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Ein Museum in 20 Bildern

Humorvoll und hintersinnig - so fand Fritz Reuter mit seinen Büchern Zugang zu vielen Menschen.

Mehr als 70 Straßen und rund 20 Schulen in Mecklenburg-Vorpommern sind nach Fritz Reuter benannt. Kein Wunder, zählt der Schriftsteller doch zu den berühmtesten Persönlichkeiten des Landes. Sein Leben eine Achterbahnfahrt: In jungen Jahren Alkoholsucht, Schlägereien und Gefängnis, dann beginnt er zu schreiben. Seine plattdeutschen Texte haben ihn weit übers Land hinaus bekannt gemacht und wurden sogar ins Japanische übersetzt. Teil 1 unserer Serie über Kunst und Kultur an der Mecklenburgischen Seenplatte: das Fritz-Reuter-Literaturmuseum in Stavenhagen.

Eine Stadt und ihr Dichter: Unübersehbar thront Fritz Reuter am Markt vor dem einstigen Rathaus von Stavenhagen. Dass ihm genau hier ein Denkmal gesetzt wurde, ist kein Zufall. Denn…
… in diesem kleinen Zimmer im Erdgeschoss wurde Reuter am 7. November 1810 geboren. Warum er im Rathaus zur Welt kam? Sein Vater, Georg Johann Jakob Reuter, war Bürgermeister und Stadtrichter. Unten wurde gewohnt, oben gearbeitet.
Heute befindet sich in dem Haus das Fritz-Reuter-Literaturmuseum. Es wurde im Sommer 1949 gegründet. Seitdem wurde die Ausstellung ständig ergänzt und erweitert.
Mit vollständigem Namen heißt der Dichter Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter. Zur Schriftstellerei kam er erst mit 40 Jahren. Zuvor war sein Leben von vielen Tiefen geprägt. Mit einem übermächtigen Vater, Schlägereien, Alkoholproblemen und sieben Jahren im Gefängnis.
In mehr als 30 Stationen bringt das Museum den Besuchern Reuter näher. In diesem Winter soll die Ausstellung stellenweise überarbeitet werden. Geplant sind unter anderem neue Multimediastationen, kündigt Museumsdirektor Marco Zabel an.
Wussten Sie, dass Reuter ein talentierter Zeichner war? Am liebsten wäre er Maler geworden. Sehr zum Missfallen seines Vaters.
Der Sohn beugt sich dem väterlichen Wunsch und beginnt, in Rostock Jura zu studieren. „Lustlos und erfolglos.“ Hier ein Blick auf das Sittenzeugnis der Universität Jena.
Reuter ist knapp 23, als er in Berlin hinter diese Zellentür gesperrt wird. Was war geschehen? Der junge Student hatte sich der radikal-republikanischen Burschenschaft „Germania“ angeschlossen, kämpfte für demokratische Reformen.
Er wird wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und zugleich zu 30 Jahren Festungshaft begnadigt. Insgesamt sitzt er sieben Jahre in verschiedenen Gefängnissen. „Diese Zeit hat ihn physisch und psyschisch gebrochen“, sagt Museumsdirektor Marco Zabel.
Sylvia Kuska
Reuters Verdienst war es, Plattdeutsch von der Mundart zur Literatursprache zu erheben. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Läuschen un Rimels“, „Kein Hüsung“, „Ut de Franzosentid“, „Ut mine Festungstid“, „Ut mine Stromtid“, „Hanne Nüte un de lütte Pudel“, die „Abendteuer des Entspekter Bräsig“ und „Dörchläuchting“.
Im 19. Jahrhundert war Reuter der meist gelesene Autor. Wer seine Bücher lesen wollte, musste Plattdeutsch können. „Eine Übersetzung ins Hochdeutsche hatte er zu Lebzeiten verboten“, sagt Museumsdirektor Marco Zabel. „Bis heute sind vier Millionen Bücher von ihm erschienen.“
Ein Blick auf Reuters Auflagen und Honorare beim Hinstorff-Verlag. Reuter gehörte zu den bestbezahlten Autoren seiner Zeit, sagt Museumsdirektor Marco Zabel. Seine Bücher wurden inzwischen in etliche Sprachen übersetzt. Sogar ins Japanische.
Einige von Reuters Gedichten erschienen auch in der DDR-Kinderzeitschrift Frösi.
Bis zu 15.000 Besucher kommen jährlich ins Museum. Museumsdirektor Zabel: "Reuter und Stavenhagen sind bis heute eine untrennbare Einheit."
„För de Gören“ gibt es im Museum Stationen zum Anfassen und Ausprobieren.
Bitte Platz nehmen. Und dann: Film ab! Im Filmkabinett können sich Besucher Filme zu Reuters Werken ansehen. Zum Beispiel "Kein Hüsung" und "Ut mine Stromtid".
Marco Zabel leitet seit zwei Jahren das Museum. Dieses Reuter-Porträt, so erzählt er, habe einst Großherzog Friedrich Franz II. für die Schweriner Gemäldegalerie in Auftrag gegeben. Als die Landesregierung 1949 Stavenhagen den Beinamen „Reuterstadt“ verlieh, schenkte sie es der Stadt.
Kleine Vokabelkunde...
Wer Fritz Reuter zu Hause besuchen wollte, schaute vorher besser auf die Uhr…

