Das offizielle Kulturportal für Mecklenburg-Vorpommern
Karte öffnen

13.04.2019 - 13.10.2019

"In alter Freundschaft..." Gustav Seitz und Otto Niemeyer-Holstein, Plastik und Malerei

Zu den frühen und langjährigen Künstlerfreunden Otto Niemeyer-Holsteins (1896-1984) zählte der Bildhauer und Zeichner Gustav Seitz (1906-1969).

„Gustav Seitz prägte bis 1957/58 die frühe Bild-hauerkunst der DDR mit einer großen Anzahl psychologisch durchdrungener Porträts (B. Brecht, Prof. R. Hamann u.a.), figurativer Plastiken, darunter eine Vielzahl weiblicher Akte, und kleiner, intimer Denkmalplastiken (K.-Kollwitz-Denkmal Berlin, 1956-58, 1960 aufgestellt) 1. Waren die frühen figürlichen Plastiken noch nahe an der realen Körperlichkeit orientiert, so wandelte sich im späten Schaffen die Körperauffassung, die Figuren wurden elementarer und ursprünglicher. 1 Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Bd.6. Leipzig 1994. Eintrag Seitz, Gustav, S.591f. 1956-58 Arbeit am Kollwitz-Denkmal.“ Bernfried Lichtnau in Kunstwerke der Freunde im Nachlaß Otto Niemeyer-Holsteins, Lüttenort 2018

Mit den Worten „In alter Freundschaft“, „in kollegialer Verbundenheit“ und „in Verehrung“ widmete Gustav Seitz zahlreiche Kataloge, Bücher und Faltblätter für seinen Freund Otto Niemeyer-Holstein, oft waren auch die Frauen Luise Seitz und Annelise Niemeyer in die Grußbotschaften einbezogen. Niemeyer-Holstein seinerseits ergänzte die Publikationen über Seitz aus den Jahren 1956 bis 1971 mit Zeitungsartikeln, z. B. einem Reisebericht von Seitz über seine Frankreichreise 1952, welcher in der Wochenzeitschrift „Sonntag“ erschienen war. Der Reisebericht schildert den Aufenthalt in Paris, die Begegnung von Seitz mit Picasso und die Reise nach Südfrankreich.

Erhalten geblieben ist auch ein Brief von Gustav Seitz von einer späteren Reise nach Paris, der Niemeyer-Holstein zu seinem 65. Geburtstag erreichte. Darin schwärmte Seitz von den Ausstellungen mit Bildern von Corot, Pissarro, Utrillo und  Bonnard und verglich diese in Gedanken mit den allerschönsten Bildern von Niemeyer-Holstein und stellte fest, „daß sie alle alles das haben, was ich an Paris und den geliebten Pariser Malern bewundere, den Duft einer zarten Seele, die Liebe des leidenschaftlichen Menschen, die Erfahrung eines arbeitsreichen, langen Lebens, den Geist des begnadeten Künstlers.“ Seitz schließt den Brief mit den Worten: „Und das wünsche ich auch Dir, lieber Nino, daß Du nie aufhören mögest, anzufangen. Mit Deinem schönen Œuvre im Hintergrund mögest Du Dir Deine Frische bewahren und mögest Du aus Deiner kleinen Welt in Lüttenort und aus der großen Welt von Meer und Himmel uns wieder und wieder beglücken mit neuen Landschaften, Blumensträußen und seelenvollen Bildnissen.“

Achim Roscher weiß in seinem Buch „Otto Niemeyer-Holstein Lebensbild mit Landschaft und Figuren“ folgendes über die Freundschaft zwischen Niemeyer-Holstein und Seitz zu berichten: „Zu den alten Freunden aus den dreißiger und vierziger Jahren zählten neben Waldemar Grzimek und Fritz Cremer vor allem Gustav Seitz, den er trotz eines gegenseitig kritischen Verhältnisses in ästhetischen Fragen besonders schätzte. Der Rauswurf des Künstlers aus seinem Lehramt an der Westberliner Hochschule für Bildende Künste im Frühjahr 1950 wegen Annahme der Gründungsmitgliedschaft bei der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin und wegen seines öffentlichen Eintretens für die Verteidigung der deutschen Einheit bestürzte Niemeyer-Holstein ebenso wie die Verunglimpfung des Bildhauers zwei Jahre später durch DDR-Kulturverweser, die ihm die Verteidigung Ernst Barlachs gegen Formalismusvorwürfe verargten….“ (S.254ff)