15.10.2026

Wesen im Gehege I: Bitte nicht füttern.

Zwei Männer. Der Eine trägt eine Leiter. Der Andere schaut durch ein Fernglas.

Schüchtern sind sie und am liebsten unter sich. Im Greifswalder „Das Fenster“ hat das Künstlerduo NiMai ein Gehege eingerichtet für einzigartige Wesen. Neugierige können sie noch bis 24. Oktober rund um die Uhr in der Fußgängerzone beobachten.

„Bitte nicht provozieren." Solche Hinweise stehen in Greifswald an der Ecke Lange Straße und Martin-Luther-Straße. Dahinter liegt ein Gehege. Was genau dort lebt, verraten Niklas Washausen und Maik Schrainer nicht. Die beiden Künstler treten als NiMai auf und sprechen von Exemplaren. Wer davorsteht, wird zum Zoobesucher. Sogar einen Pflegehinweis gibt es: Die Haltung der Exemplare sei wenig aufwendig. Und wird eines beschädigt oder ist es defekt, lässt es sich ersetzen. 

Zwei Handschriften, ein Gehege

Hinter NiMai stehen zwei Künstler, die sehr unterschiedlich arbeiten. Niklas Washausen, in Berlin geboren und in Greifswald ausgebildet, ist Multimedia-Künstler zwischen digital und analog. Er arbeitet mit Glitch Art, Installation und Fotografie, experimentiert mit Polaroids und schreibt derzeit an einem „Glitch Toolkit“ für Kunstlehrkräfte. 

Maik Schrainer, gebürtiger Schweriner, studiert seit 2018 Bildende Kunst und Geschichte am Caspar-David-Friedrich-Institut der Universität Greifswald. Er malt figurativ und großformatig, arbeitet auch grafisch und bildhauerisch. Sein Schwerpunkt sind Körper und Haut als Grenze zwischen Innen und Außen.

Der Fehler im System und die Haut als Grenze treffen sich im Gehege. Denn auch ein Gehege ist ein System, in dem jeder seinen Platz hat.

Kunst hinter Glas

Der Ort passt zur Idee. „Das Fenster“ ist ein rund zwölf Meter langer und nur etwa einen Meter tiefer Raum hinter Glas, direkt an der Greifswalder Fußgängerzone. Seit 2020 zeigt die private, nicht kommerzielle Initiative dort in loser Folge Kunst, soziokulturelle Projekte, Konzerte und Performances mit Akteurinnen und Akteuren aus der Stadt. Geöffnet ist immer: Wer vorbeikommt, schaut hinein.