Veranstaltungen

Reuterstädter Literaturtage

Mittwoch, 12. September, 15 Uhr: Mittwochslesung: „De Reis' nah Konstantinopel“, Ort: Fritz-Reuter-Museum

Donnerstag, 13. September, 19 Uhr: „Die Orient-Mission des Leutnant Stern“ - Jakob Hein liest aus seinem neuen Buch, Ort: Fritz-Reuter-Literaturmuseum

Freitag, 14. September, 19 Uhr: "Fesche Lola, brave Liesel“ - Marlene Dietrich und ihre verleugnete Schwester, Revue mit Buchautor Heinrich Thies und Johnny Groffmann (Akkordeon, Klavier und Gesang), Ort: Schloss Stavenhagen, Großer Saal

Samstag, 15. September
9 Uhr: "Tour de Reuter" - Autotour über Ivenack, Thalberg und Altentreptow nach Siedenbollentin, Treffpunkt: Fritz-Reuter-Museum, Anmeldung erwünscht: (039954) 21072

15 Uhr: Kaffeetafel im Gemeindezentrum Siedenbollentin

15.30 Uhr: Schauspieler Friedhelm Ptok liest aus Werken von Fritz Reuter und Theodor Fontane, Ort: Gemeindezentrum Siedenbollentin

Mittwochslesungen
zu „De Reis‘ nach Konstantinopel“: 12. und 26. September, 10. und 24. Oktober, jeweils 15 Uhr; Ort: Fritz-Reuter-Literaturmuseum

Weitere Veranstaltungen

27. Oktober, 17 Uhr: Wie wird mich nach der Sunnen frieren. Venedig im Spiegel berühmter Reisender; musikalisch-literarisches Programm; Ort: Fritz-Reuter-Museum

21. November, 17 Uhr: Mit Schriftstellern unterwegs – Reisenotizen; Ort: Fritz-Reuter-Museum

Am Rande

Jedes Jahr am 7. November, dem Geburtstag von Fritz Reuter, verleihen die Stadt Stavenhagen und das Fritz-Reuter-Museum den Fritz-Reuter-Literaturpreis. Damit werden Autoren geehrt, die sich in besonderer Weise der niederdeutschen Literatur und Sprache widmen.

Fritz-Reuter-Literaturmuseum

Markt 1
17153 Stavenhagen
039954/21072

Öffnungszeiten:

April bis Oktober:
täglich 10 bis 17 Uhr

November bis März:
Di bis So 10 bis 17 Uhr

letzter Einlass:
16.45 Uhr; Führungen nach Vereinbarung

www.fritz-reuter-literaturmuseum.de