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Georgien wird Gastland auf Filmkunstfest MV

Er leitet das Festival: Volker Kufahl.

Georgien ist das Gastland des 28. Filmkunstfestes MV (1. bis 6. Mai 2018). Damit solle die reiche Tradition des Filmlandes Georgien hervorgehoben werden, so der Künstlerische Leiter des Festivals, Volker Kufahl. 

Das Land sei auf der vergangenen Berlinale mit gleich drei Filmen vertreten gewesen, sagte Kufahl. „Die aktuellen Produktionen spiegeln die besondere geografische, gesellschaftspolitische und kulturelle Situation des Landes wieder, mit der wir uns auseinandersetzen möchten.“ Mehrfach preisgekrönt sei der Streifen „Die Maisinsel” von George Ovashvili. „Meine glückliche Familie” lief kürzlich in deutschen Programmkinos. Und als Meisterwerk bezeichnete Kufahl den Film „Chant d’Hiver” („Winterlied”) von Otar Iosseliani.

Georgiens Filmgeschichte soll in Schwerin unter anderem mit einer Aufführung von „Tschemi Bebia” („Meine Großmutter”) von Kote Mikaberidse aus dem Jahr 1929 gewürdigt werden. Der Film werde am Flügel von der georgischen Konzertpianistin Dudana Mazmanishvili begleitet. Die experimentelle Satire über Bürokratie und Nepotismus war nach Kufahls Worten der erste in Georgien verbotene Film. Er habe fast 40 Jahre lang nicht gezeigt werden können.

Im September war Kufahl Mitglied der Dokumentarfilmjury beim 12. Inter­nationalen Arthouse Filmfestival in Batumi am Schwarzen Meer. Bei dieser Gelegenheit schloss er eine Vereinbarung mit seinen georgischen Festivalkollegen Giorgi Gogiberidze und Zviad Eliziani. Hauptbestandteil ist die Kooperation der beiden Festivals in Form eines filmkulturellen Austauschs zwischen Deutschland und Georgien. Beim 28. Filmkunstfest MV sollen aktuelle georgische Spielfilme, Dokumentationen und Kurzfilme aufgeführt und georgische Filmschaffende nach Schwerin eingeladen werden.

Ergänzt wird das Filmprogramm durch Rahmenveranstaltungen, unter anderem mit einer Ausstellung des Fotografen und Georgien-Kenners Wolfgang Korall, der das Land als DDR-Bürger bereits seit Ende der 70er Jahre bereiste und sich in Land und Leute verliebte. Auf einer Wanderung durch den Kaukasus stieß Kufahl im Bergdorf Ushguli auf Koralls Fotoband „Swanetien. Abschied von der Zeit“ von 1991. Begeistert von den Aufnahmen nahm er Kontakt zu dem in Berlin lebenden Künstler auf und lud ihn für eine Ausstellung nach Schwerin ein.

Ein weiterer Höhepunkt der georgischen Kulturreihe wird eine Lesung sein, die in Kooperation mit der Buchhandlung Hugendubel stattfindet. Die in Tiflis geborene, mittlerweile in Hamburg lebende Schriftstellerin Nino Haratischwili wird ihren 2014 veröffentlichten Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ vorstellen, für den sie das Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung erhielt. In dem von Kritikern hochgelobten, mit Thomas Manns „Buddenbrooks“ verglichenen Epos erzählt Haratischwili über mehrere Generationen hinweg von georgisch-russischen Frauenschicksalen. Dabei entwirft sie einen opulenten Erzählbogen, dessen historischen Bezüge von Stalins Diktatur bis in die post-sowjetische Ära reichen.