt werden. Sie wird fühl- wie erlebbar. Alle können sich mit den Themen verbinden und bereits bestehende Verbindungen entdecken.


Wie sehen Sie das Zusammenspiel von Kunst und Wissenschaft?
Dr. Marie-Katherin Zühlke: Mir gewahr werden: Ich bin Wissenschaftlerin und auch Künstlerin. Und wie das die Sicht auf meine Arbeit und meine Arbeitsweise verändert.
Astrid Brünner: Das bereichsübergreifende Arbeiten erfordert sehr viel Aufmerksamkeit für das andere Fach. Ohne die Bereitschaft des gegenseitigen Kennlernens wäre diese Zusammenarbeit nicht möglich. Die Präsentationsformate, die dabei entstehen, sprechen ein sehr heterogenes Publikum an und laden zum Gespräch oder sogar zum Nachmachen an. Ich lerne sehr viel in der Kooperation, auch wie Herausforderungen gemeinsam gemeistert werden können.
Susanne Gabler: Kunst und Wissenschaft liegen gar nicht so weit auseinander. Ich empfinde mich als Künstlerin gleichsam als Suchende, quasi als Forschende. Ich beobachte die Welt, in der wir leben. Ich nehme Prozesse wahr und suche dann nach einer materialisierten Visualisierung dieser Veränderungen. Das ist meine Sprache, in der ich die Welt wiedergebe, die ich erlebe.

