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Der Vater des letzten Kobolds

Stefan Pede ist Vater zweier Töchter - und eines Kobolds. Er ist glücklich verheiratet und glücklicher Comiczeichner. Seit mehr als 15 Jahren zeichnet er professionell für verschiedene Magazine, die Ostsee-Zeitung und seine eigenen Comic-Bücher rund um den letzten Kobold Gabelfuß und seinen gefiederten Freund Luno. Kultur-MV sprach mit dem Wismaraner über seine Leidenschaft zum Zeichnen, seine Helden und seine Rechts-Links-Schwäche.

Wie bist Du zum Zeichnen gekommen?

Stefan Pede: Ich habe eigentlich schon immer gezeichnet – zumindest, seit ich mich erinnern kann. Und das gelang mir schon immer mit Links – im wahrsten Sinne des Wortes. Zu DDR-Zeiten hat man mir versucht, die rechte Hand als Haupthand beizubringen. Aber mit Rechts malen – das ging nicht. Noch heute schreibe ich daher mit Rechts und male mit Links. Vielleicht auch Grund meiner Links-Rechts-Schwäche.

Was hat Dich inspiriert?

Ausschlaggebend war aber wahrscheinlich das Mosaik. Das Sammeln des Heftes hat in meiner Familie Tradition: Mein Opa hat es meinem Vater gekauft, mein Vater hat es meinen beiden Brüdern gekauft. Ich erinnere mich besonders an den Moment, als mein Bruder Martin mich in sein Zimmer geführt hat und zum Regalfach lenkte, von dem ich wusste, dass  dort seine Mosaik-Hefte lagen. Er machte die Tür auf und sagte: „Jetzt bist du dran.“ Ein toller Moment! 

Ich habe dann die Titelbilder nachgemalt und irgendwann versucht, in Anlehnung an die Digedags meine eigene Comicreihe zu zeichnen. Nach der Wende gab es dann an den ersten Kiosken "Micky Maus" und "Fix und Foxi". Ich habe mir sonntags die Nase an den Fensterscheiben platt gedrückt und zwei Monate lang auf ein Heft gespart, nur um dann festzustellen, dass die Hefte einfach nie so toll waren wie das Mosaik. Mein Bruder Martin brachte mir dann den Asterix-Band "Die Trabantenstadt" mit und ich habe ihn immer und immer wieder gelesen. 

Wie bist Du dann Comiczeichner geworden?

Durch meine Verbindung zum Mosaik habe ich mich irgendwann im Jahr 2000 im Comicforum angemeldet und wurde dort als Zeichner für die Fanzines „Mosaike“ (Berlin), Digedon (Berlin) und „Mosax“ (Dresden) angesprochen. Nach ein paar eigenen Stories und der regelmäßigen Teilnahme am Leipziger Comicgarten 2009 bis 2010 sowie meiner inzwischen eigenen Comic-Reihe „Olaf“, die sechs Jahre lang wöchentlich in der Ostseezeitung erschien, wurde ich dann von einem Autoren angesprochen.

Dirk Seliger lebt in Föritz und ist selbst MOSAIK-Fan. Er arbeitete zu diesem Zeitpunkt bereits mit Jan Suski zusammen, einem großartigen Berliner Künstler. Dirk fragte mich, ob „wir nicht mal was zusammen machen wollen.“ Na klar, ich hatte Lust.

Wie bist Du auf Deine Charaktere gestoßen - beschreibe sie mal kurz.

Am Telefon sponnen wir dann eine Geschichte: Ich wollte „etwas fantasy-mäßiges“, dass sich nicht zu ernst nimmt. Als Dirk mich fragte, welche Fabelgestalt mir lieb wäre, sagte ich, dass ich Kobolde interessant finden würde. Und so ging’s los. Seine Ideen packten mich, als ich das erste Mal den Namen des Kobolds hörte: Gabelfuß. Gabelfuß sollte aus dem Nichts in der Neuzeit erwachen, sich an nichts erinnern und seine Familie suchen. Dirk brachte damals noch den Gedanken ein, das Faust ihn verhext hätte – ich war Feuer und Flamme.

Zur Seite stehen sollte ihm eine Figur, die wie so oft in Comics den Sympathie-Part als vorlauter Schnatterer mit frechen Kommentaren übernimmt. Dirk hatte kurz zuvor den Nürnberger Zoo besucht und dort die Vogelart Waldrapp (eine Ibis-Art) entdeckt: „Ein irrsinnig hässliches Vieh“. Wir gaben ihm den Namen Luno und ich machte es mir zur Aufgabe nach eingehender Recherche, diesen Vogel sympathisch und nicht ganz so hässlich wie Original zu zeichnen. Fortan schnattert er Gabelfuß die Ohren zu und ist dabei ein guter Freund. Genau wie bei Dirk und mir.

Tatsächlich spiegeln wir uns beide in den Charakteren und unserer Beziehung zu den beiden auch wieder. Ich liebe Gabelfuß, Dirk seinen Luno. Und er kaut mir am Telefon auch genauso ein Ohr ab wie Luno Gabelfuß.

Wie entstehen Deine Bücher, Stories und Zeichnungen - von der Idee bis zum fertigen Comic?

