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Elvis Ducksley ist eines von 65 Kunstwerken, die bei der Duckomenta in Schwerin hängen. Die Künstler beschreiben ihr Projekt als "Concept Art”, vermischt mit Anteilen der “Pop Art”. "Die Silbe “DUCK” kommt von “Ente”, der Buchstabe “O” von “Staunen”, die Silbe “MENTA” verweist auf “Dokumente”, auf real vorliegende Beweisstücke", sagen sie.
08.02.2018

Schnabelhaft!

08.02.2018

Was war zuerst da: die Ente oder das Ei? Für Karl Ducks ist das eine Frage des Dialektischen Duckialismus. Denn: „Es geht ein Gespenst um die Welt: der Erpel.“ Martinas Lachen weckt neugierige Blicke aus der Umkleide. „Eigentlich wollten wir nur ein bisschen Bummeln gehen.“ Hosen, Jacken, Schnäppchen sind nun aber Nebensache. Jetzt guckt sie erst mal mit Freundin Martha Kunst im Kaufhaus: Kulturgeschichte aus der Entenperspektive.

Es ist Tag eins einer ungewöhnlichen Ausstellung. Einer Ausstellung, in denen großen Meistern der Kunst und Zeitgeschichte Schnäbel gewachsen sind. „Duckomenta“ prangt groß auf dem Plakat, das als vitruvianische Ente – da Vincis Mann mit ausgestreckten Extremitäten gleich – zwei Stockwerke tief von der Decke hängt.

Hinter der humorvollen Umdeutung der Weltgeschichte steht die Berliner Künstlergruppe „interDuck“. Was in den 1980er-Jahren mit einer Übung in einem kulturkritischen Seminar an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig beginnt, hat inzwischen Fans in ganz Europa. Die Studenten von einst und ihr Professor bilden noch heute den harten Kern der Truppe: Anke Doepner, Ommo Wille, Rüdiger Stanko, Prof. Volker Schönwart und der damalige Seminarleiter Prof. Dr. Eckhart Bauer.

Mit ihren Bildern haben sie (sich) ein Paralleluniversum geschaffen. Kulturgeschichte aus der Entenperspektive. Aus der Welt der Anatiden, einer menschenähnlichen Entensippe.

Ihre Bilder sind keine Computeranimationen. Sie entstehen von Hand. Nach altmeisterlicher Technik. Detailgetreu. Und streng nach dem Vorbild der Originale. Inzwischen zählt das Entenuniversum 500 Exponate.

Der Großherzog war ein Erpel

Für jede Region, in der sie ausstellen, schaffen die Künstler ein eigenes, unverkennbares Motiv. Für die Ausstellung in Schwerin ist Großherzog Friedrich Franz II. ein Schnabel gewachsen. Weil das aber für ein Paralleluniversum sehr profan klingt, erzählen die Macher der Ausstellung die Geschichte so: Das Bild wurde nach seiner Entstehung um 1858 unter Verschluss gehalten. Erst vor einem Jahr tauchte es bei Renovierungsarbeiten in einer Truhe im Schlosskeller wieder auf. Zusammen mit einem bemalten Porzellanteller, der ebenfalls beweist: Der Großherzog war ein Erpel.

Da hängt er nun, am Treppenaufgang zum ersten Stock. Hat sich das Auge erst einmal an das Gewimmel aus Jacken, Hosen, Hemden und Schals gewöhnt, watscheln dazwischen immer mehr Enten in den Blick. Mona Duck, Königin Duckfretete, Che Duckevara, Albert Duckstein, Elvis Duckslay, Kaiserin Sissi, Mozart, Luther. Kommen Sie ruhig näher, sagt die Verkäuferin. Hinter die Kassentheke? Klar! Insgesamt haben die Künstler 65 Kunstwerke zu Kressmann bringen lassen. Wie man auf die Idee kommt, Bilder, die normalerweise in Museen und Kunsthallen gezeigt werden, in ein Kaufhaus zu hängen? Das Modehaus hatte angefragt – und die Künstlergruppe nichts dagegen.

„Das ist doch mal eine witzige Idee“, findet Martina. „Ich habe jedenfalls selten beim Einkaufen so viel gelacht.“

Mit Gemälden wie "Mona Duck" haben die Künstler europaweit schon mehr als zwei Millionen Menschen begeistert.
Großherzog Friedrich Franz II. hat Maler Volker Schönwart extra für die Schweriner Ausstellung einen Schnabel wachsen lassen.
Mit der Erpelrevolution 1917 werden die Thesen von Karl Ducks laut Entenuniversum zur herrschenden Theorie.
Im Bildtext zu Marta Mortensen heißt es: "In den 40er Jahren verwendet Marta Mortenson dieses Motiv für ihr Setcard. Diese Szene wird später in einem anderen Film imitiert."
Die Begleittexte erklären Zeitgeschichte mit einem Augenzwinkern.
Für Albert Duckstein gilt: E=nte zum Quadrat.
Volker Schönwart ist einer der kreativen Köpfe hinter der Duckomenta. Aus seinem Pinsel stammt auch Großherzog Friedrich Franz II. mit Schnabel.

Am Rande

Die Ausstellung „Schnabelhaft – Duckomenta 2018“ ist noch bis zum 7. Mai bei Kressmann zu sehen. Immer montags bis samstags, von 9.30 Uhr bis 20 Uhr. Im Herbst wird die Ausstellung noch einmal nach Mecklenburg-Vorpommern kommen. Am 20. Oktober watschelt sie ins Schifffahrtsmuseum nach Rostock.

Kunst trifft Mode - bis zum 7. Mai bei Kressmann in der Schweriner Marienplatzgalerie.