27.03.2026

Neue Heimat für 867 Jahre Geschichte

Zwei Personen stehen vor dem Eingang eines Gebäudes mit dem Wappen von Mecklenburg-Vorpommern. Eine Frau und ein Mann halten gemeinsam einen großen Symbolschlüssel mit der Aufschrift „Neubau Depots und Werkstätten, 27. März 2026".
Kulturministerin Bettina Martin und Finanzminister Dr. Heiko Geue vor dem Eingang des neuen Depots. Der symbolische Schlüssel trägt das Datum: 27. März 2026.
Eine geöffnete historische Handschrift liegt in einer türkisfarbenen Schutzbox. Neben dem Buch liegen ein Wachssiegel mit rotem Siegelstoff und Quaste sowie ein silbernes Siegelkapsel-Objekt.
Handgeschrieben und gesichert: Eine historische Verfassungsurkunde aus dem Jahr 1849 besiegelt den Beginn der Demokratiegeschichten im heutigen Mecklenburg-Vorpommern.

Archivdokumente aus dem Jahr 1158, bronzezeitliche Funde, Kunstwerke aus mecklenburgischen Schlössern – bislang lagerten die Kulturgüter des Landes verstreut an Dutzenden Standorten. Seit Freiztag haben sie eine gemeinsame Adresse: das Depot in Schwerin.

Ein überdimensionaler Symbolschlüssel wechselt am Freitag vor dem Eingang in der Johannes-Stelling-Straße die Hände. Finanz- und Digitalisierungsminister Dr. Heiko Geue übergibt ihn an Kulturministerin Bettina Martin. Damit beendet er einen Zustand, der die Kulturpflege in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahrzehnten geprägt hat: Bestände hier, Fachleute dort, Werkzeuge irgendwo anders.

Das neue Depot in Schwerin macht damit Schluss. Auf rund 20.000 Quadratmetern – etwa drei Fußballfelder – vereint der für rund 85 Millionen Euro errichtete Neubau erstmals die wesentlichen Bestände des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege (LAKD) und der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen (SSGK) unter einem Dach. Rund 91.000 Regalmeter stehen zur Verfügung – aneinandergereiht entspricht das der Strecke von Schwerin nach Rostock.

Vom Fundstück zum 3D-Modell

Wer durch das Gebäude geht, versteht schnell: Das hier ist kein klassisches Archiv. Über eine gesicherte Eingangsschleuse mit Lastkran treffen archäologische Funde ein und können im selben Haus direkt gereinigt, vermessen, per Handscanner dreidimensional erfasst und restauriert werden. Eine Röntgenanlage und Kühlzellen für besonders empfindliche Objekte gehören zur Standardausstattung. 

Papierrestauratorin Ulrike Schneider zeigt Grafiken und Zeichnungen aus den Kunstsammlungen, vorsichtig mit Handschuhen bewegt, auf einem langen Tisch ausgebreitet. Einen Raum weiter gibt es aufgeschlagene Archivmappen, historische Urkunden mit Wachssiegeln, handgeschriebene Verfassungstexte in gesicherter Aufbewahrung. Es sind Objekte, die selten so nah beieinanderliegen.

Landesgeschichte endlich an einem Ort

Das Landesarchiv führt hier die schriftliche Überlieferung des Landes von 1158 bis 2025 zusammen: Flurbücher, Amtsakten, Urkunden. Was Jahrhunderte getrennt lagerte, rückt nun zusammen. Für externe Forscherinnen und Forscher gibt es einen eigenen Vorlageraum: halböffentlich, zugänglich, nutzbar. Nur das Historische Archiv Pommern verbleibt im vorpommerschen Landesteil.

„Dieses neue Archivgebäude ist eine moderne Schatztruhe für die kulturelle Identität unseres Landes", sagt Kulturministerin Bettina Martin. „Forschungsgeräte, Bestände, Werkstätten und alle Mitarbeitenden unter einem Dach zu haben, wird ein viel besseres Arbeiten und auch intensivere Forschung ermöglichen." Für das LAKD und die SSGK sei das, so Martin, eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zustand.

Der Umzug läuft bereits seit Oktober 2025 und wird etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen. Bislang angemietete Ausweichstandorte wie Schloss Wiligrad und Schwerin Süd werden schrittweise aufgegeben.

Gebaut für die Zukunft – und für die Region

Der Neubau übererfüllt aktuelle Energiestandards deutlich: Photovoltaik, Fernwärme, begrünte Dachflächen und Wärmerückgewinnung sollen jährlich rund 225 Tonnen CO₂ einsparen. Von 99 beteiligten Handwerksbetrieben kamen 64 aus Mecklenburg-Vorpommern. 65 Prozent der Gewerke blieben im Land.

„Dieses Gebäude ist weit mehr als ein klassisches Depot", sagt Minister Geue. Es vereint, was selten zusammenpasst: maximale Sicherheit für empfindliche Kulturgüter und eine offene, funktionale Arbeitsumgebung für die Menschen, die sie pflegen. 

Drei Personen stehen in einem hellen Arbeitsraum vor einem Tisch. Eine Frau hält einen weißen 3D-Handscanner auf ein dunkles Tongefäß. Im Hintergrund ein großformatiges Foto eines bronzezeitlichen Kesselwagens.
3D-Dokumentation direkt vor Ort: Mit einem Handscanner erfasst Kulturministerin Bettina Martin ein historisches Gefäß. Dieser Arbeitsschritt ist nun erstmals direkt am Lagerort möglich.
Ein 3D-Scanner ist auf einem Stativ montiert und auf einen Drehteller gerichtet, auf dem gestapelte runde Objekte liegen. Der Raum ist dunkel, der Scanner und die Objekte sind hell beleuchtet.
Millimetergenau: Ein 3D-Scanner erfasst Medaillen auf dem Drehteller. Das Depot ist mit moderner Messtechnik für die digitale Dokumentation ausgestattet.
Auf einem hellgrauen Tisch liegt eine geöffnete Archivbox mit säurefreiem Verpackungsmaterial. Davor zwei Lagen historischer Dokumente, darunter ein altes Flurbuch mit der Aufschrift „Acten".
Säurefrei verpackt: Historische Flurbücher und Akten warten auf ihre Einordnung in das neue Zentralarchiv.
Eine Gruppe von etwa fünfzehn Personen steht in einem hellen Raum um einen langen Tisch. Auf dem Tisch sind zahlreiche grafische Arbeiten, Druckgrafiken und Zeichnungen ausgebreitet. Zwei Personen halten Fotokameras.
Druckgrafiken und Zeichnungen aus den Kunstsammlungen ausgebreitet auf dem Tisch des neuen Vorlageraums, der künftig auch externen Forschenden offensteht.
Drei Personen beugen sich über einen Tisch und betrachten historische Dokumente in einer geöffneten Archivmappe. Zwei Personen tragen weiße Baumwollhandschuhe.
Mit Sorgfalt und Baumwollhandschuhen: Mitarbeitende zeigen Kulturministerin Martin und Finanzminister Geue historische Bestände aus dem Landesarchiv. Hier die Landesverfassung aus dem Jahr 1993.
Eine Frau mit grauem Haar, orangefarbenem Schal und blauen Schutzhandschuhen beugt sich über einen Tisch und bewegt grafische Arbeiten. Im Hintergrund beobachten zwei weitere Personen die Szene. Auf dem Tisch liegen mehrere Druckgrafiken und Zeichnungen.
Papierrestauratorin Ulrike Schneider zeigt Grafiken und Zeichnungen aus den Kunstsammlungen. Objekte, die bislang dezentral lagerten und nun zentral zugänglich werden.