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Jill O'Connor hat das Duchamp-Forschungsstipendium für 2017 ergattert.
26.02.2017

Auf den Spuren Duchamps

Das Duchamp-Forschungszentrum des Staatlichen Museums Schwerin hat eine neue Stipendiatin. Die Wahl fiel auf die US-Amerikanerin Jill O‘Connor. In ihrer Forschungsarbeit geht sie, sehr vereinfacht gesagt, der Frage nach: Wie hängt Duchamps frühes Werk „Das große Glas“ mit seinem letzten und posthum veröffentlichten Werk „Étant donnés“ zusammen?

Ihre Hypothese ist, dass die Installation, an der Marcel Duchamp von 1946 bis 1966 im Verborgenen gearbeitet hatte, das unvollendet gelassene "Große Glas" (1915-1923) fortsetzt. Ein Ansatz, der bislang wenig erforscht wurde – und die Jury überzeugte.

In Schwerin gibt es ein Forschungszentrum zu Duchamp? Ja, seit 2009. Das Staatliche Museum Schwerin besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen des Künstlers in Europa. Als die damalige Museumsdirektorin Kornelia von Berswordt-Wallrabe sie Ende der 90er-Jahre ankaufte, war das so etwas wie eine kleine Sensation. Denn Duchamp selbst hatte zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass seine Werke dem Kunstmarkt entzogen und in die Hände weniger Sammler und Museen gegeben wurden. Kein Wunder also, dass sich immer wieder – vor allem junge Wissenschaftler – für die Schweriner Sammlung interessierten, Werke für Ausstellungen und Konzepte nachfragten. „Wir haben verstanden, dass wir auf Nachwuchsebene viel leisten können“, sagt Zentrumsleiter Dr. Gerhard Graulich. So sei die Idee entstanden, Duchamps Werke nicht nur in die Ferne zu schicken, sondern von hier aus auch die Forschung zu ihm voranzutreiben. Inzwischen habe das Forschungszentrum international große Bedeutung erlangt, so Graulich.

Einmal im Jahr verleihen die Freunde des Staatlichen Museums Schwerin ein Forschungsstipendium. Jill O‘Connor ist die fünfte Stipendiatin. Sie hat sich gegen acht weltweite Mitbewerber durchgesetzt und erhält nun ein Jahr lang monatlich 500 Euro für ihre wissenschaftliche Arbeit. Ihre Theorie, dass die beiden Werke miteinander zusammenhängen, steht. Und wie sieht nun die praktische Arbeit daran aus? „Ich werde mich jetzt erst einmal durch die Fachbücher in der Museumsbibliothek lesen“, sagt Jill O‘Connor. Auch am Philadelphia Museum of Art wolle sie forschen. Dort steht „Das große Glas“ im Original. Und dort befindet sich auch die Installation „Étant donnés“, die man nur durch zwei kleine Löcher in einer alten Tür sehen kann. Anders als beim großen Glas gibt es davon keine Repliken. Ende des Jahres werde sie wieder nach Schwerin kommen und ihre Forschungsergebnisse vorstellen, so O‘Connor.