06.08.2026

„Auf das Menschliche kommt es an…“

Ein altes Foto zeigt eine Frau, die malt.
Hedwig Holtz-Sommer in den 40er-Jahren
Ein Gemälde zeigt Bauarbeiter beim Straßenbau.
Aufbau der Stalinallee, 1952
Porträt eines alten Mannes. Er sitzt auf einem Stuhl und hält seinen Stock.
Alter Fischländer, 1935
Porträt einer jungen Frau. Sie sitzt und schaut nach unten.
Porträt der Nichte, 1946

Die Kunsthalle Rostock eröffnet am Donnerstag, 13. August, um 18:30 Uhr die Retrospektive „Hedwig Holtz-Sommer – Auf das Menschliche kommt es an…“. Die Ausstellung ist bis 22. November zu sehen. 

Hedwig Holtz-Sommer (1901–1970) ließ sich 1934 in Wustrow auf dem Fischland nieder und zählt zur dritten Generation der Ahrenshooper Künstlerkolonie. Bekannt wurde sie zunächst mit eindringlichen Porträts. Später entstanden fein nuancierte Landschaftsaquarelle der Region, farbenprächtige Blumenstillleben sowie sensible Darstellungen von Menschengruppen. Eine besondere Stellung innerhalb ihres Œuvres nehmen ihre Zeichnungen und Illustrationen ein, die durch ihre Reduktion  eine außergewöhnliche Klarheit und Ausdruckskraft entfalten. 

Ausstellung zeichnet Lebensweg nach

Mit rund 90 Werken aus den 1920er- bis 1960er-Jahren zeichnet die Ausstellung den Lebensweg einer Künstlerin nach, deren Biografie sich über Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und DDR erstreckt. Dabei versteht die Kunsthalle Rostock Hedwig Holtz-Sommer nicht allein als bedeutende Malerin des Fischlands, sondern als Vertreterin einer Generation von Künstlerinnen, die sich ihren Platz in einer überwiegend männlich geprägten Kunstwelt erarbeiten mussten und deren Werk zugleich Einblicke in die (ost-)deutsche Kunst-, Sozial- und Frauengeschichte des 20. Jahrhunderts eröffnet. 

Porträt als Ausdruck menschlicher Begegnung

Der Rundgang verbindet biografische Stationen mit den zentralen Themen ihres Schaffens. Im Mittelpunkt stehen das Porträt als Ausdruck menschlicher Begegnung, Menschengruppen als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse, die Landschaft des Fischlands als Lebensraum sowie ihr umfangreiches zeichnerisches und illustratives Werk. Ein besonderer Schwerpunkt gilt ihrem künstlerischen Arbeiten in der DDR. Es wird deutlich, wie Hedwig Holtz-Sommer zwischen staatlich geförderten Auftragsarbeiten und ihrem eigenen künstlerischen Anspruch navigierte. 

Notat aus dem Jahr 1958

In einem Notat aus dem Jahr 1958 beschreibt sie ihren inneren Konflikt eindringlich: Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, sei sie auf „Brotarbeit“ angewiesen gewesen, während jene Kunst, die ihrem eigenen Anspruch entsprach, häufig „in einem Geheimfach liegen bleiben“ musste. Dieses Bild wird zum Sinnbild einer Künstlerin, die trotz kulturpolitischer Vorgaben stets den Menschen in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellte. Damit eröffnet die Ausstellung einen Blick auf die Handlungsspielräume einer freischaffenden Künstlerin in der DDR. 

Leihgaben aus Sammlungen und zahlreiche Papierarbeiten

Anlass der Ausstellung sind neue Forschungsergebnisse, die 2025 in einer umfangreichen Biografie veröffentlicht wurden. Sie ermöglichen einen differenzierten Blick auf Leben und Werk der Künstlerin. Neben Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen werden zahlreiche Papierarbeiten aus dem Bestand der Kunsthalle Rostock präsentiert.

Dritte Station einer Reihe von Einzelausstellungen

Die Ausstellung ist die dritte Station einer Reihe von Einzelausstellungen zu Hedwig Holtz-Sommer. Nach einer Werkschau im  Kunstmuseum Ahrenshoop im Jahr 2025 werden in der Galerie im Kloster Ribnitz-Damgarten noch bis 31.12.2026 Arbeiten der Künstlerin aus der Kunstsammlung des Landkreises Vorpommern-Rügen sowie aus Privatbesitz gezeigt. Begleitend zur Ausstellung bietet die Kunsthalle Rostock ein umfangreiches Vermittlungs- und Bildungsprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an.


Kunsthalle Rostock
Hamburger Straße 40, 18069 Rostock
www.kunsthallerostock.de

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr

Eintritt | 6 EUR und 4 EUR ermäßigt