Herrndorfs Roadtrip am Theater Vorpommern

Isa ist aus der Klinik geflohen, geht zu Fuß durch die deutsche Provinz, ohne Geld, ohne Plan. Die rätselhafte Figur aus Wolfgang Herrndorfs unvollendetem Roman „Bilder deiner großen Liebe" steht am Theater Vorpommern auf der Bühne in Greifswald, Stralsund und Putbus.
Wer Isa schon einmal getroffen hat, dürfte sie aus „Tschick" kennen, wo sie als flüchtige Begegnung auftaucht – die Müllkippen-Bekanntschaft, die hängenbleibt, ohne dass man weiß, warum. Herrndorf hat ihr später ein eigenes Buch gewidmet, das nie ganz fertig wurde. 2013 nahm er sich im Angesicht seines Hirntumors das Leben, ein Jahr später erschien der Roman als Fragment. Paula Dieckmann spielt diese Isa nun in der Inszenierung von Arnim Beutel, an ihrer Seite: Jan Bernhardt in allen anderen Rollen.
2013 hat Arnim Beutel am Theater Vorpommern bereits „Tschick" inszeniert, damals existierte der Isa-Roman noch nicht. „Umso schöner, jetzt zurückzukehren. Und diesmal sogar mit Isa im Mittelpunkt", sagt der Regisseur. Was ihn an Herrndorf interessiert: die Weigerung, Jugendliche schräg zu zeichnen. Keine witzigen Typen, kein Klamauk. „Wenn man Figuren wirklich ernst nimmt, wird es oft von ganz allein komisch. Nicht, weil jemand einen Witz macht, sondern weil das Leben eben manchmal absurd ist", sagt er.
Es geht um Freiheit, Zugehörigkeit, um das Springen zwischen Außenwelt und Innenwelt. Und um den Anspruch, dass jeder Mensch das Recht auf seine eigene Wahrheit hat.
Darum geht es
„Bilder deiner großen Liebe" erzählt die Geschichte von Isa, einem jugendlichen Mädchen, das aus einer psychiatrischen Einrichtung flieht und zu Fuß durch die deutsche Provinz wandert. Allein, planlos, ohne Geld.
Auf ihrer Wanderung begegnet sie verschiedensten Menschen, hat kurze Episoden mit ihnen, zieht weiter. Dabei springt ihr Erzählen ständig zwischen außen und innen: realer Begegnung und innerem Monolog, Beobachtung und Fantasie. Sie reflektiert über Freiheit, Einsamkeit, Zugehörigkeit und darüber, wer hier eigentlich verrückt ist: sie oder die Welt.
Eine klare Handlung im klassischen Sinn gibt es nicht. Es ist ein innerer Roadtrip, mehr Bewusstseinsstrom als Plot. Am Ende kommt Isa nicht „irgendwo an". Das Buch endet offen, weil Herrndorf es nicht zu Ende schreiben konnte.
Die verbleibenden Termine
Greifswald (Rubenowsaal, Stadthalle)
- Do 21.05., 18 Uhr (ausverkauft)
- Mi 27.05., 18 Uhr (ausverkauft)
- Do 28.05., 10 Uhr
Stralsund (Gustav-Adolf-Saal)
- Sa 23.05., 20 Uhr
- Fr 05.06., 20 Uhr
Theater Putbus
Do 11.06., 19:30 Uhr
Karten an den Theaterkassen und online beim Theater Vorpommern.