Zunächst einmal: Ich habe damals meine Geschichten immer selbst geschrieben und festgestellt, dass diese Aufgabeneinheit mir Schwierigkeiten bereitet. Es ist nicht einfach, einen Story-Aufriss mit Seitenaufteilung, Dialogführung und bildlicher Inszenierung aufzubauen und noch einen objektiven Blick auf eine gute, witzige und spannende Geschichte zu behalten. Ich beneide Comicstars, die beides machen können (Szenario + Illustration) – ich kann es nicht.

Dirk nimmt mir einen Großteil dessen, was ich nicht so gerne mache, ab. Er übernimmt nach einer thematischen Grundausrichtung, die wir am Telefon besprechen, die Seitenaufrisse (Bildaufteilung), die Dialoge und gibt konkrete Hinweise zum Bildaufbau.

Das macht es mir deutlich einfacher. Ich lese das alles und kann dann schon in den Modus „Feinschliff“ gehen, habe mehr Zeit für bildliche Gags und Änderungsideen. Ich feile dann an der Perspektive der einzelnen Bilder und habe einfach mehr Zeit für das, was mir wirklich Spaß macht: Das Zeichnen.

Ich mache dann meine Bleistiftzeichnungen in drei Schritten: erst grobes Skizzieren, dann Details und Hintergründe grob festlegen und Bleistiftzeichnungen fertigstellen. Danach scanne ich die Bleistiftzeichnung ein, drucke sie in cyan aus und tusche alles. Farbe kommt am Computer dran.

Mit wem arbeitest Du alles zusammen?

Hauptsächlich mit Dirk Seliger  als Autor und mit meiner Frau Steffi, die nicht nur die Farben übernimmt, sonder auch mein wichtigster Ratgeber ist.

Welches Projekt beschäftigt Dich gerade?

Dirk und ich arbeiten gerade an „Der letzte Kobold 3 – Oha und der Hakelmann“. Parallel erschaffen wir ein paar Kurzgeschichten rund um den Kobold Gabelfuß, um einmal ein Kurzgeschichten-Album zu veröffentlichen. Bisher sind wir bei der Hälfte der Inhalte.

Parallel steht da noch ein Geheimprojekt namens „Somnia“ an, zu dem ich noch nichts Aktuelles verkünden kann.

Wo willst Du mit Deinen Zeichnungen mal hin?

Es kling abgedroschen, aber der Weg ist das Ziel. Ich will immer mit der aktuellen Zeichnung absolut zufrieden sein und eine Steigerung zum Vorgänger haben. Das klappt bisher auch ganz gut – den ersten Kobold kann ich mir heute nicht mehr angucken, ohne das dringende Bedürfnis, alles von vorne zu zeichnen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Meinen Traum, ein eigenes Album mit eigener ISBN zu haben, ist schon in Erfüllung gegangen. Der andere Traum, mit DER Idee um die Ecke zu kommen, die mich zum Star macht habe ich bereits mit 16 Jahren begraben.

Und abschließend: Was macht das mit Dir, wenn Du zeichnest?

Wenn ich in den frühen Morgenstunden wach werde und ans Zeichnen denke, kann ich nicht liegen bleiben. Ich stehe dann auch am Wochenende um 5 Uhr morgens auf und fange an zu zeichnen, genieße die Ruhe und trinke dabei Kaffee. Ich bin fokussiert, konzentriert und brauche im Gegensatz zu früher weder Alkohol noch Musik – einfach nur Ruhe. Und dann fühle ich mich perfekt.

(Interview: Juliane Fuchs)

Das ist Stefan Pede

Am 21. August 1980 in Wismar als dritter Sohn eines Lehrer-Ehepaars geboren. Glücklich sozialisiert als Brillenschlange und zerstreuter Professor. Abitur am Helene-Weigel-Gymnasium. Bundeswehrzeit in Schwerin. Lehre zum Mediengestalter, anschießend Kellner. "Bis ich endlich arbeiten durfte, als Grafiker bei Happy Texx in Grewesmühlen", sagt er. 2007 missmutiger Weggang aus Wismar. Erst Lübeck, dann Hamburg. "Hier habe ich dann sowas wie Karriere gemacht." Aber das Wichtigste kam 2011: "Ich habe meine Frau Steffi geheiratet, dann kamen Amelie und Miriam dazu, zwei Wunschkinder. 2016 haben wir dann beschlossen, in die immer vermisste und geliebte Heimat Wismar zurückzukehren und haben es keine Sekunde bereut."

Das sind seine Helden: Kobolde.

Manch aufgeklärter Geist verbannt sie in das Reich der Mythen und Legenden. Mancher glaubt, sie entstammten einzig und allein der menschlichen Phantasie. Und manch einer behauptet, es hätte sie nie gegeben: Kobolde. Jahrhundertelang hat sie keiner gesehen. Da fällt es leicht, ihre Existenz anzuzweifeln oder gar zu leugnen. Doch was ist, wenn plötzlich einer von ihnen vor der Tür steht? Einer, der keine Ahnung hat, was mit ihm oder den anderen Kobolden geschehen ist? Einer, der um Hilfe bittet bei der Suche nach seinem Volk? Dann gerät die wohlgeordnete Welt gehörig aus den Fugen.