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"Zero" nennt Hildegard Mann ihre Installation. Die sohlenlosen Schuhe bieten in der Nikolaikirche viel Raum für eigene Interpretationen.

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Los geht's

05.08.2017

Schau mal, Kunst!

Julia Kauschs "Träger" steht sinnbildlich für Zerstörung von Kulturgütern. Der Bronzeguss wird in der Nikolaikirche gezeigt.
Klaus-Dieter Steinbergs "Kreuzwege" setzen sich illustrativ und karikierend mit den Wertevorstellungen der Kirche und ihrer Wirkung auseinander. Zu sehen sind sie in der Nikolaikirche.
05.08.2017

Der Mönch tanzt. Die Seligen schlafen. Hinterm „Taschenbibelmonolog“ ist gleich „Land in Sicht“. Die „Poesie der Präsenz“ erzählt ihre Geschichte. Und die „Re-Formation“ hat auch Platz genommen. Wo? In der Kunstschau des Künstlerbunds MV.

Darum geht es

Der Künstlerbund Mecklenburg und Vorpommern hat in diesem Jahr den Schwerpunkt auf die Reformation und ihr 500-jähriges Jubiläum gelegt. In ihren Werken setzen sich die Künstler mit Glaubens- und Umweltfragen, politischen Ikonen und mit der Interpretation der Geschlechterrollen auseinander. Ihre Gedanken dazu drücken sie in Bildern, Grafiken, Skulpturen, Fotos und Video-Installationen aus – allegorisch, symbolisch, spielerisch, ironisch und satirisch zugespitzt. Die meisten Objekte wurden extra für die Ausstellung gefertigt. Sie trägt diesmal den Titel „formare“, was so viel bedeutet wie gestalten, bilden, formen und schöpfen.

Von A bis Z: Diese Künstler machen mit

Beworben hatten sich 64 Künstler, eine Jury wählte diese 52 aus: Sylvester Antony, Knut Bartsch, Monika Bertermann, Lena Biesalski, Caroline von Bodecker, Christine de Boom, Reinhard Buch, Broder Burow, Sylvia Dallmann, Jürgen Diestel, Sven Armin Domann, Christian Egelhaaf, Sabine Egelhaaf, Martin Feistauer, Ute Gallmeister, Robert Günther, Jorinde Gustavs, Wilko Hänsch, Michael Herloff, Christoph Horstmann, Herbert W. H. Hundrich, Günter Kaden, Julia Kausch, Cornelia Kestner, Bernd Kommnick, Josef A. Kutschera, Annette Leyener, Hildegard Mann, Daniela Melzig, Britta Naumann, Monika Ortmann, Susanne Pfeiffer, Maria Raeuber, Thomas Reich, Bernadette Maria Roolf, Uta Ruppert, Dietmar Schramm, Renate U. Schürmeyer, Helmut Senf, Lucia Schoop, Ramona Seyfarth, Klaus-Dieter Steinberg, Annette Stüsser-Simpson, Wolfram Sulek, Iris Vitzthum, Andre van Uehm, Thomas Wageringel, Henry Walinda, Rolf Wicker, Christin Wilcken, Regina Zacharski, Ruzica Zajec.

Eine Ausstellung, vier Orte

Nikolaikirche, Petrikirche, Zentrum Kirchlicher Dienste, Kunstverein Rostock – über diese vier fußläufig erreichbaren Orte in der Rostocker Altstadt erstreckt sich die Landeskunstschau. Eine große kuratorische Herausforderung für Kunsthistorikerin Petra Schröck. Denn die Kirchen und das Zentrum Kirchlicher Dienste sind „keine musealen Schutzzonen, sondern Gebrauchsräume“ und werden das auch während der Ausstellung bleiben.

Sechs-Tage-Woche zum Gucken

Die Ausstellung kann dienstags bis sonntags in der von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Termine, Termine, Termine

Die Landeskunstschau ist bis zum 3. September 2017 zu sehen und wird von einem vielseitigen Programm begleitet:

Workshops
12. August, 15 bis 18 Uhr: Zeichen setzen. Zentrum Kirchlicher Dienste, Alter Markt 19, Rostock
19. August, 15 bis 18 Uhr: Ein Denkmal setzen. Petrikirche, Slüterdenkmal, Alter Markt
26. August, 15 bis 18 Uhr: Farben setzen. Fußgängerzone vor dem Brunnen der Lebensfreude

Podiumsdiskussion
17. August, 18 Uhr: Interreligiöse Podiumsdiskussion „Weder gut noch böse“, Zentrum Kirchlicher Dienste, Alter Markt 19, Rostock

Kuratorenführung
20. August, 14 Uhr: Nikolaikirche, Rostock

Finissage
3. September, 15 Uhr, Nikolaikirche

Der tanzende Mönch von Günter Kaden soll den jungen Martin Luther darstellen. Warum er sich so freut? Vielleicht über seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg? Oder weil er in Katharina von Bora verliebt ist? Darüber können Besucher in der Petrikirche sinnieren.
"Hi Martin, congratulations to your reformation!": Sylvester Anthony nimmt Luthers Frauenbild aufs Korn. In seinem Fotoprint spielt er auf die Nonnen an, die 1523 aus dem Kloster Nimbschen nach Wittenberg geflohen waren und fortan als Mönchshuren galten.
Daniela Melzig stellt die Handschrift und Luthers Schriften und Aphorismen in den Mittelpunkt ihres Fensterfoliendrucks "Dogmen". Zu sehen sind sie im Zentrum Kirchlicher Dienste.
"Ziel der Ausstellung ist es, an allen vier Orten dieser 27. Landesschau über die Kunstwerke sowohl eine Irritation als auch ein Innehalten sowie belebende Gespräche über die Sinnhaftigkeit des Reformationsgedanken zu ermöglichen", schreibt Kuratorin Petra Schröck im Ausstellungskatalog.
Britta Naumanns stellt mit ihrem "Stillleben" die Frage nach dem Wohin und was bleibt. Ihre Arbeit ist steht im Kunstverein zu Rostock.
Regina Zacharski wählte für ihre zweiteilige Arbeit das Kreuz als Symbol der Christenheit und stellte darin "Gottes Tochter" in den Mittelpunkt - "denn Gottes Tochter litt und leidet genauso schmerzvoll wie Gottes Sohn am Kreuz", so die Künstlerin. Ihre digitale Plastik auf Leinwand hängt in der Petrikirche.
Das farbintensive Aquarell unter dem Kirchenfenster ist Teil der "Poesie der Präsenz III"von Herbert W. H. Hundrich, einer zweiteiligen Rauminstallation im Mittelschiff der Nikolaikirche.
Knut Bartsch greift in seinem zweiteiligen Bild "Ex Voto"den Votivbildgedanken. Votivbilder sind Weihgeschenke als Bitt- oder Dankopfer. Sie wurden oft mit dem handschriftlichen Hinweis "ex voto" ("wegen eines Gelübdes") versehen.
"Ausgebrannt" heißt die Rauminstallation von Monika Ortmann, in der Hunderte ausgebrannte Votivkerzen in einem Netz aus zerrissenen christlichen Schriften hängen. Anschauen kann man sie sich im Nordschiff der Petrikirche.