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Das wahrscheinlich kleinste Museum der Welt

„Ach nö!“ und „Voll langweilig!“: Das sind Satzschnipsel, die Eltern zu hören bekommen, wenn sie ihren Kindern einen Besuch im Museum vorschlagen. Oft ist es die unendliche Abfolge von Sälen mit bilderbehängten Wänden und Glasvitrinen, die Kinder schaudern lässt. Aber was, wenn das Museum nur aus einem einzigen Raum besteht – und der mit 90 x 90 Zentimetern erfreulich klein ist? Oder noch besser – sogar das wahrscheinlich kleinste begehbare Museum der Welt? Dann lauten die Reaktionen schon mal „cool“ und „voll krass“, weiß der Leiter des Schullandheims Dreilützow Stefan Baerens.

Im Park des Gutshauses im westlichen Mecklenburg-Vorpommerns steht seit 2012 das Mini-Museum: eine ausrangierte gelbe Telefonzelle – wie sie in Smartphones Zeiten schon selbst ein Museumsstück ist. Zwei bis drei Besucher passen hinein – zwei, wenn sie groß, mehr, wenn sie klein sind. Zu sehen sind wechselnde Ausstellungen. Gerade sind wieder neue Bilder eingezogen. Der aus Wittenburg stammende Maler Erwin Stahl zeigt einen Teil seiner Werke – einen kleinen, versteht sich. Denn abzüglich der Glastür stehen nur drei Wände als Ausstellungsfläche zur Verfügung. Da ist man oft viel zu schnell durch. Und es entsteht eine gewisse Lust auf mehr.

Dreilützows einstiger Ortsfernsprecher ist die Telefonzelle nicht. Das gelbe Gehäuse kam schon mit der Auflage ins Schullandheim, sozialen und kulturellen Zwecken zu dienen. Warum also nicht als Ausstellungsraum für die Werke von Künstlern aus der Umgebung? Die Malerin Christa Schenk aus dem benachbarten Neustadt-Glewe machte zur Eröffnung den Auftakt, weitere Ausstellungen gestalteten Freiwillige aus dem Kulturbereich. Erwin Stahl, der die aktuelle Ausstellung bestückt, entdeckte mit dem Ruhestand die Malerei für sich.

Es gibt auch Warteschlangen

Geöffnet ist das wahrscheinlich kleinste Museum der Welt wochentags zwischen 9 und 16 Uhr – in dieser Zeit können Interessierte der Schlüssel im Büro des Schullandheims abholen. Wollen mehrere Besucher gleichzeitig in die Ausstellung, gibt es Warteschlangen und die Kinder lernen, dass Kunst begehrt sein kann. Stefan Baerens ist zudem davon überzeugt, dass dem Schritt ins Mini-Museum auch weitere in Häuser folgen könnten, die ein paar Nummern größer sind. Denn Schwellenangst bei der Begegnung mit Kunst gibt es in der Dreilützower Ausstellung nicht. Einen Museumswächter übrigens auch nicht – eines der Kunststücke ist das Vertrauensprinzip zwischen Aussteller und Besuchern. Nur das Telefonieren funktioniert nicht mehr – aber dafür sind hier jetzt andere Formen von Austausch möglich.

Text: Katja Haescher

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