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28.04.2022

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Das ist der Thronsaal. Er ist der prunkvollste Raum im Schweriner Schloss. Wer nach der Audienz beim Großherzog den Raum verlassen wollte, musste rückwärts gehen. Weil es unhöflich war, ihm den Rücken und damit den Hintern zuzuwenden. Die Säulen in diesem Raum sind aus echtem Marmor.

Geschichte ist dröge und besteht aus vielen Jahreszahlen? Nicht im Schlossmuseum, findet Ben. Er hat sich Leon, Greta und Schlossgeist Petermännchen aufs Ohr gesetzt und ist in der Zeit zurückgereist, zu den Herzögen und Großherzögen von Schwerin. Eine Zeitreise in zwölf Bildern – die zeigt, dass im Schloss manchmal auch ein bisschen geschummelt wurde. 

Am Donnerstag war auch in MV Boys' und Girls' Day, ein Aktionstag zur Berufsorientierung. Ben, 12 Jahre, hat den Tag bei uns in der Kulturportal-Redaktion verbracht. Sein Recherchetermin: Ein Besuch im Schlossmuseum mit einem Bericht aus Kindersicht. 

Los geht’s! Auf in den Sagenraum. Hier erzählen Bilder an der Wand die Sage von Iwein, einem Ritter der Tafelrunde von König Artus. Iwein rettete einen Löwen vor einem Drachen und hatte nun einen zahmen Löwen zum Freund. Deshalb nannte man Iwein auch den „Löwenritter“.
Das ist das Blücherzimmer. Das ist kein Schreibfehler, denn hier geht es nicht um Bücher, sondern um Blücher. Gebhard Leberecht von Blücher. Er war ein Generalfeldmarschall, der Napoleon besiegt hat. Wenn ihr im Schlossmuseum seid, guckt euch mal die Wände an: Sie sehen aus, als wären sie aus Marmor. In Wirklichkeit ist es polierter und eingefärbter Gips.
Mittags gab es sieben bis zwölf Gerichte. Zum Beispiel Schildkrötensuppe, Kaviar, Entenbraten, Ananasgelee und Eis. Spaghetti mit Tomatensauce kam nie auf den Tisch. Übrigens: Das Gold an den Wänden im Speisezimmer ist kein Gold wie beim Schmuck, sondern dünnes Blattgold.
Jedes Zimmer hat eine andere Farbe. Dieses ist rot. Das war früher die Farbe der Könige. Der Farbstoff stammt von der Purpurschnecke. Die Farbe zu gewinnen, war aufwendig und teuer. Das konnten sich nur reiche und mächtige Menschen leisten.
In der großherzoglichen Familie hatte jeder eine eigene Wohnung im Schloss: der Großherzog, die Großherzogin und die Kinder. Das ist das Wohnzimmer von Großherzogin Auguste. Die Decke sieht aus wie aus Holz geschnitzt, ist aber aus Pappmaché. Die Farbe und das Holzmuster sind nur aufgemalt.
Auch Kinder von Großherzögen müssen lernen. Ihr Schultag begann 6.30 Uhr, dauerte bis Mittag und ging 16 Uhr weiter. Auf dem Stundenplan standen z.B. Mathe, Deutsch, Geschichte, Griechisch, Englisch, Französisch, Latein und Musik. Zur Schule gingen sie nicht: Die Lehrer kamen ins Schloss.
Die Münzen entstanden als Erinnerung an besondere Ereignisse wie Hochzeiten. Bezahlen konnte man mit ihnen nicht. Heute aber schon, denn das Schweriner Schloss ist auch auf manchen Zwei-Euro-Münzen abgebildet.
Im Schloss wohnten viele Jahrhunderte lang Herzöge und Großherzöge. Einer von ihnen war Friedrich Franz II. Er lebte von 1823 bis 1883. In der Ahnengalerie kann man sich seine Vorfahren ansehen. Genauer gesagt: Alle Herzöge von Mecklenburg-Schwerin seit 1348. Das sind ganz schön viele Gemälde.
Das Bild zeigt Großherzogin Alexandrine mit ihren Kindern Friedrich Franz und Luise. Friedrich Franz hält einen Apfel in der Hand, als Symbol für einen Reichsapfel. Es ist ein Hinweis darauf, dass er einmal ein Herrscher sein wird.
Der letzte adlige Schlossherr war Großherzog Friedrich Franz IV. Er lebte hier bis 1918. Heute ist das Schloss aber nicht nur ein Museum: Auch der Landtag hat hier seinen Sitz. Und eine Kirche gibt es auch: die Schlosskirche.
Hereinspaziert. Das Museum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eingang befindet sich am Gartenportal. Wer möchte, kann sich die Geschichten zu den Räumen über einen Kopfhörer erzählen lassen. Es gibt einen Audioguide für Kinder und für Erwachsene.