10.07.2026

Iris vom Stein: „Ein Augen Blick“

Zwei Frauen stehen vor mehreren Bildern an einer Wand.
Kulturministerin Bettina Martin (l.) und Künstlerin Iris vom Stein vor der Arbeit „Ein Augen Blick” .

Iris vom Stein schafft ein Kunstwerk für die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt Rostock. Ihr Werk „Ein Augen Blick” hängt jetzt in der Dokumentations- und Gedenkstätte als Teil des Landeskunstbesitzes.

Iris vom Stein steht vor ihren Fotos. Sie zeigt auf ein Bild.
Iris vom Stein verbindet in ihrer Serie „Ein Augen Blick” analoge Fotografie mit der Geschichte der DuG Rostock.
Menschen sitzen in Reihen. Vor Ihnen steht ein Bildschirm. Davor stehen 2 Frauen und sprechen.
Kulturministerin Bettina Martin (r.) spricht mit der Künstlerin über ihre Arbeit.
Mehrere Menschen stehen in einem Raum. Links steht eine Frau und spricht.
Iris vom Stein (l.) erzählt, wie intensiv ihre Arbeit in der DuG war – von der Recherche über die Entstehung bis zur Platzierung der Arbeiten.

Rückblick: Im Winter 2024 bewirbt sich Iris vom Stein mit einer Idee für die 35. Landeskunstschau mit dem Titel „Unangebracht” in der Dokumentations- und Gedenkstätte (DuG) Rostock. In der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit wurden von 1960 bis 1989 etwa 4.900 Menschen aus politischen Gründen in schmalen Zellen inhaftiert.

„Die Ideen sind am Ort” 

Im Januar 2025 eröffnet die Kunstschau des Berufsverbandes Bildender Künstler Mecklenburg-Vorpommern. 50 Künstlerinnen und Künstler stellen zeitgenössische Werke aus. Die Kunsthalle Rostock und die DuG sind gemeinsam Ausstellungsorte. Die Kuratorin Tereza de Arruda hat Künstlerinnen und Künstler eingeladen, zu fragen: Was bedeutet Kunstfreiheit? Und wo werden ihre Grenzen überschritten?

Iris vom Stein ist dabei. Ihr Werk „Ein Augen Blick" soll eine Fotografie-Serie werden. „Die Ideen sind am Ort”, sagt sie. Sie geht nicht mit vorgefassten Konzepten an einen Ort heran. Sie lernt ihn kennen. Bei der DuG war sie teilweise ganze Wochenenden allein dort. Sie recherchiert. Sie will analoge Fotografie machen. Seit 30 Jahren hat die Künstlerin nicht damit gearbeitet. Im Untergeschoss richtet sie sich ein provisorisches Fotolabor ein, wo sie analoge Bilder entwickeln kann. 

Camera Obscura statt Vollautomatik

Während alle anderen Künstlerinnen und Künstler der Schau schon aufbauen, entwickelt Iris vom Stein noch. Sie arbeitet mit Camera Obscura, der ältesten fotografischen Technik. In der DuG nutzt sie die Spione in den Zellentüren, durch die Aufseher die Häftlinge damals beobachtet hatten. 

„Der Spion wird zur Kameralinse. Ein Werkzeug der Beobachtung”, sagt sie. Ein dunkler Raum. Ein kleines Loch. Das Licht malt die Wirklichkeit. Im ehemaligen Stasi-Ort, wo alles kontrolliert, überwacht und geplant wurde, arbeitet sie mit dem, was sie nicht kontrollieren kann.

Sie sagt: „Die analoge Fotografie schließt den Zufall mit ein. Anders als die digitale.” Mit dem Zufall des Lichts.

Heute hängt die Arbeit „Ein Augen Blick” dauerhaft im Raum des Gedenkens und Erinnerns der DuG und gehört zum Landeskunstbesitz. Iris vom Stein sagt: „Ich finde stimmig, dass es jetzt hier gezeigt wird.”