Takwe Kaenders Emaille-Kunst des Neuanfangs

Takwe Kaenders schweißte in Panama Skulpturen. Heute malt die Bildhauerin mit Emaille. Und baut mit Kunst Raum in Dobbertin ihren nächsten Kunst-Ort. Ihre Arbeiten gehören jetzt zum Landeskunstbesitz.





„Manchmal muss man Sachen zerstören, damit man sie wieder aufbauen kann", sagt sie. Der Satz gilt auch für ihren eigenen Lebensweg. Takwe Kaenders wurde 1963 in Köln geboren und kam über Umwege zur Bildhauerei. Sie machte ihr Fachabitur für Gestaltung, eine Ausbildung zur Erzieherin am Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin und erste Versuche im Wachsausschmelzverfahren und im Bronzeguss bei G. Garollo. Erst 2001 schloss sie ihr Diplom als Bildhauerin für Metall und Email an der Burg Giebichenstein in Halle ab.
Ein Jahr später zog die Künstlerin nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort gründete sie den Verein „Rothener Hof e.V.", der mehr als zwei Jahrzehnte lang ihre Werkstatt-Gemeinschaft wurde und ein Ort, der das kulturelle Leben in der Region maßgeblich mitprägte.
Grün wie die Natur
Takwe Kaenders arbeitet besonders mit Stahl und Kupfer. Das Metall wird getrieben, geformt und geschmiedet. Aber für ihre eigene Bildsprache greift sie auch auf ganz andere Techniken zurück. Sie webt, häkelt und flechtet Formen, die sie aus der Natur abschaut.
Erste Anstöße bekam sie im Studium durch den Fotografen Carl Blossfeldt, dessen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Pflanzen aus den 1920er-Jahren vergrößerte Naturformen in reine Bildsprache übersetzen. Auf die Metalle brennt Kaenders in einem selbst gebauten Ofen Emaille, also Glas aus Pulver, aus groben Glaskörnern (Fritten) oder aus Millefiori. Oft verwendet sie weiße Emaille, weil die auf Kupfer grünlich oxidiert.
Kratzen, neu anfangen
Technisch ist die Emaille-Glasschmelze anspruchsvoll: Sie hält nur auf kohlenstoffarmem Stahl. Takwe Kaenders unterscheidet dabei die klassische Schmuckemaille und die Industrieemaille. „Ich kann damit supergut malen", sagt sie. Und anders als viele andere Techniken erlaubt Emaille eine zweite Chance: Man kann sie herauskratzen und zurücknehmen, noch einmal von vorn beginnen. Zerstören, um wieder aufzubauen.
Eine Haltung haben
Als das Kulturhaus Mestlin ihr 2025 mit „30 Jahre künstlerisches Schaffen" eine eigene Retrospektive widmete, beschrieb man sie als künstlerische Grenzgängerin, die Material und Technik ohne Berührungsängste wechselt. Zu ihren Arbeiten gehören monumentale Stahlskulpturen und filigrane Emaillearbeiten, feine Zeichnungen und raumgreifende Installationen.
2016 entstand mit Schülerinnen und Schülern der Prof.-Franz-Bunke-Schule die Stahlskulptur „Kugel aus Blättern", inspiriert von Blattstudien des Landschaftsmalers Erich Venzmer und heute Mittelpunkt eines Baumkreises in Rothen.
Kunst Raum in der ehemaligen Schule in Dobbertin


Im Jahr 2025 hat Takwe Kaenders mit Kunst Raum in der ehemaligen Schule von Dobbertin ihr bislang jüngstes Vorhaben begonnen. Sie belebt das leerstehende Haus neu für Menschen, die Lust auf Farbe, auf Lachen und geselligem Beisammensein haben.
Takwe Kaenders und ihre Mitstreiterinnen richteten eine Emaillewerkstatt, ein Schmiedefeuer sowie Werkstatträume für Schmuck, Siebdruck und Fahrrad ein. Wer sich selbst ein Bild machen will, findet das Projekt unter www.kunstraum-dobbertin.de.
Atelierbesuche von 2017 bis heute
Die Kunstsammlung des Landes wächst stetig. Seit 1994 kauft MV Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern des Landes für die Nachwelt auf. Eine Kommission aus Experten aller Genres wählt Kunstschaffende aus und besucht sie in ihren Ateliers. Überblick über die Kunstschaffenden...
