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Sonderausstellung in Barlachs Atelierhaus

Atelier Ernst Barlachs (Detail), um 1931

90 Jahre Atelierhaus. Anlässlich des Jubiläums widmen die Ernst Barlach Museen Güstrow ihrem Ausstellungshaus eine Sonderausstellung, die bis 20.2. zu sehen ist.

Vertreten vom Galeristen Paul Cassirer (1871-1926) erlangte Barlach in den 1910er und 1920er Jahren internationale Bekanntheit und war in Berliner Künstlerkreisen bestens vernetzt. „Wenngleich Ernst Barlach der Errichtung eines Atelierhauses skeptisch gegenüberstand, ist das Bauwerk von unschätzbarem Wert für die vielfältige Kunst-, Kultur- und Denkmallandschaft Mecklenburg-Vorpommerns“, sagte die Landeskonservatorin des Landesamtes für Kultur und Denkmalmalpflege, Dr. Ramona Dornbusch, bei der Eröffnung der Sonderausstellung am Sonntag.

Stadtnah am Ufer des Inselsees gelegen, greift die Architektur das fruchtbare Wechselspiel von Kunst, Natur und baulicher Form auf. Für die Realisierung seines Wohn- und Atelierhauses verpflichtete Ernst Barlach den Güstrower Architekten Adolf Kegebein (1894-1987). In seiner Architektursprache bevorzugte Kegebein einen regionalen, traditionellen Baustil, den er unter den Einflüssen des Neuen Bauens zu einer moderaten Moderne kombinierte. „Kegebein nahm anhand seiner Entwürfe entscheidenden Einfluss auf das Güstrower Stadtbild der 1920er und 1930er Jahre“, betont die u.a. mit dem Kegebein Nachlass betraute Kunsthistorikerin des Stadtmuseums Güstrow, Iris Brüdgam. Die Planung des Gebäudekomplexes, der aus einem Wohn- und Atelierbereich bestand, überließ der Künstler überwiegend dem Architekten sowie seinem Privatsekretär und Kunsthändler Bernhard Böhmer (1892-1945). Entscheidenden Einfluss nahm Barlach lediglich bei der Gestaltung der Atelierräume. „Erhaltene Entwurfsskizzen dokumentieren eindrucksvoll die Passion, mit der Barlach die idealen Lichtverhältnisse in seinen Atelierräumen sicherstellen wollte“, so die Kuratorin und Geschäftsführerin der Ernst Barlach Stiftung, Dr. Magdalena Schulz-Ohm.

Ab 1978 wurde das Atelierhaus der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht. Seine ursprüngliche Funktion ist dabei sicht- und fühlbar geblieben. Dieser Anspruch bildet auch die Grundlage für die angestrebte Neugestaltung der Dauerausstellung zu Leben und Werk Ernst Barlachs im Atelierhaus. Erstmals werden im Rahmen der Sonderausstellung Entwürfe präsentiert, die im Zuge der Kooperation mit der Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar entstanden. „Durch die Zusammenarbeit mit den Studierenden soll eine zeitgemäße Ausstellungsgestaltung entstehen, die Besucherinnen und Besucher aller Generationen für Barlachs Schaffen begeistert“, unterstreicht Prof. Achim Hack das Anliegen der Kooperation mit der Ernst Barlach Stiftung. Die Ideen der Studierenden wurden mit Unterstützung eines Gestalterbüros angepasst. Das finale Ergebnis kann nach Abschluss der derzeit laufenden Sanierungsarbeiten im Atelierhaus im kommenden Frühjahr besichtigt werden. Bis dahin bleibt die Dauerausstellung des Atelierhaus geschlossen.

Von der Erbauung bis in die Zukunft spürt die umfangreiche Ausstellung anhand bislang ungesehener Zeitdokumente dem Zusammenspiel von Raum und Funktion nach und gewährt ebenfalls Einblick in das Lebensumfeld Ernst Barlachs.

Begleitprogramm

Kuratorinführung und Besichtigung der Baustelle im Atelierhaus

5.12.2021 (parallel mit Kinderatelier) | 2.1.2022 jeweils um 15 Uhr | Heidberg 15

Workshop: Die Kunst der Perspektive. Geheimnisse der Architekturfotografie 23.01.2022 | 10-15 Uhr | Heidberg 15