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Bertha Gerresheims gezeichnete Pflanzenwelt

Bertha Gerresheim, Narzissen, nach 1892, Wasserfarben, 24 mal 15,5 Zentimeter

Sie studierte die Pflanzenwelt. Mit Wasserfarben betrieb sie ein intensives zeichnerisches Naturstudium. Bertha Gerresheims (1846-1916) profundes Wissen über die Pflanzen sicherte ihr Überleben und das ihrer Schwester Anna (1852-1921). Beide gehörten zur Gründergeneration der Künstlerkolonie Ahrenshoop. Das Fischlandhaus Wustrow zeigt von 14. April bis 10. Juni Arbeiten von Bertha Gerresheim.

Aus heutiger Perspektive zeigen sich ihre Pflanzenstudien als ästhetisch überaus reizvolle Dokumente einer intensiven Zugewandtheit zur natürlichen Erscheinungswelt, aus der nicht zuletzt auch der universelle Bildungsanspruch der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert spricht. Den Arbeiten Berthas sind neben alten Fotoaufnahmen von Haus und Garten in Ahrenshoop auch drei Gemälde von Anna beigesellt –  darunter ein Porträt der Schwester Bertha.

Erbauerin des Künstlerhauses Ahrenshoop

Die mittlere der drei Gerresheim-Schwestern erbaute 1892 das Künstlerhaus in Ahrenshoop, wo sie mit der bekannteren Anna bis zu ihrem Tod lebte. Der Anstoß für den Bau des Hauses in der Dorfstraße 20, das heute leider nicht mehr steht, war von Anna gekommen. Bertha sorgte dafür, dass der Plan ausgeführt werden konnte.

Sie war von Beruf Erzieherin und in jüngeren Jahren weit herumgekommen, u. a. hatte sie in England unterrichtet. Ihre Berufstätigkeit hatte ihr ermöglicht, die Mittel für den Bau eines eigenen Hauses zu ersparen – im Unterschied zu der Malerin Anna Gerresheim, die ihre künstlerisch stärkere Begabung rückhaltlos auslebte, ohne dabei wirtschaftlich erfolgreich zu sein. 

Zeichenunterricht sicherte den Lebensunterhalt

Das Zusammenleben der beiden Schwestern in Ahrenshoop gestaltete sich keineswegs idyllisch. Sie ernährten sich von Gemüse aus dem eigenen Garten und verdienten sich mit Zeichenunterricht etwas zum Lebensunterhalt dazu. Beide waren sehr naturverbunden, und besonders Bertha besaß ein profundes Wissen über Pflanzen, das ihr bei der Bestellung des Gartens zugutekam.

Ihr Interesse galt der Pflanzenwelt ihrer Lebensumgebung. Im Nachlass der Familie Gerresheim haben sich mehr als 50 zumeist mit Wasserfarben gemalte Blätter erhalten, auf denen blühende Blumen und Zweige in der Art eines Herbariums mit großer Genauigkeit dargestellt sind. Bertha verfolgte mit diesen Darstellungen keinen künstlerischen Anspruch. Sie dienten vielmehr ihrer eigenen Schulung ˗ dazu, ihre Beobachtungsgabe und Unterscheidungsfähigkeit im Umgang mit der Natur weiter auszuprägen. Vielleicht hat Bertha die Blätter auch beim Unterrichten eingesetzt.

Fischlandhaus Wustrow
Neue Straße 38
18347 Ostseebad Wustrow

Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag 10 bis 12 Uhr, 14 bis 18 Uhr
Donnerstag 10 bis 12 Uhr, 14 bis 18 Uhr
Freitag bis Sonntag und an Feiertagen 11 bis 16 Uhr